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Ratgeber

21. November 2017 | 18:51 Uhr

Sternenhimmel : Seltenes Himmelsspektakel

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Sonne, Mond und Sterne im Mai: Merkur zieht an der Sonne vorbei. Mars und Jupiter beherrschen den Nachthimmel.

Zwei außergewöhnliche astronomische Ereignisse erwarten uns im Mai dieses Jahres: Merkur tritt vor die Sonne und Mars kommt in Erdnähe.

Mitte April zeigte sich der sonnennahe Merkur kurz in der Abenddämmerung am Westhimmel. Bereits am 9. Mai überholt der flinke Planet die Erde auf der Innenbahn. Dies ist allerdings normalerweise nichts Besonderes und geschieht alle vier Monate. Doch diesmal liegt die um sieben Grad geneigte Merkurbahn so, dass der Benjamin der Planeten als dunkler Punkt vor der Sonnenscheibe vorbei wandert. Ein solches Ereignis nennt man Merkurtransit oder -durchgang.

Merkurtransite sind noch seltener als Sonnen- und Mondfinsternisse. Im 21. Jahrhundert tritt Merkur nur vierzehn Mal vor die Sonne. Zudem sind nicht alle Merkurtransite von Mitteleuropa aus beobachtbar. Der letzte von Deutschland aus sichtbare Merkurtransit erfolgte am 7. Mai 2003. Sollte man den Merkurdurchgang am 9. Mai wegen bewölktem Himmel verpassen, so bietet sich erst am 11. November 2019 und danach am 13. November 2032 eine solche Gelegenheit.

Um Merkur als dunklen Punkt vor der Sonne zu sehen, benötigt man jedoch ein Fernrohr mit stabilem Stativ und mindestens fünfzigfacher Vergrößerung. Ohne geeignete Schutzmaßnahmen wie Objektivfilter oder Projektionseinrichtung darf man keinesfalls mit Fernglas oder Teleskop in die Sonne sehen! Am besten, man besucht eine Sternwarte, um dieses Himmelsspektakel zu verfolgen.

Das kosmische Schattenspiel beginnt am 9. Mai um 13.12 Uhr mit dem Eintritt von Merkur am Ostrand der Sonne. Die geringste Entfernung vom Mittelpunkt der Sonnenscheibe wird um 16.56 Uhr erreicht. Der Merkurtransit endet mit dem Austritt von Merkur um 20.41 Uhr. Das Merkurscheibchen ist winzig klein, es hat nur den 158. Teil des scheinbaren Sonnendurchmessers. Daher ist der Transit mit bloßen Augen nicht sichtbar.

Im Mai beherrscht Mars als helles, auffälliges Gestirn den Nachthimmel. Nur Jupiter ist noch ein wenig heller als Mars. Der weißlich glänzende Riesenplanet kann in der ersten Nachthälfte hoch am Südwesthimmel im Sternbild Löwe gesehen werden.

Ende Mai erreicht die Erde ihre geringste Entfernung zum rötlichen Mars. Am 22. stehen Mars und Sonne am irdischen Firmament einander gegenüber, der Fachmann spricht von Opposition. Wenn die Sonne untergeht, erscheint Mars im Südosten. Um Mitternacht sieht man ihn am Südhimmel und morgens geht er im Südwesten unter. Unser Nachbarplanet hält sich im Sternbild Skorpion auf, dessen Hauptstern Antares ebenfalls rötlich leuchtet. Antares heißt so viel wie „marsähnlicher Stern“. Er wurde manchmal mit Mars verwechselt.

Wegen der elliptischen Bahnen von Erde und Mars wird die geringste Entfernung zu unserem äußeren Nachbarplaneten erst eine Woche nach dem Oppositionstermin erreicht. Am 30. Mai trennen uns nur 75 Millionen Kilometer von Mars, dies ist etwa die halbe Entfernung von der Erde zur Sonne. Das Licht oder ein Funksignal eines Marsrovers ist dann vier Minuten und elf Sekunden zur Erde unterwegs. Mit knapp 6800 Kilometer Durchmesser ist Mars nur halb so groß wie die Erde. Seine Masse beträgt nur elf Prozent der Erdmasse.

Ein Marstag ist nur vierzig Minuten länger als ein irdischer Tag. Da die Marsachse ähnlich wie die der Erde um 25 Grad zu seiner Bahn geneigt ist, kommt es auch auf Mars zu Jahreszeiten. Sie dauern allerdings doppelt so lange wie die irdischen. Denn Mars benötigt für eine Sonnenumrundung fast zwei Jahre.

Die Sternschnuppen des Aquaridenstromes sind zu erwarten: Ihr Ausstrahlungspunkt liegt im Sternbild Wassermann, daher ihr Name. Es handelt sich um schnelle Meteore, die mit rund 65 Kilometer pro Sekunde in die Erdatmosphäre eindringen.

Der Höhepunkt der Aquaridentätigkeit wird am 6. Mai zu Neumond erreicht, wobei bis zu sechzig Sternschnuppen pro Stunde aufleuchten. Da kein Mondlicht stört, sind diesmal die Beobachtungsbedingungen besonders günstig. Die Aquariden sind abgesplitterte Bruchstücke des Halleyschen Kometen. Die beste Beobachtungszeit sind die Stunden ab 3 Uhr morgens.

Neumond tritt am 6. um 21.30 Uhr ein. Wenige Stunden vorher kommt der Mond mit 357 830 Kilometer in Erdnähe, was wiederum zu hohen Springfluten mit maximalem Tidenhub führt. Vollmond wird am 21. um 23.14 Uhr erreicht. Da sich der Mond in der Nacht vom 18. auf 19. mit 405 930 Kilometer in Erdferne befindet, sieht man diesmal die kleinste Vollmondscheibe des Jahres 2016.

Autor: Hans-Ulrich Keller

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