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Ratgeber: Finanzen : Was gegen steigende Inflation hilft

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Während Kreditnehmer von einer Geldentwertung profitieren, fürchten Sparer geringere Erträge: Was sie tun können:

svz.de von
erstellt am 03.Jul.2017 | 08:00 Uhr

Die Inflationsrate in Deutschland ist wieder gesunken – den niedrigeren Energiepreisen sei Dank. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag die Jahresteuerungsrate im Mai bei 1,5 Prozent – nach 2,0 Prozent im April. Sparer und Anleger können trotzdem noch nicht aufatmen. Der Grund: Die Inflation schmälert ihre Erträge. „Das gab es früher auch schon“, sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. „Nur da hat die Menschen eine hohe Inflationsrate nicht so gestört.“ Denn heute kommt erschwerend hinzu: Die Zinsen sind historisch niedrig.

Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Bremen bringt das Dilemma auf den Punkt: „Eine 100-prozentige Sicherheit der Geldanlagen bedeutet derzeit leider auch einen realen Kapitalverlust.“ Aus Trotz gar nicht zu sparen, ist aber keine Lösung. „Wer gar nichts beiseitelegt, hat am Ende ja auch gar nichts“, sagt Max Herbst von der FMH Finanzberatung. Er rechnet vor, dass aus monatlich 100 Euro nach zwölf Monaten 1200 Euro werden. „Beträgt die Inflation 2 Prozent, bleiben einem dann immerhin noch 1176 Euro.“ Anleger sollten den Zeitpunkt nutzen und ihre eigene Strategie auf den Prüfstand stellen. „Sparer, die ihre Chance auf Rendite steigern wollen, müssen zwangsweise ein bisschen risikofreudiger werden“, erläutert Oelmann.

Das bedeutet aber nicht, dass sie leichtsinnig nur nach der Rendite schielen sollen, um die Inflation auszugleichen. „Es müssen immer alle Risiken, die mit einer Geldanlage verbunden sind, zusammen betrachtet werden“, sagt Oelmann. „Wer sein Geld kurzfristig anlegen möchte, kommt – trotz der niedrigen Zinsen – kaum am Tagesgeld oder an kurzfristigen Festgeldern vorbei“, erklärt Oelmann. Ein Wechsel der Bank könne sich schon bei einer geringen Zinsdifferenz von 0,7 Prozent lohnen. „Wer etwa 10 000 Euro anlegt, hat am Ende eines Jahres dann 70 Euro mehr“, rechnet Herbst vor.

Wer langfristig sparen will – etwa für die Altersvorsorge – oder mehr Geld zur Verfügung hat, das er über Jahre liegen lassen kann, dem empfiehlt Herbst: „Über Wertpapiersparpläne in Aktien oder Fonds investieren.“ So können Anleger beispielsweise auf den Aktienindex MSCI World mit Exchange Trades Funds (ETF) setzen. Eine Direktanlage in einzelne Aktien oder Anleihen ist nur etwas für erfahrene Anleger.

Insgesamt empfiehlt sie, das Geld nicht zu lange fest anzulegen: „Sonst kann nicht mehr reagiert werden, wenn die Zinsen irgendwann wieder steigen sollten.“ Das ist gar nicht so unrealistisch: Die EZB strebt eine Inflationsrate von knapp zwei Prozent an. „Dann wird sie den Anleihenkauf zurückfahren und anschließend den Leitzins stufenweise erhöhen“, sagt Herbst. Die Kreditinstitute werden dann die Zinsen ebenfalls nach oben anpassen, sagt Oelmann.

Bis es zu Änderungen in der Geldpolitik kommt, profitieren immerhin Kreditnehmer von den niedrigen Zinsen. Es kann sich also lohnen, zu investieren – etwa in eine Immobilie – statt zu sparen. Der Kauf ist aber nur empfehlenswert, wenn die Finanzierung solide ist: „Man sollte mindestens 20, besser 30 Prozent Eigenkapital mitbringen“, sagt Oelmann. Außerdem sollte man „berücksichtigen, dass die Kreditzinsen irgendwann wieder steigen werden und eine spätere Anschlussfinanzierung wesentlich teurer sein kann“.

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