Schluss mit der Angst : So lernen Hunde das Alleinsein

Problem für Hund und Halter: Das Tier bellt und jault, wenn es allein ist.
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Problem für Hund und Halter: Das Tier bellt und jault, wenn es allein ist.

Nur wenige Hundehalter können den ganzen Tag bei ihrem Vierbeiner sein, dass das Tier eine Weile allein bleibt, ist oft Voraussetzung

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07. März 2016, 12:00 Uhr

Freddy ist ein Australian Shepherd. Familie Völker lässt den Hund rund sechs Stunden am Tag allein. „Der bellt nicht und stellt auch nichts an in dieser Zeit“, erzählt Tochter Michelle. Die Nachbarn hörten nie etwas von dem Vierbeiner. Die 15-Jährige sagt, Freddy schlafe so lange, bis einer komme und ihn aus der Einsamkeit erlöse. „Wenn einer von uns die Türe aufschließt, streckt sich Freddy erstmal träge und verschlafen.“ Aber dann wedle das vierjährige Tier mit dem Schwanz und freue sich auf einen Spaziergang. Offensichtlich kommt Freddy damit klar, regelmäßig allein zu sein.

Für die meisten Halter ist das eine wichtige Voraussetzung beim Hundekauf – denn rund um die Uhr können sie das Tier nicht bei sich haben. „Mit ganz wenigen Ausnahmen kann das grundsätzlich auch jeder Hund lernen“, sagt Anne Rosengrün von der Hundeschule und -betreuung Sanny's Dogwalker in Nürnberg. Allerdings ist das Lerntempo unterschiedlich und von mehreren Faktoren abhängig. „Es gibt Rassen, die dafür ausgesucht wurden, sehr eng mit dem Menschen zusammen zu leben“, erklärt Katrin Heimsath vom Hundekolleg Münsterland. Die brauchen etwas länger. Und es gebe Rassen, die gezüchtet wurden, um selbstständig zu sein.

Auch das Alter spielt eine Rolle. Die jüngeren Tiere lernen meist schneller als die älteren. „Idealerweise beginnt man langsam mit dem Training, wenn die Hunde drei Monate alt sind“, rät Rosengrün. Aber auch erwachsene Tiere schaffen es mit der Zeit. Und nicht zuletzt prägen die bisher gemachten Erfahrungen den Umgang mit dem Abschiednehmen. „Ein Tier mit einer schwierigen Vorgeschichte sollte man nicht von Anfang an allein lassen“, erklärt Heimsath.

So wie bei Shadow. Der drei Jahre alte Prapso (Lhasa Apso mit Kurzhaar) lebt seit 18 Monaten bei seinem neuen Frauchen. Davor wurde er hin und her gereicht, nachdem sein Besitzer gestorben war und er im Tierheim landete. Die genauen Umstände der jeweiligen Stationen sind unklar. Fakt ist, dass Shadow auch mit kurzen, einsamen Momenten einfach nicht zurechtkommt.„Sobald er auch nur Minuten allein ist, bricht er in Panik aus“, sagt seine Halterin. „Hunde, die Schwierigkeiten haben, allein zu bleiben, haben Verlustängste“, sagt Heimsath. Sie leiden. Deshalb muss man das Alleinsein in ganz kleinen Schritten trainieren. Zu Beginn geht man am besten nur kurz in einen anderen Raum, ohne die Tür ganz zu schließen. Wenn das klappt, bleibt die Tür zu, und beim nächsten Mal werden es erst fünf, danach zehn Minuten, dann noch etwas länger.

Patrizia Strauch von der Hundeschule Pro Canis in Münster besucht auf Wunsch den Halter auch mal zu Hause und stellt eine Videokamera auf. Anschließend werden die Aufnahmen gemeinsam analysiert und ein Trainingsplan erstellt. Dieser wird in regelmäßigen Abständen dem Trainingsstand des Hundes angepasst. „Üben müssen die Leute dann zu Hause“, sagt Trainerin Heimsath.

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