Neue Regelungen beim Elterngeld : Weniger Aufwand beim Antrag auf Elterngeld

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Neue Regelungen für die Berechnung des Elterngeldes: Mit den Veränderungen will der Gesetzgeber das Verfahren vereinfachen: Die Eltern müssen weniger Nachweise einreichen. Manche Familien bekommen aber auch weniger Geld.

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17. Januar 2013, 05:45 Uhr

Das erste Baby des neuen Jahres in Mecklenburg-Vorpommern wurde schon in der ersten Minute von 2013 geboren. Für seine Familie gelten - wie für die Familien aller ab diesem Jahr geborenen Babys - neue Regelungen für die Berechnung des Elterngeldes. Mit den Veränderungen will der Gesetzgeber das Verfahren vereinfachen: Die Eltern müssen weniger Nachweise einreichen, so wird auch die Berechnung für die Sachbearbeiter leichter.

"Bisher mussten Arbeitnehmer ihre Lohn- oder Gehaltsabrechnung vorlegen und der Bearbeiter bestimmte Angaben extra herauslesen", erklärt Kerstin Plundrich, Fachfrau für das Elterngeld beim Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGuS). "Selbstständige benötigten eine betriebswirtschaftliche Auswertung. Jetzt brauchen wir von ihnen nur noch den aktuellen Steuerbescheid."

Freibeträge werden allerdings nur noch berücksichtigt, wenn sie allen Steuerpflichtigen zustehen. Für Angestellte wird eine Sozialabgaben-Pauschale von 21 Prozent vom Brutto-Verdienst abgezogen. Bisher wurde der Nettolohn zugrunde gelegt und die Abgaben wurden individuell berechnet. Die Neuregelung bringt jedoch mit sich, dass einige Familien bis zu zehn Euro pro Monat weniger Elterngeld bekommen könnten. "Das kann vorkommen", räumt Kerstin Plundrich ein. "Aber die Pauschalen sollen möglichst nah an den tatsächlichen Abzügen liegen. Das heißt auch, dass wir die Lohnsteuerklasse berücksichtigen." In dem aktualisierten Rechenverfahren bei den zuständigen Versorgungsämtern ist ein Programm hinterlegt, das in der Lohnabrechnung schon länger gebräuchlich ist. "Doch die Kollegen müssen sich erst einarbeiten", gibt die Fachfrau zu bedenken. "Wir können also noch nicht sicher sagen, ob und wie viele Familien tatsächlich weniger Geld bekommen. Möglicherweise bekommen manche auch etwas mehr."

Eine wesentliche Grundlage der Berechnung ist die Steuerklasse der Mutter vor der Geburt. Sollte sie innerhalb des letzten Jahres gewechselt haben, wird die Klasse benutzt, in der die Frau überwiegend war. Der Wechsel der Steuerklasse ist aus Sicht des LAGuS nicht immer sinnvoll. "Das Elterngeld fällt unter die Steuerprogression, das heißt, wenn die Familie mehr Einkommen hat, zahlt sie auch mehr Steuern", erklärt die Expertin. "Da lohnt sich dieser Wechsel der Steuerklasse unter Umständen nur für den Bezugszeitraum des Elterngeldes."

Den Antrag auf Elterngeld können junge Paare direkt nach der Geburt ihres Kindes stellen. Die Formulare liegen in den Kliniken aus, stehen aber auch im Internet zur Verfügung. Wichtig ist, dass es die neue Variante ist. Außerdem gibt es auf der Internetseite des Bundesfamilienministeriums einen Elterngeld-Rechner. Die Zahlung beginnt in den meisten Fällen acht Wochen nach der Entbindung, wenn das Mutterschaftsgeld von den Krankenkassen ausläuft.

"Das ist auch ein Grund, weshalb es noch wenige praktische Beispiele gibt", sagt Kerstin Plundrich. "Die Neugeborenen von 2013 sind ja erst wenige Wochen alt, deshalb sind bisher erst sehr wenige Anträge auf Elterngeld eingegangen."

Welche Auswirkungen die neuen Vorschriften haben, ließe sich wohl erst nach etwa einem Jahr sagen. Auch für die Bearbeiter ist es anspruchsvoll, sich darauf einzustellen. Schon in der Vergangenheit mussten sie sich neben der Elterngeldregelung auch mit der Sozial-, Steuer- und Ausländergesetzgebung auskennen. Bisher gibt es noch keine Durchführungsbestimmungen aus dem Bundesfamilienministerium für die neue Verordnung, in denen alle denkbaren Fälle aufgeführt sind. "Das Leben ist so komplex, das kann man nicht in ein paar Zeilen Gesetzestext zusammenfassen. Deshalb brauchen wir diese Richtlinien. Zu Verzögerungen in der Bearbeitung wird es deshalb aber nicht kommen", versichert Kerstin Plundrich.

Infos im Internet: http://www.familien-wegweiser.de/Elterngeldrechner

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