Finanztipps : Vorsorge: Mit oder ohne Riester?

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Gesetzliche Rente deckt immer weniger den Lebensunterhalt im Alter. Laut DVAG: Riester-Rente bietet trotz Niedrigzins gute Alternative.

svz.de von
09. September 2015, 12:00 Uhr

Private Altersvorsorge gilt vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung als ein Muss. Die Menschen werden immer älter und der Anteil der Rentner gegenüber den erwerbstätigen Beitragszahlern nivelliert sich weiter.

Voraussichtlich wird die gesetzliche Rente für den Lebensunterhalt im Alter nicht mehr ausreichen. Die rot-grüne Bundesregierung hatte darauf reagiert, indem sie ein staatlich gefördertes Programm für eine private Zusatzrentenversicherung auflegte, die „Riester-Rente“. Doch wie die meisten Geldanlagen scheint die Riester-Rente in der anhaltenden Niedrigzins-Phase nicht attraktiv. Der Chefvolkswirt der Deutschen Vermögensberatung (DVAG), Ralf-Joachim Götz, hält sie dennoch in den meisten Fällen für den „idealen Einstieg in die private Altersvorsorge“.

Das sage er nicht, weil sein Konzern natürlich auch mit solchen Verträgen sein Geschäft betreibt – im Gegenteil: Für die DVAG-Vermögensberater habe dieses Produkt einen deutlich höheren Erklärungsbedarf. Zudem sei es in der Verwaltung aufwändig. „Aber die staatliche Riester-Förderung mit Zulagen bzw. Steuervorteilen ist attraktiv. Je nach Einkommen und Familienstand kann der Staat bei Förderberechtigten mehr als die Hälfte der Beitragszahlungen übernehmen.“

Gewiss sei ein solcher Vertrag wie jede Rentenversicherung „eine Wette auf ein langes Leben“, räumt Götz ein. Allerdings haben Riester-Sparer die Möglichkeit, bei Rentenbeginn 30 Prozent des für die Verrentung zur Verfügung stehenden Kapitals als Einmalauszahlung zu entnehmen.

„Ganz wichtig bei der Riester-Rente ist auch die Garantie, dass zu Rentenbeginn alle bis dahin vom Kunden eingezahlten Beiträge sowie alle staatlichen Zulagen zur Verrentung verfügbar sein müssen. Und dies unabhängig von der Kapitalmarktentwicklung“, so Götz.

Insgesamt verzeichnete der DVAG-Chefvolkswirt über die Jahre tendenziell einen Rückgang der Sparquote bei den Deutschen, auch wenn zuletzt wieder mehr auf die hohe Kante gelegt wurde. „Viele Leute gaben nach der Verunsicherung durch die Krisenjahre und dank niedriger Finanzierungs-, aber demzufolge auch Anlagezinsen ihr Geld lieber aus, als es anzulegen. Zudem begünstigten höhere Lohnabschlüsse den Konsum.“

Dennoch behauptet er, dass sich das Sparen lohnt, wenn man es richtig macht. So bringen beispielsweise klassische Lebensversicherungen ungeachtet der Niedrigzinsen ein Vielfaches gegenüber dem klassischen Sparbuch oder einer Bundesanleihe. Die reale Rendite von Lebensversicherungen ist angesichts von Inflationsraten nahe 0 Prozent derzeit sogar besonders attraktiv.

Für viele Anleger sind zudem fondsgebundene Lebensversicherungen sehr interessant, weil deren Wertentwicklung stärker von den Entwicklungen an den Kapitalmärkten bestimmt wird. Die DVAG hat laut Geschäftsbericht ungefähr ein Viertel Marktanteil bei der Vermittlung fondsgebundener Lebensversicherungen.

Verbraucherzentralen kritisieren mitunter auch DVAG-Beratungsleistungen. Ralf-Joachim Götz bestreitet nicht, dass unter den rund 37 000 Beratern des größten deutschen Finanzvertriebs auch vereinzelt „schwarze Schafe“ sein können. Von denen trenne man sich jedoch konsequent. Sein Unternehmen schießt deshalb auch gern mal gegen seine Kritiker zurück: So seien beispielsweise im Jahr 2014 von den rund 450 000 Lebensversicherungsverträgen, die von Vermögensberatern der Deutschen Vermögensberatung vermittelt wurden, nur ganze drei von der Finanzdienstleistungsaufsicht beanstandet worden.

Mehr noch als an konkreten Beratungsleistungen reiben sich Verbraucherschützer am System der Provisionsberatung, die auch das Geschäftsmodell der DVAG ist. Aus Sicht der Kritiker führen Provisionen für die Vermittlung von Finanzprodukten dazu, dass Vertriebsmitarbeiter nicht das Optimum für den Kunden vermitteln würden, sondern versuchten, die Produkte an den Mann zu bringen, für die sie die höchsten Provisionen kassierten.

„Das ist auf Dauer nicht zielführend“, sagt Götz, selbst wenn er nicht ausschließen will, dass es auch solche Mitarbeiter gebe. Natürlich komme es gelegentlich zu Fehlern, die lägen aber nachweislich im Promillebereich. „Jeder Einzelfall tut mir leid, aber es gibt Möglichkeiten, diesen zu klären.“ Wer langfristig im Geschäft bleiben wolle, müsse auch nach Jahren noch seinen Kunden guten Gewissens in die Augen schauen können. „Man sieht sich immer zweimal im Leben!“ Im Übrigen sei das Risiko, dass der Vermittler Provisionen zurückzahlen muss, falls ein Kunde die Verträge später kündigt, durchaus disziplinierend, meint Götz.

Die Honorarberatung jedenfalls, die seit Jahren von den Verbraucherschützern favorisiert und politisch gefordert wird, sei keine Alternative. Zum einen sind viel zu wenige Kunden bereit, Geld für eine Finanz- und Versicherungsberatung zu bezahlen, deren Erfolg am Ende unklar ist. „Zudem gibt es ja noch nicht einmal eine transparente Gebührenordnung!“

Zum anderen herrsche auf diesem Markt ein merkwürdiger Wettbewerb: „Verbraucherzentralen beziehen Position gegen Provisionsberatung und bieten selbst konkurrierende Beratungsleistungen gegen Honorar an – und zwar deutlich preiswerter, als dies ein freier Honorarberater könne, weil die Verbraucherzentralen eben staatlich gefördert werden.“ Weil bei der Provisionsberatung nur im Falle der erfolgreichen Vermittlung zu zahlen ist und Kosten für den Kunden bei kleineren Anlagebeträgen niedriger seien als bei großen, sei sie „sozialer und oft preiswerter“ als die Honorarberatung.

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