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Tipps zur Vogelzählung : Hier ist ein Männchen mit Revier

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Wenn Ornithologen Vogelzählungen machen, gehen sie nach einem ganz bestimmten Schema vor / Hier ein paar Tipps

Aufmerksame Leser fragten nach der Lektüre des SVZ-Artikels über die Frühjahrstagung der Ornithologen, wie man denn solch kleine Vögel wie die Ammern in der freien Natur zählen könne. Hier nun die Antwort über die Zählmethoden der Ornithologen.

Einfach ist die Zählung von Brutstätten und Nestern von Großvögeln oder Koloniebrütern. Die jährliche Erfassung des Weißstorchbestandes in unserem Altkreis Parchim lässt sich leicht handhaben, weil man die großen und auffälligen Nester erfassen kann. Über Besetzung der Nester und auch den Bruterfolg der Storchenpaare bekommt man dann von den Dorfbewohnern oft sehr genaue Auskünfte.

Graureiher, auch Fischreiher genannt, nisten zu mehreren in einem Baumbestand, sie werden auch Koloniebrüter genannt. Vor der Laubentfaltung kann man hier auch sehr gut die beflogenen Horste zählen. Kolonieartig nisten auch die Mehlschwalben unter den Dächern und die Uferschwalben in den Kiesgruben. Mit etwas Geduld und einem Fernglas kann man auch hier die beflogenen Nester zählen.

Wie nun aber die große Anzahl der Sperlingsvögel – Amsel, Drossel, Fink und Star, und auch die Gold- und Grauammern – zählen? Hier hat sich die Methode der Erfassung der singenden Männchen bewährt. Fast ausschließlich singen die Männchen, singende Weibchen sind sehr selten. Das Vogelmännchen signalisiert mit seinem Gesang: „Hier ist ein Männchen mit Brutrevier“, will damit ein Weibchen für eine erfolgreiche Brut anlocken und verteidigt mit seinem Gesang sein Revier gegenüber Rivalen.

Der Gesang ist ein wichtiger Bestandteil der Balz. Für den Gesang nutzen die Männchen bestimmte Singwarten, zum Beispiel Bäume, auch Telegrafenmaste. Indem die Ornithologen bestimmte Strecken während der Vogelbalz abgehen, Standardmaß sind sechs Zählungen, können die singenden Männchen ziemlich genau erfasst werden. Anhand der Zählungen kann auf die Revierpaare geschlossen werden, weil man davon ausgeht, dass zu jedem Männchen auch ein Weibchen gehört. Ich selbst habe die Ammern auf diese Art und Weise am ehemaligen Bahndamm von Tessenow bis Suckow erfasst, indem ich in den Morgenstunden den Bahndamm, jetzt eine schöne Hecke mit Büschen und Bäumen, mehrmals abgegangen bin und die singenden Männchen auf ihren Singwarten notiert habe. Mitunter sind die singenden Vögel nicht zu sehen, man kann sie nur hören, so verstecken sich die Männchen der Nachtigallen im Dickicht der Büsche. Oftmals gibt der Volksmund lustige Sprüche über den Gesang wieder. Der unvergessene Lehrer Walter Dahnke aus Parchim zitierte immer gern über den Gesang der Goldammer: „Wie, wie, wie hab ich Dich lieb!“ (Wenn ein Mädchen kam.) „Goh wech, oder ik schiet“ (Wenn ein Junge kam.)

Walter Kintzel

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erstellt am 04.Mai.2016 | 13:00 Uhr

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