Serie Finanz-Wissen : Sind Geldwerte sicher?

Die Inflation ist ein nicht zu unterschätzendes Risiko.
Die Inflation ist ein nicht zu unterschätzendes Risiko.

Teil 10: Geldwertanlagen fungieren als Risikopuffer, sind jedoch nicht für den langfristigen Vermögensaufbau geeignet

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03. April 2017, 12:00 Uhr

Definition Geld

Geld ist bedrucktes Papier, auf dem eine Notenbank verspricht, dass dieses überall im Währungsraum gegen Waren in dem entsprechenden Wert getauscht werden kann. Doch nur ein kleiner Teil der vorhandenen Geldmenge ist als Papiergeld oder als Münzen existent. Das meiste Geld besteht nur aus digital erzeugten Zahlen auf einem Kontoauszug einer Bank, Bausparkasse oder Versicherung.

Geld kann durch einen Kredit geschaffen und durch eine Kredittilgung vernichtet werden.

Geldwerte wie ein Sparbrief, Bausparvertrag, eine Anleihe oder klassische Rentenversicherung sind kein Geld, sondern ein Guthaben-Schulden-Paar. Also nur ein Anspruch auf Geld. Diese Anlagen müssen erst zu Geld gemacht werden, um damit Waren kaufen zu können.

Risiken bei Geldwertanlagen

Zu den Hauptrisiken von Geldwertanlagen zählt die Bonität des Schuldners, dass dieser die Zinsen und Nennwert zur Fälligkeit nicht zahlen kann sowie das Währungsrisiko, wenn die Anlage nicht in Euro erfolgt.

Aber auch die Inflation ist ein nicht zu unterschätzendes Risiko. Die aktuelle Inflationsprognose für 2017 liegt für Deutschland bei 1,7 Prozent. Aus einer Geldanlage von 10 000 Euro werden zum Beispiel bei 1 Prozent Verzinsung nach einem Jahr zwar 10 100 Euro (vor Steuern). Doch diese 10 100 Euro haben nach einem Jahr nur noch eine Kaufkraft, die einem heutigen Betrag von 9928 Euro entspricht. Eine echte Geldvermehrung (Realverzinsung) ist derzeit mit Zinsanlagen kaum noch möglich.

Übrigens: 1997 lag die Inflation bei 2 Prozent, der durchschnittliche Sparbuchzins bei 1,7 Prozent, der 5-jährige Sparbrief bei traumhaften 5 Prozent.

Gefahr Währungsreform

Hyperinflation kennen wir nur noch aus dem Geschichtsbuch. Mit der Bildung des Deutschen Reiches 1871 kam es zur Einführung einer einheitlichen deutschen Währung, deren Bindung an Goldreserven 1914 aufgehoben wurde. Mit weitreichenden Folgen. Die Finanzierung des Ersten Weltkrieges führte zu einer der schlimmsten Inflationen, die die Welt gesehen hat. Die erste Währungsreform 1923 (Einführung der Rentenmark auf der Basis 1 Rentenmark = 1 Billion alte Reichsmark) entwertete vor allem das Geldvermögen der Mittelschichten.

Reichsmark – D-Mark

Auch der Zweite Weltkrieg wurde über die Notenpresse finanziert, so dass nach Kriegsende einer gigantischen Geldmenge eine geringe Menge Güter gegenüberstand. Die 1948 durchgeführte Währungsreform brachte mit der Einführung der neuen Deutschen Mark eine weitestgehende Enteignung des Geldvermögens (Umstellungsverhältnis in der Regel 100 RM: 6,50 DM, bei „Altsparguthaben“ 100:20). Die starke Begünstigung von Sachvermögens wurde erst 1952 durch einen Lastenausgleich (Zwangshypothek) in nur engen Grenzen korrigiert.

DDR-Mark – D-Mark

Die Währungsreform 1990 war eine politische Entscheidung der Regierung Kohl unter dem Erwartungsdruck der DDR-Bürger. Während Löhne, Mieten etc. im Verhältnis 1:1 umgestellt wurden, galt für Bankguthaben, Unternehmensschulden ein Umstellungskurs von 2:1. Kleinere Guthaben wurden 1:1 getauscht wurden. Die Währungsunion bedeutete jedoch, dass die DDR-Betriebe schlagartig der Konkurrenz des Weltmarktes ausgesetzt wurden. Die Folgen des Verdrängungskampfes spüren wir noch heute.

D-Mark – Euro

Der Erfolg der Währungsunion hat Forderungen an die Bundesregierung verstärkt, auch im Rahmen der EU die Währungsunion als Integrationsmotor einzusetzen und eine einheitliche europäische Währung einzuführen. Nach der Einführung des Euro 1999 als Buchgeld bei unveränderbaren Wechselkursen in 11 Teilnehmerländern der EU wurden Anfang 2002 die nationalen Währungen endgültig aus dem Verkehr gezogen und durch den Euro ersetzt.

Die Erfahrungen mit der innerdeutschen Währungsunion belegen die wirtschaftspolitischen Gefahren, die aus dem Verzicht auf den Puffer der Wechselkurse resultieren. Heute sehen wir in den südlichen EU-Ländern die Probleme dieser starren Zwangsvereinigung, auf deren nachhaltige Lösung wir noch immer warten.

Was lehrt uns das?

Geldvermögen sind lange nicht so sicher wie viele glauben. Die angehäuften Schulden, die Flutung der Märkte mit billigem Geld und die immer noch latenten Risiken in den Büchern vieler Banken zeigen, dass die Ängste vor einer erneuten politisch motivierten Umstellung der Währungssysteme nicht unbegründet sind. Die Abschaffung des Bargeldes ist kein „Ob?“ sondern nur ein „Wann?“. Damit wäre eine Neuordnung des Geldsystems ohne „Fluchtmöglichkeit“ des kleinen Bürgers möglich.

Nichtsdestotrotz gehören Geldwerte in jeden Privathaushalt. Mit Geldwertanlagen sollten Sie jedoch nicht versuchen, langfristigen Vermögensaufbau zu betreiben, denn dafür sind sie nicht prädestiniert. Als Fundament sind sie allerdings bestens geeignet und fungieren als Risikopuffer und zur Sicherstellung der benötigten Liquidität.

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