Trinkern keine Vorhaltungen machen

„Verzichten Sie möglichst auf Vorhaltungen, die führen eher zur Abwehr.“ - Klaus Koldin, Suchtberater  bei  der BZgA
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„Verzichten Sie möglichst auf Vorhaltungen, die führen eher zur Abwehr.“ - Klaus Koldin, Suchtberater bei der BZgA

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30. Mai 2013, 09:36 Uhr

Fast zehn Millionen Menschen in Deutschland trinken so viel Alkohol, dass sie Gefahr laufen, damit ihrer Gesundheit ernsthaft zu schaden. Entsprechend häufig beantworteten die Suchtberater der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung während unserer Telefonaktion die Anfragen zum Thema Alkohol. Hier eine Zusammenfassung:

Mein Freund und ich - wir machen kaum noch etwas zusammen. Er sitzt abends ständig vor dem Fernseher und trinkt Bier und Korn. Ich will nicht zu sehr dagegen halten, ich habe Angst, dass er sich sonst von mir trennt. Wie sollte ich mich verhalten?

Schweigen Sie weiter, wird sich nichts ändern. Im Gegenteil, gewöhnlich nimmt der Alkoholkonsum mit den Jahren noch zu. Sie sollten überlegen, was Sie von Ihrer Partnerschaft erwarten und wie lange Sie das Trinken Ihres Freundes noch tolerieren wollen. Teilen Sie ihm Ihre Entscheidung mit. Drohen Sie aber nicht mit Konsequenzen, die Sie dann nicht einhalten können. Ich rate Ihnen, sich Unterstützung bei einer Lebensberatungsstelle zu holen. Die Experten dort können Ihnen helfen he rauszufinden, was Sie im Leben möchten und wie Sie das einfordern können.

Ohne Alkohol - entweder Wein oder Kog nak oder Whiskey - komme ich abends nicht runter. Allerdings ist es in letzter Zeit etwas viel geworden, immer fünf bis sechs Gläser. Muss ich Sorge haben, dass ich abhängig werde?

Fünf bis sechs Gläser Alkohol und das täglich - das ist Alkoholmissbrauch und die Gefahr ist groß, in eine Abhängigkeit zu rutschen. Ich rate Ihnen, sich andere Rituale zu überlegen, die Sie nach Feierabend entspannen können, wie zum Beispiel Spaziergänge, Sport, Musik, Spiele, Hobbys oder was auch immer Ihnen gut tut. Gelingt es nicht, so den Alkoholkonsum zu reduzieren, sollten Sie nicht zögern, sich an eine Suchtberatungsstelle zu wenden, um gemeinsam einen Weg zu finden.

Wo gibt es Suchtberatungsstellen?

Adressen von Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen finden Sie im Telefonbuch oder im Internet, zum Beispiel unter www.bzga.de, Rubrik Service.

Meine Tochter (34) wohnt nicht mehr zu Hause. Jetzt waren wir ein paar Tage im Urlaub zusammen und ich bin entsetzt, wie viel sie trinkt. Wie soll ich mich verhalten?

Sie können Ihrer Tochter offen und sachlich sagen, was Sie beobachtet haben. Verzichten Sie möglichst auf Vorhaltungen, die führen eher zur Abwehr. Besser ist es zu betonen, dass Sie sich Sorgen um sie machen und dass sie die Hilfe einer Suchtberatungsstelle in Anspruch nehmen kann, falls sie allein nicht mehr vom Alkohol los kommt.

Mein Mann trinkt jeden Abend drei, vier Flaschen Bier und dazu Schnaps. Noch hat es niemand von außerhalb gemerkt. Aber mir geht es damit nicht gut und unsere Beziehung leidet auch darunter….

Oft sind die Angehörigen in das System der Suchterkrankung einbezogen. Man spricht dann von einer Co-Abhängigkeit. Diese gilt es zu erkennen und aufzulösen, um dem Angehörigen wieder mehr Lebensqualität zurückzugeben aber auch, um eine Verhaltensänderung des Suchtkranken zu fördern. Hilfe bei diesem Prozess finden Sie bei Suchtberatungsstellen, die auch Angehörige beraten.

Meine Mutter fängt am Wochenende schon morgens an, Sekt zu trinken. Das geht den Tag über munter weiter. Auch in der Woche trinkt sie täglich. Sie meint, das tut ihr gut und ich soll mich nicht so haben. Wie komme ich an sie ran?

Wenn erwachsene Menschen zu viel trinken, das aber nicht als Problem sehen und sich nicht ändern wollen, dann hat man keine Chance, eine Veränderung zu bewirken. Man kann nur sachlich seine Meinung zu dem Problem kund tun und Unterstützung anbieten, falls derjenige sein Trinkverhalten ändern möchte. Aber mehr geht nicht. Diese Situation ist für Sie bestimmt schwer zu ertragen. Deshalb rate ich Ihnen, sich Hilfe für Angehörige von Alkoholabhängigen zu suchen. Die bieten oft auch Suchtberatungsstellen an. Schauen Sie in den örtlichen Telefonbüchern nach oder im Internet, zum Beispiel unter www.dajeb.de.

Sollte ich lieber auf das Glas Rotwein verzichten, das ich alle zwei Tage trinke? Kann das gesundheitliche Probleme bringen?

Nein. Laut Weltgesundheitsorganisation liegt die gesundheitlich unbedenkliche Grenze bei erwachsenen Frauen bei zehn Gramm reinen Alkohol am Tag, bei Männern bei etwa zwanzig Gramm. Zu Ihrer Orientierung: Zehn Gramm reiner Alkohol stecken zum Beispiel in einem Achtel-Liter-Glas Wein. Das ist in etwa die Menge, die Sie konsumieren. Gut ist, dass Sie nicht jeden Tag den Rotwein trinken. Denn zwei Tage in der Woche sollten alkoholfrei sein, damit ein Gewöhnungseffekt vermieden wird.

Ich befürchte, dass ich zu viel trinke. Könnte ich das irgendwo anonym testen?

Ja, zum Beispiel mit dem Selbsttest auf der BZgA-Seite www.kenn-dein-limit.de. Oder Sie bestellen sich unter order@bzga.de das Trinktagebuch und füllen es aus. Auch so erhalten Sie einen Überblick über das eigene Trinkverhalten.

Ich will versuchen, sechs Wochen keinen Alkohol zu trinken. Kann ich dabei alkoholfreies Bier trinken?

Besser nicht. Zum einen ist in alkoholfreiem Bier immer noch ein wenig Restalkohol. Zum anderen würden Sie damit ja beim Geschmack des Bieres, der immer für Sie mit Alkohol verbunden war, bleiben. Das ist also keine große Veränderung für Sie und es ist wahrscheinlich, dass Sie nach wenigen Tagen wieder beim Bier mit Alkohol landen. Besser wäre es, wenn Sie die Geschäfte durchstreifen und sich alkoholfreie Getränke suchen, die Ihnen schmecken und die Sie nicht an Bier oder Wein oder andere alkoholische Getränke erinnern.

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