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Ratgeber

24. September 2017 | 23:22 Uhr

Was tun, wenn der Chef trinkt?

vom

svz.de von
erstellt am 22.Okt.2010 | 11:08 Uhr

Viele Leser wandten sich am frühen Dienstagabend während unserer Telefonaktion mit ihren Fragen an die Suchtberaterinnen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Brigitte Ganse und Beate Kübler-Blümel. Hier eine Auswahl der Fragen und Antworten:

Ich mache mir große Sorgen um meinen Sohn (29). Er ist alkoholabhängig, auch ein Entzug brachte nichts. Mitunter verbringt er die Nacht im Freien, weil er nicht mehr nach Hause findet. Wie soll es weiter gehen?

Sie können sich an den sozialpsychiatrischen Dienst des Gesundheitsamtes wenden. Das ist der Ansprechpartner für Angehörige und Betroffene bei einer Abhängigkeitsproblematik. Die Fachärzte, Psychologen, Sozialarbeiter und Sozialpädagogen stehen Ihnen und Ihrem Sohn für Beratung und fachliche Betreuung zur Verfügung. Die Gespräche werden vertraulich behandelt.

Ich arbeite in einer Behörde. Mein Chef trinkt. Ich habe andere Vorgesetzte davon informiert, aber sie meinten, dass wir das nicht an die große Glocke hängen sollten. Die Arbeit mit ihm ist aber sehr schwierig. Was kann ich machen?

Eine Möglichkeit wäre, sich an den Amtsarzt zu wenden, der für Ihre Behörde zuständig ist. Der könnte vielleicht in einem vertrauensvollen Gespräch Ihren Chef dazu bringen, sich professionelle Hilfe für einen Entzug zu holen.

Mein Mann trinkt pro Abend mindestens vier große Flaschen Bier und denkt, das sei in Ordnung. Stimmt das?

Erwachsene Männer sollten nicht mehr als zwanzig Gramm reinen Alkohol pro Tag trinken, Frauen nicht mehr als zehn Gramm, und zwei Tage in der Woche sollten alkoholfrei sein. In einem viertel Liter Bier sind zehn Gramm reiner Alkohol enthalten, in zwei Litern dementsprechend 80 Gramm Alkohol. Damit ist die gesundheitlich zuträgliche Grenze weit überschritten.

Meine Mutter macht am Tag eine halbe Flasche Rotwein leer. Sie ist der Auffassung, dass das gut für ihre Gesundheit ist. Was meinen Sie dazu?

Für Frauen liegt die Unbedenklichkeitsgrenze bei zehn Gramm reinem Alkohol pro Tag. Auch sie sollten an zwei Tagen in der Woche keinen Alkohol trinken. Zehn Gramm reiner Alkohol stecken schon in einem Achtel-Liter Wein. Eine halbe Flasche liegt also deutlich darüber.

Mein Mann trinkt und wird dann oft aggressiv. Ich bat ihn schon oft - wenn er nüchtern war - das Trinken und das Schlagen zu lassen. Aber er reagiert darauf gar nicht. Was könnte ich noch tun?

Entscheidend ist, was Sie wollen. Sie sind offensichtlich der einzige Mensch, den Sie verändern können. Ihr Mann muss selbst sehen, wie er klar kommt. Wollen Sie wirklich bei ihm bleiben oder wollen Sie sich besser aus der Verantwortung für ihn lösen? Wenn Sie weiter an ihm festhalten, vergeuden Sie eventuell wertvolle Lebenszeit.

Aus einem Glas Wein am Abend wurde bei meinem Mann im Laufe der Zeit eine Flasche. Noch gab es deshalb keine Probleme. Aber so weiter gehen kann das doch auch nicht, oder?

Nein. Ein Alkoholproblem löst sich nicht von allein in Luft auf. Im Gegenteil. Gewöhnlich steigt die Dosis immer mehr. Sagen Sie Ihrem Mann, was Sie beobachten - dass er immer mehr trinkt und dass Sie sich Sorgen um ihn machen. Vielleicht möchte er selbst etwas daran ändern. Dann kann er sich professionelle Hilfe holen, denn allein bekommt man eine Alkoholabhängigkeit selten in den Griff. Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen findet man im Telefonbuch oder im Internet, zum Beispiel unter www.bzga.de, Rubrik Service.

Wie kann mein Mann einen Entzug beantragen?

Der Hausarzt sollte zuerst einmal einen Antrag auf eine entsprechende Rehabilitationsmaßnahme stellen. Denn es dauert immer ein paar Wochen, ehe der Antrag durch ist. Ist die Maßnahme genehmigt, kann der Entzug in der Klinik beginnen. Der dauert etwa eine Woche. Gleich daran sollte sich der Aufenthalt anschließen, um die Therapie lückenlos fortzusetzen.

Wie läuft so ein Entzug eigentlich ab?

In der Regel steht am Anfang ein Einzelgespräch, in dem geklärt wird, wie stark der Betroffene abhängig ist und wie sein soziales Umfeld aussieht. Dann wird entschieden, ob eine ambulante oder stationäre Therapie günstiger ist. In jedem Fall wird der Alkoholkranke gut begleitet, bei Bedarf auch mit Medikamenten, die den Entzug erleichtern. An die Therapie sollte sich unbedingt eine ambulante Nachsorge anschließen.

Mein Sohn (27) trinkt. Er will nicht wahr haben, dass er ein Alkoholproblem hat und zu einer Beratung müsste. Mich macht sein Verhalten ganz krank. Was kann ich tun?

Wenn Ihr Sohn nicht zu einer Beratungsstelle gehen will, dann gehen Sie selbst. Nicht um dem Sohn zu helfen, sondern um sich selbst Hilfe zu holen, damit Sie besser mit der Situation umgehen können.

Wo bekommen Angehörige von Alkoholabhängigen Unterstützung?

Schauen Sie in den örtlichen Telefonbüchern nach oder im Internet, zum Beispiel unter www.dajeb.de . Sie können sich auch gern noch einmal an die BZgA wenden. Wir verfügen über eine aktuelle Datei von Beratungsstellen in Deutschland, die auch für Angehörige da sind. Eine Broschüre für Angehörige von Suchtkranken zum Download gibt es unter www.bzga.de , Rubrik Information und Bestellungen, Bereich Suchtvorbeugung. Die Broschüre heißt: "Ein Angebot an alle, die einem nahe stehenden Menschen helfen möchten".

Mein Mann kann keinen Abend mehr ohne Alkohol verbringen. Zum Bier kommt jetzt immer auch noch Schnaps dazu. Trennen will ich mich noch nicht von ihm. Aber so kann es auch nicht weiter gehen. Was raten Sie mir?

Schildern Sie ihm sachlich, dass er immer mehr Alkohol konsumiert und dass Sie unter diesen Umständen nicht gern mit ihm zusammen sind. Vielleicht ist das für Ihren Mann schon eine Motivation, etwas zu ändern. Aber ohne eine Therapie wird er es kaum schaffen. Denn Alkoholismus ist eine Krankheit und muss - wie andere Krankheiten auch - professionell behandelt werden. Das muss der Alkoholabhängige aber wollen. Will er es nicht, dann können Sie sich Unterstützung bei einer Beratungsstelle für Angehörige holen. Versuchen Sie, sich nicht zu sehr mit dem Alkoholproblem Ihres Mannes zu belasten. Leben Sie Ihr eigenes Leben, verabreden Sie sich mit Freunden, pflegen Sie Hobbys, tun Sie, was Ihnen Spaß macht. Wenn er Zeit mit Ihnen verbringen möchte, dann können Sie mit ihm vereinbaren, dass während dieser Zeit kein Alkohol getrunken wird.

Mein Sohn lebt mit einer jungen Frau zusammen. Ich merke, wie die Beziehung sich verschlechtert, weil er trinkt. Die Freundin wird immer unglücklicher, will aber bei meinem Sohn bleiben. Wie kann ich ihr helfen?

Letztendlich muss die Lebensgefährtin Ihres Sohnes selbst aktiv werden. Sie können das Problem offen ansprechen, Sie können ihr Ihre Hilfe anbieten - aber das war es auch schon. Vielleicht sagen Sie ihr, dass Suchtberatungsstellen oft auch die Angehörigen beraten und dass sie sich dort Hilfe holen kann. Eventuell tut sich auch im Kopf Ihres Sohnes etwas wenn er merkt, dass sich seine Lebensgefährtin beraten lässt.

Meine Tochter ist siebzehn. An den Wochenenden kommt sie oft betrunken nach Hause. Aber sie meint, das sei ganz normal. Wie soll ich darauf reagieren?

Suchen Sie ein offenes Gespräch - wenn sie nüchtern ist. Versuchen Sie zu erfahren, warum sie sich regelmäßig betrinkt. Damit sie selbst ihren Alkoholkonsum überprüfen kann, können Sie ihr im Internet die Seite www.kenn-dein-limit.info empfehlen. Dort gibt es unter "check your drinking" einen Selbsttest zum Alkoholkonsum.

Wie viel Alkohol kann ein 15jähriger trinken?

Am besten gar keinen. Alkohol ist ein Zellgift, das jugendliche Gehirnzellen schädigen kann. Nach häufigen Rauschzuständen lassen Gedächtnisleistung und Konzentrationsfähigkeit nach. Jugendliche bauen Alkohol schlechter ab als Erwachsene, da die nötigen Enzyme noch nicht in vollem Umfang ausgebildet sind. Deshalb bekommen sie schneller eine Alkoholvergiftung. Gefährlich ist es auch, wenn Jugendliche meinen, bestimmte Situationen mit Alkohol besser bewältigen zu können. Das kann ein erster Schritt zum Alkoholmissbrauch sein.

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