Artgerechte Haltung : Schnabel sucht Schnäblin

Schnäbeln, Schwatzen, gegenseitig Füttern: Papageien wie diese Maracana-Zwergaras werden nur mit einem Artgenossen glücklich.
Schnäbeln, Schwatzen, gegenseitig Füttern: Papageien wie diese Maracana-Zwergaras werden nur mit einem Artgenossen glücklich.

Papageien sind sehr soziale Tiere und sollten nicht ohne Partner gehalten werden / Stirbt ein Tier, kann eine Partnerbörse Abhilfe schaffen

svz.de von
02. März 2016, 15:51 Uhr

Lea Schmitz hat die Wellensittiche ihrer Oma übernommen. Als eines der Tiere stirbt, zwitschert das Verbliebene kaum noch. „Ein neuer Partner aus dem Tierheim brachte dann die positive Wende“, erzählt die Sprecherin des Deutschen Tierschutzbunds in Bonn. Endlich konnte wieder geschnäbelt und geschwatzt, sich gegenseitig das Gefieder geputzt und sich gefüttert werden.

Wer Papageienvögel beobachtet, merkt schnell, wie sozial sie sind, sagt Schmitz. Den Großteil der Zeit verbringen sie in Interaktion mit ihren Artgenossen. Auch in der Natur leben Papageien in Verbänden: paarweise, in Gruppen oder in Schwärmen. „Es sind sehr soziale Tiere“, sagt auch Michael Pees, Professor an der Klinik für Vögel und Reptilien der Uni Leipzig und Mitglied der Bundestierärztekammer.

Alleine verkümmern sie. Die Folgen: Federrupfen, Depression oder Beißen.

In Gefangenschaft müssen sie mindestens zu zweit gehalten werden, rät Frank Eger, Vorsitzender des Vereins Papageienfreunde Nord. Der Mensch sei kein angemessener Ersatz, bestätigt Schmitz. Und auch Spiegel oder Plastikvögel sind als vermeintliche Gefährten ungeeignet. Pees empfiehlt die gleiche Spezies und das gegenläufige Geschlecht bei ähnlichem Alter: „Wenn ein Vogel stirbt, sollte ein neuer, geeigneter Partner gesucht werden.“

Eine Möglichkeit sind dann Papageien-Partnervermittlungen. Dort kommt das einsame Tier mit ähnlich alten Vögeln der gleichen Spezies in eine große Voliere. Manchmal dauert es Tage, bis klar ist, wer gern mit wem schnäbelt. Dann darf das neue Paar nach Hause. „Auf diese Weise kann sich der Vogel seinen Partner selbst aussuchen“, sagt Eger. Vor der Vergesellschaftung sollte aber unbedingt ein Gesundheitscheck wegen möglicher Viruserkrankungen gemacht werden.

Wenn man sich viel mit ihnen beschäftigt, werden Papageien auch Menschen gegenüber schnell zutraulich. „Dass dies nur in Einzelhaltung möglich ist, ist ein Irrglaube“, sagt Schmitz. „Im Idealfall bleiben sie ein Leben lang beim selben Halter“, empfiehlt sie. Und so ein Leben kann lang sein: Nymphensittiche werden bis zu 20 Jahre, Großpapageien bis zu 50 Jahre alt.

Neben ihrem Sozialverhalten und den bunten Farben fasziniert viele die Intelligenz der Papageien. „Graupapageien haben den Verstand eines Vierjährigen“, beschreibt Eger. Sie können Situationen kombinieren und Dinge schnell erlernen.

Gerade der Platzbedarf ist nicht zu unterschätzen. „Mit handelsüblichen Käfigen ist es nicht getan“, sagt Lea Schmitz. Damit Papageien genug Bewegung haben, sind geräumige Volieren oder Flugräume wichtig. Die ideale Haltung ist eine Freivoliere mit Schutzhaus im Garten, erklärt sie: „Freiflug ist ein Muss!“ Ein Pärchen Graupapageien braucht beispielsweise einen Käfig, der mindestens zwei Meter breit und einen Meter tief ist, erläutert Eger: „Diese Größe ist aber nur ausreichend, wenn es täglichen Freiflug gibt.“

Damit keine Langeweile aufkommt, brauchen die Vögel Spielzeug. In der Natur verbringen sie viel Zeit mit Futtersuche. „Das sollte man zuhause ebenfalls anwenden“, rät er.

Wer sich einen Papagei wünscht, darf auch den Aufwand beim Futter und die Kosten nicht unterschätzen: Zusätzlich zur Samenmischung brauchen die Tiere täglich frisches Obst und Gemüse oder Papageien-Kochfutter. „Planen Sie täglich mindestens eine Stunde für Futterzubereitung und tägliche Reinigung bei zwei Tieren ein“, rät Eger. Zum Preis der Tiere und des Käfigs oder der Voliere kommen jährlich 150 Euro für Futter und Tierarztkosten. „Für einen 20-jährigen Nymphensittich kommt man mindestens auf 4100 Euro“, sagt Schmitz. Bei Großpapageien wird es noch deutlich teurer.

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