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Serie: Selbstgemacht : Der geplante Schnappschuss

vom
Aus der Onlineredaktion

Wie das perfekte Foto entsteht, verrät Simone Sevenich in dieser Folge von Selbstgemacht

von
erstellt am 26.Okt.2016 | 11:45 Uhr

Die erste Kamera bekam Simone Sevenich von ihrem Opa in die Hand gedrückt. „Mach ein Bild von den Leuten“, sagte er, gab dem 14-jährigen Mädchen einen kleinen Schubs. Auf Galas, Empfängen, Bällen stand sie plötzlich vor den adrett herausgeputzten Persönlichkeiten und drückte ab. Der Apparat wirkte wie eine Schutzwand, nahm der schüchternen Jugendlichen die Angst, gab ihr Selbstvertrauen. „Mein Großvater war freier Journalist und Fotograf. Er hat mich überall hin mitgenommen. Natürlich machte er das Bild, das er haben wollte, immer einmal selbst, bevor er mich um eine Aufnahme bat.“ Simone Sevenich schwelgt in Erinnerungen: Der „Opi“ sei es gewesen, der die Rostockerin darauf brachte, Fotografin zu werden. Also absolvierte sie eine klassische Ausbildung, lernte analoge Kameras zu bedienen und die Bedeutung des Lichtes kennen. Am Ende verlor sie das Interesse, nicht an den Kameras und an den Fotos, aber daran, nur in einem Studio zu sitzen. Es zog sie in die Welt. „Ich reiste viel, ich jobbte viel, ich probierte vieles aus.“ Simone Sevenich bekam drei Kinder und kehrte zurück zu dem, was ihr am meisten Freude bereitet: der professionellen Fotografie. „Das war schließlich das, was ich gelernt hatte.“ Seit fünf Jahren gibt sie Kurse, für alle, die ihre Kamera besser kennenlernen oder die Welt aus einem anderem Blickwinkel sehen wollen. Sie gibt aber auch Kurse zur Weiterverarbeitung der bereits entstandenen Fotos, zum Beispiel zu Schmuck oder Transfertechniken.

Für Simone Sevenich gibt es keine Schnappschüsse. Jede Aufnahme sei geplant. Ihr Credo: Wer wisse, die eigene Kamera den entsprechenden Lichtgegebenheiten anzupassen, müsse nicht unendlich viele Bilder produzieren. Und wer mit offenen Augen durch die Welt geht, lerne auch das Sehen. „Wobei ich mir nicht sicher bin, ob das wirklich alle können. Ich persönlich denke schon im Rechteck.“ Oder im Quadrat, sofern sie Bilder für das soziale Netzwerk Instagram schieße. Unbewusst vergleiche sie Gesichter und stelle Gleichnisse fest, die andere erst sehen, wenn sie darauf hingewiesen werden. „Man muss eben genau hingucken.“

Die 6x6 Pentacon von „Opi“ hüte Simone Sevenich noch heute. „Von ihm zu lernen, das war die beste Schule.“ Für ihre Auftragsarbeiten, zumeist Hochzeiten oder Porträts, nutze sie allerdings ihre digitalen Spiegelreflexkameras. Das Analoge bleibe eine Leidenschaft. Einmal habe sie via Internetverkaufsplattform Ebay drei Reliquien erstanden. „Der Verkäufer hat das Buch ,Fotografien für Anfänger‘ mitgesandt. Da musste ich herzlich lachen. Aber er wusste ja nicht, dass ich Fotografin bin.“ Ihr „Monefoto“-Studio befindet sich in der Nähe des Hauptbahnhofes. Das Haus habe sie der Deutschen Bahn vor einigen Jahren abgekauft. Dort arbeite sie viel mit externer Technik, die sie versucht, in der Outdoor-Fotografie zu vermeiden. Gemeint sind zum Beispiel Blitzlichter. Draußen gäbe es genug Möglichkeiten Extra-Licht zu erzeugen. „Weiße Wände sind dafür super geeignet. Ich packe aber auch immer ein weißes Blatt Papier ein. Das funktioniert ausgezeichnet als Reflektor und kann genutzt werden, um beispielsweise Blumen aufzuhellen.“ Simone Sevenich empfiehlt auch, Orte auzuwählen, die erst einmal nicht aussehen wie Foto-Plätze: „Garagen, alte Häuser oder einfach mal in eine Straße reinfotografieren.“ Um ausdrucksstarke Porträts zu erzeugen, helfe eine leichte Unterbelichtung, um Situationen weicher und fröhlicher wirken zu lassen, sei im Gegensatz eine leichte Überbelichtung ideal. „Was ich auch immer wieder als Tipp mitgebe, ist das aufgeladene Akku“, scherzt Simone Sevenich. „Es gibt immer einen Kursteilnehmer, der das nicht hat. Derjenige muss dann das Model spielen.“

Fotostudio Simone Sevenich: Herweghstraße 26 in Rostock, Mail: foto@simonesevenich.de

Im Fotolabor steht die Rostockerin heute kaum noch. „Viele Bilder entstehen bei mir nebenbei. Wenn ich sie nicht weiterverarbeite, liegen sie nur herum.“ Deshalb druckt sie die Fotos im Miniformat als Collage auf Aquarellpapier aus und macht daraus Ohrringe, Kettenanhänger und Magneten. „Die jeweiligen Glassteine und Fassungen bestelle ich im Internet.“ Verkauft werden die Unikate auf Kunst- und Designmärkten. „Zu jeder dieser Aufnahmen kann ich eine Geschichte erzählen.“

Wenn Simone Sevenich fotografiert, vergesse sie die Welt um sich herum. Dann wird sie eins mit der Linse. „Meine Tochter musste mich schon vor anrollenden Straßenbahnen retten. Sie konnte als kleines Kind jahrelang kein Eis genießen, weil das jedes Mal so toll aussah, dass ich davon ein Foto machen musste.“

Dass mittlerweile überall ungelernte Fotografen ihre Dienstleistungen anbieten, ärgert sie ein wenig – nicht nur, weil sie die Preise drücken würden. „Wer in den USA als Fotograf arbeiten möchte, braucht eine Lizenz. Hier setzt sich nur derjenige durch, der die Kunden glücklich macht.“

Fototransfer
Die eigenen Fotos auf ein Stück Holz  zu transferieren, bedarf  ein wenig Geduld. Holzreste finden sich überall, Reste gibt es auch im Baumarkt.  Einen analogen Abzug des Lieblingsfotos  scannen oder abfotografieren. Am Computer muss  das Bild seitenverkehrt gespiegelt werden. Dazu bedarf es eines kostenfreien Bildbearbeitungsprogramms. Danach  wird das Bild ausgedruckt – und zwar   mit einem Laserdrucker und in der Größe des zu bedruckenden Holzes.  Jetzt wird  Fotokleber benötigt, das Transfermittel. Dieser ist  in vielen Bastelläden  erhältlich.  Holz und  Fotoseite werden mit dem Kleber eingestrichen,  damit die  Farbe transferiert wird. Danach wird  das Bild seitenverkehrt auf das Transfermedium gelegt  und festgedrückt. Hierbei muss darauf geachtet werden,  dass alle Luftblasen ausgestrichen werden. Das Bild  muss einen Tag trocknen –  oder mit dem Fön mindestens zehn Minuten. Anschließend wird das Bild  leicht angefeuchtet.  Jetzt wird das Papier langsam abgerubbelt.  Zum Schluss bleibt nur die Farbe übrig.  Zum Versiegeln des Kunstwerkes eignet sich der   Fotokleber oder ein Lack nach Wahl.


>> Weitere Teile unserer Serie "Selbstgemacht" finden Sie im Dossier.

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