Beim Heckenscheiden : Kleingärtner wird von Wespen totgestochen

Wespen stehen aufgrund ihrer wichtigen biologischen Funktion unter Naturschutz. Foto: dpa
Wespen stehen aufgrund ihrer wichtigen biologischen Funktion unter Naturschutz. Foto: dpa

Ein 50-Jähriger überlebte eine Begegnung mit den Tieren nicht. Die Polizei schließt einen allergischen Schock nicht aus.

svz.de von
09. Juli 2018, 14:22 Uhr

Herne | Ein 50-jähriger ist in einer Kleingartenanlage in Herne von Wespen totgestochen worden, weil er beim Heckenscheiden vermutlich ein Nest der Insekten übersah. Nach Polizeiangaben vom Montag hatte der Mann in seiner Parzelle mit einer Heckenschere in das Insektennest geschnitten. Er sei mehrmals im Gesicht gestochen worden und zu Boden gesackt.

Ob er auch Wespen eingeatmet hatte, war zunächst unklar. Der Notarzt versuchte vergeblich, den Mann wiederzubeleben - der Kleingärtner sei noch in der Anlage gestorben. Die Polizei schließt einen allergischen Schock nicht aus. Zuerst hatte "Bild" über den Vorfall vom Freitagabend berichtet und zitiert Polizeisprecher Volker Schütte mit den Worten: „Die Todesumstände waren zunächst unklar, deshalb haben Kollegen des KK11 die Ermittlungen aufgenommen.

Erst kürzlich hatte ein Mann in Sachsen-Anhalt bei dem Versuch, ein Wespennest zu vernichten, ein Haus in Brand gesetzt und einen Schaden von rund 100.000 angerichtet. Der Mieter wollte das Nest hinter der Außenfassade des Reihenhauses mit Haarspray bekämpfen. Als Flammen hochschlugen, habe der Mann sie erst selbst löschen wollen und schließlich die Feuerwehr gerufen. Die brachte den Brand unter Kontrolle.

Einflugschneise schnell durchqueren

Unter den vielen Wespenarten werden grundsätzlich nur die Deutsche Wespe und Gemeine Wespe dem Menschen lästig. Wenn man ihre Nester am Haus findet, sollte man Fliegengitter und -netze an Fenstern und Türen anbringen, rät der Naturschutzbund Sachsen-Anhalt. Außerdem sollte man die Einflugschneisen zum Nest zügig durchkreuzen - das sei auch ungefährlich. Erst längeres Verstellen der Flugschneisen schaffe Unruhe und steigere die Abwehrbereitschaft der Tiere.

Gartenbesitzer dürfen Wespennester im Garten nicht eigenhändig umsiedeln. Foto: dpa
dpa
Gartenbesitzer dürfen Wespennester im Garten nicht eigenhändig umsiedeln. Foto: dpa

Wenn es möglich ist, sollte man mit dem Entfernen abwarten, bis das Wespenvolk im Herbst stirbt und die Königin zur Überwinterung auszieht. Allerdings wird laut Nabu eine frühere Umsiedlung in einigen Fällen unumgänglich sein - etwa bei Nestern in der Nähe von häufig benutzten Durchgängen und auf Balkonen. Die zuständigen Behörden können hierzu informieren.

Strafen bis zu 5000 Euro möglich

Experten raten, die Tiere nicht anpusten, um sie zu vertreiben. Das Kohlendioxid in der Atemluft ist ein Alarmsignal für die Tiere und versetzt sie in Angriffsstimmung. Hilfreich ist aber zerstäubtes Wasser aus der Sprühflasche. Gibt man einen Wassernebel in Richtung Wespe ab, denkt diese, es fange an zu regnen und folgt ihren Instinkten: Sie flüchtet in ihr Nest. Dazu rät der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV). Allerdings sollte man aus Tierliebe nur Wasser benutzen - und bereits zum Putzen verwendete Sprühflaschen gut von Rückständen von Fensterreiniger oder anderen reizenden Flüssigkeiten befreien. Diese können den Tieren ernsthaft schaden.

Gartenbesitzer dürfen Wespennester im Garten nicht eigenhändig umsiedeln. Denn das ist einerseits zu gefährlich. Andererseits stehen Wespen aufgrund ihrer wichtigen biologischen Funktion unter Naturschutz. Darauf weist das Deutsche Grüne Kreuz hin. Die Tiere jagen Schadinsekten. Ist eine Nestumsiedlung notwendig, sollten Betroffene daher einen autorisierten Experten beauftragen. Eigenmächtige Tötungen der Insekten können teuer werden: Wer bei den in Deutschland am meisten verbreiteten Arten Deutsche Wespe und Gemeine Wespe handgreiflich wird, muss bis zu 5000 Euro zahlen.

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