Sind Selbstgespräche normal?

Sprintlegende Usain Bolt  ist das beste Beispiel dafür:  Wie viele andere Sportler auch versucht er, sich  durch Selbstgespräche  zu  motivieren bzw. sich im Anschluss  an ein  gewonnenes Rennen selbst zu loben.  Foto: dpa
Sprintlegende Usain Bolt ist das beste Beispiel dafür: Wie viele andere Sportler auch versucht er, sich durch Selbstgespräche zu motivieren bzw. sich im Anschluss an ein gewonnenes Rennen selbst zu loben. Foto: dpa

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10. November 2009, 09:33 Uhr

Es sind bei weitem nicht nur vereinsamte Menschen, die Selbstgespräche führen. Auch wer einen regen Austausch mit Familie und Freunden pflegt, neigt mitunter zu anregenden Diskussionen, wenn er mit sich allein ist. Meistens besteht aber kein Grund zur Sorge: "Selbstgespräche sind in der Regel harmlos und dienen sogar einem bestimmten Zweck- zum Beispiel können sie in einer schwierigen Situation einen fokussierenden und motivierenden Charakter entwickeln", erläutert Professor Peter Falkai von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde in Berlin.

Ein Beispiel sind Sportler, die sich in entscheidenden Spielsituationen selbst Mut zusprechen oder nach wichtigen Punktgewinnen für ihre Leistung loben - lautstark und für alle hörbar. Auch vor schulischen oder beruflichen Herausforderungen wie einem wichtigen Referat kann sich eine Selbstansprache positiv auswirken.

Selbstgespräche sind laut Falkai gewissermaßen verbale und punktuelle Ausbrüche unserer permanenten gedanklichen Reflexion, die normalerweise nonverbal über die sogenannte innere Stimme abläuft. Offenbar neigen aber zerstreute Menschen häufiger zu Selbstgesprächen als solche, deren Denken in sehr geordneten Bahnen abläuft.

Untersuchungen haben laut Falkai gezeigt, dass die Frontalhirnaktivität, also der Bereich für planvolles Handeln, bei strukturiert denkenden Menschen sehr aktiv ist. Bei zerstreuten Personen ist sie dagegen deutlich weniger ausgeprägt - sie müssen ihre Gedanken ständig neu refokussieren. Dabei läuft ihr inneres Monitoring häufiger als bei anderen auch über die äußere Stimme ab - sie führen Selbstgespräche. In besonders schweren Fällen kann dies auf Außenstehende skurril bis beängstigend wirken - etwa wenn nachts in der U-Bahn der Sitznachbar allzu energisch auf sich selbst einredet. "Die Grenze, bis zu welchem Punkt Selbstgespräche normal sind und ab wann krankhaft, ist sicherlich fließend", sagt Falkai.

Problematisch wird es in jedem Fall dann, wenn sich der inneren Stimme fremde, real nicht existente Stimmen hinzugesellen und sich der Betroffene mit diesen angeregt unterhält. "Zehn Prozent der Bevölkerung hören manchmal Stimmen oder haben das Gefühl, beobachtet zu werden", sagt Falkai. Nicht immer hat dies auch Einfluss auf das Verhalten. Die Selbstgespräche können aber durchaus Symptom für eine psychische Erkrankung wie etwa eine Psychose sein.

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