Bei Gartenparty Rücksicht auf die Nachbarn nehmen : Sicher und gesund in die Grillsaison

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Sonne satt, blauer Himmel, Temperaturen jenseits der 20-Grad-Grenze - dieses Wochenende schreit geradezu danach, dass der Grill ausgepackt wird.

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06. Mai 2011, 06:54 Uhr

Sonne satt, blauer Himmel, Temperaturen jenseits der 20-Grad-Grenze - dieses Wochenende schreit geradezu danach, im Freien verbracht zu werden. Wer die Grillsaison noch nicht eingeläutet hat, wird es spätestens jetzt tun. Was man für einen gesunden, sicheren und stressfreien Genuss ohne Nachbarschaftsstreit tun kann, haben wir zusammengetragen.

Auf keinen Fall mit Spiritus oder Benzin anzünden

Die Entscheidung, ob man Holzkohle oder Briketts verwendet, ist eine sehr individuelle. Holzkohle lässt sich leichter entzünden und brennt - je nach Qualität - bis zu höchstens einer Stunde. Briketts halten mehrere Stunden, sind dafür aber schwerer zu entzünden. Mancher Grillmeister kombiniert deshalb Holzkohle und Briketts. Zum Anzünden sollten Anzündhilfen aus dem Fachhandel mit einem Sicherheitszeichen - zum Beispiel DIN 66358 - und einer Registriernummer genutzt werden. Brennbare Flüssigkeiten wie Spiritus oder Benzin sind dagegen tabu. Sie können beim Verdunsten ein hochexplosives Dampf-Luft-Gemisch bilden. Beim Anzünden kann es dann zu einer Verpuffung kommen. Schwere Verletzungen drohen.

Grillschalen verwenden und Marinade abstreifen

Fleisch, Fisch oder Gemüse sollten erst auf den Grillrost kommen, wenn die Kohle wirklich durchgeglüht ist und keine Flammen mehr zu sehen sind. "Erst dann ist der Grill heiß genug und hat eine gleichmäßige Wärme", erklärt Susanne Moosmann von der Verbraucher Initiative in Berlin. Der Abstand zwischen Glut und Rost darf nicht zu klein sein. Eine Handbreit sollte es sein, empfiehlt die Ernährungsexpertin. "Bei Fisch kann es sogar noch mehr sein, weil der zarter ist als Fleisch." So lasse sich verhindern, dass das Grillgut verbrennt. Passiert es doch, werden alle verkohlten oder angebrannten Stellen am besten abgeschnitten und nicht mitverzehrt.

Gut ist es, Alufolie oder Grillschalen aus Alu oder Edelstahl zu verwenden. Sie verhindern, dass Fett oder andere Flüssigkeit in die Glut tropfen, dort verbrennen und sich Rauch entwickelt. Dann besteht die Gefahr, dass zum Beispiel Benzpyrene entstehen, warnt Moosmann. Sie gehören zu den polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAKs), die als krebserregend gelten. Marinaden kann man vor dem Grillen abstreifen sie seien ja schon ins Grillgut gezogen, daher dürfte genug Aroma vorhanden sein.

Höchstens leicht durchwachsenes Fleisch

Bratwurst und Nackensteak sind Klassiker auf dem Grill. Sie bekommen aber immer mehr Gesellschaft. Fisch, Meeresfrüchte, Wild, Gemüse und sogar Obst werden immer beliebter. Um die Bildung krebserregender Stoffe zu verhindern, sollte man allenfalls leicht durchwachsenes Fleisch grillen. "Es tropft weniger Fett in die Glut, je magerer das Fleisch ist", sagt Susanne Moosmann. Dicke Fettränder schneidet man am besten vorher ab. Außerdem sollten die Fleischstücke einigermaßen dünn sein - dann sind sie auch schneller gar. Wer beim Einkauf auf gut abgehangene Sorten achtet, kann relativ sicher sein, dass das Fleisch nach dem Grillen auch zart ist. Kassler, Schinken oder Wiener Würstchen haben auf dem Grill nicht zu suchen. Das Nitrit aus dem Pökelsalz verbinde sich mit dem in den Lebensmitteln enthaltenen Eiweiß, erläutert die Expertin. Daraus können krebserregende Nitrosamine entstehen.

Fisch in Folie, Kartoffeln in die Glut

Ob Fisch ganz oder als Filet auf den Grill kommt, hängt von der Sorte ab. Am besten wird er in Alufolie oder spezielle Fischgrillkörbchen gepackt, damit er beim Wenden nicht auseinanderfällt. "Grundsätzlich eignen sich fett- und festfleischige Fische wie Hering, Lachs oder Makrele", erklärt Susanne Moosmann. Fettärmere Sorten wie Forelle, Karpfen oder Sardinen bekommen ein feineres Aroma, wenn sie zusammen mit Kräutern oder Gemüse in Alufolie gewickelt und dann gegrillt werden.

Wer gern Kartoffeln grillt, sollte kleine bis mittelgroße Knollen in Alufolie packen. "Sie kommen direkt in die Glut, sobald der Grill heiß genug ist, damit sie beizeiten fertig sind", empfiehlt Moosmann. Anderes Gemüse - entweder auf Spießen oder in Scheiben - ist ähnlich unkompliziert: Bevor es auf den Grill kommt, gibt man zum Beispiel einen Klecks Kräuterbutter oder ein paar Tropfen Olivenöl auf Alufolie und wickelt es ein.

Beliebt ist oft die Bierdusche für das Grillgut. Das mag zwar den Geschmack verbessern, gesund sei es aber nicht, warnt Moosmann. Denn alles, was neben dem Steak in die Glut tropft, verraucht dort. So gelangen Aschepartikel ans Fleisch, und auch PAKs können so entstehen.

Gerichte über Zahl der zulässigen Grillabende uneinig

Der Duft nach Würstchen und Grillfleisch weckt nicht ungeteilte Vorfreude auf einen schönen Abend. Mancher Anwohner stört sich am Qualm und an der mit einem zünftigen Grillabend verbundenen Geräuschkulisse. Nicht umsonst gehört der Streit ums Grillen zu den Klassikern im Nachbarschaftsrecht, mit dem sich die Gerichte immer wieder befassen müssen. Grundsätzlich dürfen Hausbesitzer auf ihrem Grundstück so oft grillen, wie sie wollen, soweit sie andere nicht gefährden oder belästigen. Aber sie sollten im Sinne des nachbarschaftlichen Friedens ihre Nachbarn rechtzeitig über eine größere Grillparty informieren. Die Eigentümerschutzgemeinschaft Haus & Grund rät außerdem, die Anzahl der Grillabende zu beschränken. Eine Faustregel für die zulässige Zahl gebe es aber nicht.

Die Auffassungen der Richter sind teilweise widersprüchlich. Im Prinzip ist Grillen in den Sommermonaten erlaubt, so die mehrheitliche Meinung. Zweimal im Monat, zwischen 17 und 22 Uhr, im hinteren Teil des Gartens, meint das Landgericht Aachen (AZ: 6 S 2/02). Viermal im Jahr bis 24 Uhr entschied das Oberlandesgericht Oldenburg (AZ: 13 U 53/02). Das Amtsgericht Bonn erlaubt in den Monaten April bis September höchstens einmal Grillen im Monat und fordert, dass die Nachbarn vorher zu informieren sind (AZ: 6 C 545/96).

Der Verbraucherschutzverein "Wohnen im Eigentum" weist darauf hin, dass nach der derzeitigen Rechtsprechung sowohl ein generelles Grillverbot als auch eine uneingeschränkte Erlaubnis zum Grillen auf Balkons und Terrassen unzulässig seien. Nach einer Entscheidung des Landgerichts München I ist davon auszugehen, dass Grillen in den Sommermonaten üblich ist und daher in gewissen Grenzen hingenommen werden muss. Bei viermaligem Grillen im Jahr handelt es sich zum Beispiel um eine so unwesentliche Beeinträchtigung, dass diese von der Nachbarschaft zu dulden ist (AZ: 15 S 22735/03).

In Mietwohnungen und Wohnungseigentumsanlagen gelten etwas andere Regeln als in freistehenden oder Reihenhäusern. In manchen Mietverträgen ist das Grillen auf Balkon oder Terrasse ausdrücklich verboten. Halten Mieter sich nicht daran, riskieren sie Abmahnungen und sogar die Kündigung der Wohnung. Darauf weist der Deutsche Mieterbund hin. Aber auch ohne ausdrückliches Verbot im Mietvertrag darf nicht gegrillt werden, wenn der Rauch in Nachbarwohnungen ziehen würde. Das wäre ein Verstoß gegen das Immissionsschutzgesetz und kann sogar als Ordnungswidrigkeit mit einer Geldbuße belegt werden.

Besser als vor Gericht zu ziehen, ist eine friedliche Einigung mit den Nachbarn und vor allem Rücksichtnahme. Oft hilft es schon, den Grill an eine Stelle im Garten oder auf der Terrasse zu platzieren, wo der Wind die Rauchschwaden nicht geradewegs in die offenen Fenster und Türen der umliegenden Wohnungen weht.

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