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Ratgeber: Deutsche erben 2,6 Billionen Euro : Viel zu vererben, ungleich verteilt

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Die Deutschen erben in diesem Jahrzehnt 2,6 Billionen Euro – durchschnittlich 305.000 Euro pro Erbfall oder 153.000 Euro pro Erbe. Bis 2020 wird 20 Prozent mehr Vermögen vererbt als noch in den zehn Jahren davor.

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erstellt am 15.Jun.2011 | 05:26 Uhr

Die Deutschen erben in diesem Jahrzehnt 2,6 Billionen Euro – durchschnittlich 305.000 Euro pro Erbfall oder 153.000 Euro pro Erbe. Bis 2020 wird 20 Prozent mehr Vermögen vererbt als in den zehn Jahren davor, wie aus einer gestern in Berlin vorgestellten Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) hervorgeht. Das erkläre sich vor allem daraus, dass nun eine Generation zu Erblassern werde, die in den „Wirtschaftswunderjahren“ damit begonnen habe, ihr Vermögen aufzubauen, erklärte Rainer Braun, einer der Autoren der Studie.

Viele erben wenig, wenige erben viel: Das ist eines der Ergebnisse der Untersuchung „Erben in Deutschland. Volumen, Verteilung und Verwendung“. Mehr als ein Drittel der Erblasser vermachen ein Vermögen von weniger als 25.000 Euro. Dabei geht jeder zehnte Erbe vollständig leer aus. Ein Drittel vermacht seinen Kindern zwischen 25.000 und 150.000 Euro, und ein Drittel hinterlässt ihnen noch mehr Vermögen. Zwischen den alten und den neuen Bundesländern bestehen bei den Erbschaften noch immer starke Unterschiede. Während im Westen in 54 Prozent aller Erbfälle eine Immobilie weitergereicht wird, ist dies im Osten nur in 39 Prozent der Fall. Das werde sich in den kommenden Jahrzehnten allerdings angleichen, sagte Braun. Am meisten würden diejenigen erben, die ohnehin bereits vermögend seien, sagte Braun. So erhielten Erben mit einem Haushaltseinkommen von weniger als 4000 Euro im Monat deutlich weniger als die durchschnittliche Erbschaft von 153.000 Euro. Erben mit einem Einkommen jenseits davon erhielten deutlich mehr.

Für ihre Studie untersuchten die Wissenschaftler auch die Verwendung des Erbes durch die Erben. Der überwiegende Teil der Erben habe vor, das Erbe zu bewahren. So werden nur 28 Prozent der geerbten Immobilien verkauft und Gelderbschaften mit zunehmender Höhe in Wohneigentum investiert. 58 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu, das Erbe zur Verbesserung ihres Lebensstandards nutzen zu wollen, und 42 Prozent wollen sich davon auch einen Traum verwirklichen. Für 41 Prozent ist es auch Teil ihrer Alterssicherung.

Die Zeiten, in denen das Volumen des vererbten Vermögens so rasch steige wie in den vergangenen Jahrzehnten, seien aber wohl vorbei, prognostizieren die Wissenschaftler. „Unter den Erblassern wächst eine Generation der Langzeitarbeitslosen und eine wachsende Gruppe schlecht Ausgebildeter nach“, heißt es in der Studie.

Selbst verfasstes Testament muss handschriftlich sein

Nicht selten führt eine Erbschaft zu Streit unter den Erben. In knapp der Hälfte dieser Fälle ist ein fehlendes oder mangelhaftes Testament der Auslöser. Experten raten deshalb, rechtzeitig ein Testament aufzusetzen. Es kann als Urkunde vom Notar angefertigt werden, die dann aber noch unterschrieben werden muss. Eine andere Möglichkeit ist, es selbst zu verfassen. Ein selbst verfasstes Testament muss aber handschriftlich vorliegen. Sonst ist es ungültig. „Einige machen den Fehler, Formulierungsvorschläge aus dem Internet auszudrucken und diese zu unterschreiben. Das reicht nicht“, warnt der Berliner Notar und Rechtsanwalt Ulrich Schellenberg.

Auch wer sein Testament ohne fachliche Hilfe schreibt, muss juristische Begriffe korrekt verwenden. „Das kann für den Laien schwierig werden“, so Schellenberg. Zum Beispiel bestimmten die Wörter „Vorerbe“ und „Nacherbe“ eben gerade nicht, dass das Vermögen zunächst ohne Beschränkung auf die Ehefrau übergeht und erst nach deren Tod an die Kinder. Will man die Ehefrau zur uneingeschränkten Vollerbin machen, wären die richtigen Vokabeln in diesem Fall „Erbe“ und „Schlusserbe“. Ein weiteres Problem seien falsche Vorstellungen von Rechtsgrundlagen. Der Bruder habe etwa keinen Anspruch auf einen Pflichtteil, und der Ehepartner bekomme nicht automatisch alles, wenn kein Testament aufgesetzt wurde.

Für eine notarielle Anfertigung spricht Schellenberg zufolge, dass das Testament beim Amtsgericht hinterlegt wird und somit auf jeden Fall nach dem Tod auftaucht. Bei zu vererbendem Grundbesitz würden so auch Kosten für das Erbscheinsverfahren zur Änderung im Grundbuch gespart, die sonst für die Erben anfallen.

Kontozugriff für Erben: Vollmacht hilft Vermögen zu sichern Bis ein Erbschein ausgestellt ist, kann einige Zeit vergehen. Daher sollten Erblasser ihren Erben noch zu Lebzeiten eine Vollmacht ausstellen, erklärt die Aktion „Finanzwissen für alle“ der Fondsgesellschaften. Die Vollmacht müsse bei der konto- oder depotführenden Bank schriftlich hinterlegt werden. Mit einem solchen Papier hätten die Begünstigten später sofort Zugriff auf das Konto oder das Depot. Das heißt: Bei Kursschwankungen könnten sie sehr schnell reagieren und Aktien oder Fonds eventuell verkaufen, um das Vermögen zu schützen.

Durch Erbschaft geringere Hartz-IV-Leistungen

Erben Hartz-IV-Empfänger, wird das geerbte Geld angerechnet. Die staatlichen Leistungen werden dann entsprechend gekürzt, entschied das Sozialgericht Koblenz (Az.: S 6 AS 1070/08). Darauf weist die Arbeitsgemeinschaft Erbrecht des Deutschen Anwaltvereins hin. Im verhandelten Fall hatte eine Hartz-IV-Empfängerin rund 6500 Euro geerbt. Die Arbeitsagentur kürzte daraufhin ihre Leistungen, da die Erbschaft als Einkommen anzurechnen sei. Die Erbschaftssumme sei auf einen Zeitraum von zwölf Monaten aufzuteilen und als monatliches Einkommen in Höhe von knapp 545 Euro zu berücksichtigen. Die Frau dagegen argumentierte, die Erbschaft stelle kein Einkommen dar, vielmehr handele es sich um nicht anrechenbares Vermögen. Vor Gericht hatte sie damit keinen Erfolg. Bei der Erbschaft handele es sich nicht um Vermögen, urteilten die Richter. Als Vermögen werde all das bezeichnet, was der Betreffende zu dem Zeitpunkt besitze, an dem der Bezug von Leistungen einsetze. Einkommen dagegen sei all das, was jemand in der Bedarfszeit wertmäßig zusätzlich erhalte.

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