Hyalomma-Zecke : Erster Fall in Deutschland: Neue Riesenzecke überträgt Fleckfieber

Die sogenannte Hyalomma-Zecke soll erstmals in Deutschland das Zecken-Fleckfieber übertragen haben. Foto: dpa/Andrea Schnartendorff/Robert Koch-Institut
Die sogenannte Hyalomma-Zecke soll erstmals in Deutschland das Zecken-Fleckfieber übertragen haben. Foto: dpa/Andrea Schnartendorff/Robert Koch-Institut

Ein Pferdebesitzer aus Nordrhein-Westfalen war nach einem Stich mit Krankheitssymptomen ins Krankenhaus gekommen.

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14. August 2019, 15:40 Uhr

Stuttgart | Erstmals soll ein Mensch in Deutschland durch den Stich einer tropischen Riesenzecke an Fleckfieber erkrankt sein. In der Zecke sei der betreffende Erreger nachgewiesen worden, teilte die Universität Hohenheim in Stuttgart mit. (Weiterlesen: Tropische Riesenzecke überwintert erstmals in Deutschland)

Ein Pferdebesitzer aus dem Raum Siegen (Nordrhein-Westfalen) hatte eine Hyalomma-Zecke Ende Juli nach einem Stich an die Zeckenforscher in Hohenheim geschickt. Wenige Tage später war er mit schweren Krankheitssymptomen und Verdacht auf Zecken-Fleckfieber ins Krankenhaus gekommen. Er wurde erfolgreich mit Antibiotika behandelt.

Ärzte müssen Hyalomma-Zecke auf dem Schirm haben

"Damit wissen wir jetzt nicht nur sicher, dass die Hyalomma-Zecke auch Menschen sticht", sagte Ute Mackenstedt, Parasitologin an der Universität Hohenheim. Klar sei auch, dass in Deutschland eine Übertragung des Zecken-Fleckfiebers durch die Tiere tatsächlich möglich ist. Ärzte müssten künftig eine Infektion als mögliche Ursache in Betracht ziehen und entsprechend wachsam sein, sagte sie.

Die Symptome des Fleckfiebers

Das Bakterium Rickettsia aeschlimannii verursacht einen fieberhaften Infekt mit Kopf- und Muskelschmerzen, extremen Gelenkschmerzen und einem Gefühl, als würde man verbrennen. Typisch für die Erkrankung ist der Hautausschlag, der dem Fleckfieber den Namen gibt. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts ist Fleckfieber eine in Deutschland höchst selten auftretende Krankheit. In den vergangenen Jahren habe es nur vereinzelte Fälle gegeben, alle seien aus dem Ausland importiert worden. (Weiterlesen: Warum niemand weiß, wie gefährlich unsere heimischen Mücken sind)

Zahl der Hyalomma-Zecken deutlich gestiegen

Die Zahl gefundener Hyalomma-Zecken ist in Deutschland in den vergangenen Monaten und im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen. "2019 haben wir zusammen bis jetzt schon 50 Exemplare in Deutschland gefunden. Letztes Jahr waren es insgesamt 35", sagte Mackenstedt. Von den 2019 gefundenen Exemplaren trägt laut Mackenstedt fast jedes zweite den Fleckfieber-Erreger in sich. Erstmals konnten nach Einschätzung der Experten in diesem Jahr Hyalomma-Zecken in Deutschland auch überwintern.

Eine Hyalomma rufipes (Männchen). Foto: dpa/Fabian Sommer
dpa/Fabian Sommer
Eine Hyalomma rufipes (Männchen). Foto: dpa/Fabian Sommer


Der Fall des Pferdehalters aus dem Sauerland wird als Verdachtsfall behandelt, weil ein Direktnachweis des Erregers am Patienten nach Angaben der Experten nicht möglich war. "Die Behandlung des Patienten stand einfach an erster Stelle", sagte Gerhard Dobler, Mediziner am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München. "Doch der unmittelbar vorausgegangene Zeckenstich, die typischen Symptome und vor allem der Nachweis des Erregers in der Zecke lassen keinen anderen Schluss zu, als dass es sich bei dem Fall um Zecken-Fleckfieber handelte." (Weiterlesen: Zeckenbiss – Bereits rund 200 Borreliose-Opfer in MV)

Wie Hyalomma-Zecken nach Deutschland kamen

Die Hyalomma-Zecken stammen aus den Trocken- und Halbtrockengebieten von Afrika, Asien und Südeuropa - von Spanien über Italien bis zur Türkei. Von den hiesigen Zecken wie etwa dem Gemeinen Holzbock kann man sie leicht unterscheiden: Sie sind mit bis zu zwei Zentimeter Länge wesentlich größer und haben auffällig gestreifte Beine. Während die normalen Zecken nicht einfach zu sichten sind, sobald sie sich am menschlichen Körper festkrallen, spürt der Mensch den Angriff der Hyalomma-Zecke, sagt Expertin Mackenstedt: "Sie ist ja deutlich größer. Das merken Sie, wenn die auf Ihnen herumläuft." Bislang wurden Hyalomma-Zecken mit Zugvögeln nach Deutschland transportiert, dort können sie sich nach Ansicht der Wissenschaftler in diesem Jahr stärker ausbreiten.

Hyalomma-Zecken und das Krim-Kongo-Fieber

Die Hyalomma-Zecken können auch gefährlichere Erreger übertragen, darunter jenes Virus, das das Krim-Kongo-Fieber verursacht, das mit schweren Blutungen einhergehen kann. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 18 Exemplare aus acht Bundesländern – Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Brandenburg, Berlin, Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen – eingeschickt und untersucht, weitere 17 Zecken waren auf Grund von Bildern eindeutig als Hyalomma-Zecken zu erkennen gewesen. Keine der untersuchten Zecken trug den Erreger des Krim-Kongo-Hämorrhagischem Fiebers in sich.

Weiter dominant bleibe in jedem Fall der sogenannte Holzbock als heimische Zeckenart, sagte Mackenstedt. Die von ihm übertragenen Erreger können Borreliose und FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) auslösen. (Weiterlesen: So wird der heimische Garten insektenfreundlich)

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