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Ratgeber

16. Dezember 2017 | 04:36 Uhr

Sicher zur Schule

vom

svz.de von
erstellt am 20.Aug.2010 | 05:25 Uhr

Das neue Schuljahr steht bevor: Für tausende Kinder beginnt damit ein neuer Lebensabschnitt. Viele von ihnen bewegen sich auf ihrem täglichen Weg zur Schule zum ersten Mal allein im Straßenverkehr, wo Gefahren lauern, die besonders die Jüngsten noch nicht einschätzen können. Prof. Dr. Maria Limbourg, Verkehrspsychologin an der Universität Duisburg-Essen, weiß, warum Kinder im Straßenverkehr anders reagieren als Erwachsene und wie man sie vor möglichen Unfällen schützen kann.

Im letzten Jahr wurden in Deutschland mehr als 31 000 Kinder im Straßenverkehr verletzt, 90 verloren ihr Leben. Welche Gründe gibt es für die vielen Unfälle?

Limbourg: Zunächst einmal sind die motorischen und geistigen Fähigkeiten von Kindern noch nicht vollständig ausgebildet. So können sie die Gefahren im Straßenverkehr oftmals nicht richtig beurteilen. Wenn Kinder beispielsweise mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs sind, haben sie große Schwierigkeiten, Geschwindigkeit und Entfernung eines anderen Verkehrsteilnehmers richtig einzuschätzen. Das führt zu Unfällen.

Ist das die Gefahrenquelle Nummer eins?

Nein, die größte Gefahr für Kinder lauert häufig da, wo man sie vielleicht am wenigsten vermutet: im Auto. Im vergangenen Jahr verloren 40 Kinder ihr Leben, die als Mitfahrer im Pkw ihrer Eltern saßen. Häufig sterben Kinder, weil sie im Wagen nur unzureichend gesichert waren. Die richtigen Sicherheitsgurte und -sitze sowie deren Anwendung sind daher für den Schutz der jungen Verkehrsteilnehmer von entscheidender Bedeutung. Selbstverständlich ist aber auch eine umsichtige und angepasste Fahrweise notwendig, um das Unfallrisiko der Kinder im Auto zu reduzieren.

Ist es ratsam, Mechanismen im Straßenverkehr einzuüben?

Auf jeden Fall. Kinder lassen sich nun einmal unglaublich schnell ablenken. Diese Tatsache an sich kann man nicht vollständig verhindern. Ein frühzeitiges und regelmäßiges Training hilft aber, Kinder bestmöglich auf die Gefahren im Straßenverkehr vorzubereiten. Hierbei spielt auch wieder die Entwicklung von Automatismen eine wichtige Rolle. Regelmäßiges Training hilft ungemein.

Neben dem Verhalten der Kinder spielt aber auch das von Autofahrern eine zentrale Rolle. Welchen Beitrag können diese leisten, um Unfälle mit Kindern zu vermeiden?

Tatsächlich ist nur bei 50 Prozent der Unfälle mit Kindern deren Fehlverhalten ursächlich. Autofahrer können demnach einen wichtigen Beitrag dazu leisten, Unfälle mit Kindern zu vermeiden. Gerade im Umfeld von Schulen, muss man als Autofahrer sehr aufmerksam sein und eigentlich ständig damit rechnen, dass Kinder beispielsweise hinter parkenden Autos auftauchen und die Straße überqueren. Eine umsichtige und angepasste Fahrweise ist daher von großer Bedeutung.

Die Kampagne "Runter vom Gas!" verweist auf die Folgen unangepasster Geschwindigkeit. Welche Rolle spielt das Tempo bei Unfällen?

Die Fahrgeschwindigkeit ist extrem wichtig. Gerade im Umfeld von Schulen muss man als Autofahrer eigentlich ständig bremsbereit sein - was bei gemäßigter Geschwindigkeit natürlich wesentlich besser möglich ist. Viele Autofahrer sind sich gar nicht bewusst, dass ihr Tempo für den Ausgang eines Unfalls entscheidend sein kann. Häufig denken sie: "Was sind schon 10km/h, das macht sich nicht bemerkbar." Forschungen haben allerdings ergeben, dass bei einer Fahrgeschwindigkeit von 30km/h drei von zehn Fußgängern bei einem Zusammenprall mit einem Auto sterben. Bei 50 km/h sind es bereits acht. Und bei 60 km/h stirbt jeder Fußgänger. Das beweist: Die Geschwindigkeit hat einen entscheidenden Einfluss auf den Ausgang eines Unfalls.

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