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Ratgeber

18. November 2017 | 04:04 Uhr

Sat-Fernsehen: Schnell noch umrüsten

vom

svz.de von
erstellt am 21.Apr.2012 | 01:56 Uhr

Wer beim Fernsehen noch einen analogen Satellitenreceiver nutzt, schaut in gut einer Woche in die Röhre - die schwarze Röhre. Am 30. April, um 3 Uhr in der Nacht, wird das analoge Satellitenfernsehen endgültig abgeschaltet. Danach wird über Satellit nur noch digitales Fernsehen übertragen, für dessen Empfang eine digitaltaugliche Empfangsanlage erforderlich ist. Doch bis zu 800 000 Fernsehzuschauer bundesweit haben nach Schätzungen des IT-Branchenverbandes Bitkom noch nicht umgerüstet. Eine Woche haben sie jetzt noch Zeit, das nachzuholen. Was muss man tun, um ab 30. April das digitale Satellitenfernsehen empfangen zu können? Was ist dabei zu beachten? Ein Überblick:

Wer ist betroffen?
Zunächst betrifft die Abschaltung nur Zuschauer, die das Fernsehprogramm via Satellit empfangen, also eine Satellitenschüssel an ihrem Haus haben. Viele davon haben längst umgestellt, manch’ einer sogar, ohne es zu wissen. Schließlich ist in vielen Fällen nicht mehr als ein neuer, digitaler Receiver erforderlich. Ob der Fernseher und sein Empfangsgerät schon fit für die digitale Übertragung sind, lässt sich im Videotext testen. Dazu ruft man beim Ersten, bei ZDF, RTL, Pro7 oder anderen Sendern die Seite 198 auf. Dort erscheint dann ein Hinweis, ob man bereits digital empfängt oder etwas unternehmen muss. Wer noch nicht umgerüstet hat, wird derzeit auch beim normalen Fernsehen darauf aufmerksam gemacht. Betroffene würden verstärkt Laufbänder im Fernsehbild sehen, die an die Abschaltung der analogen Übertragung erinnern, informieren Landesmedienanstalten und Sender.

Für Fernsehzuschauer, die das Programm über Antenne empfangen, ändert sich nichts. Das gilt auch für Kunden der großen Kabelunternehmen. Die wandeln künftig das digitale Signal in ein analoges um, ehe es in die einzelnen "analogen" Haushalte übertragen wird. Für kleinere Kabelnetze ist das zu aufwendig. Deshalb kann es sein, dass in dem einen oder anderen dieser Netze künftig kein analoges Fernsehsignal mehr verteilt wird. Dann wird sich der Netzbetreiber allerdings bei seinen Kunden gemeldet und die Umrüstung veranlasst haben.

Was ist zu tun?
In vielen Fällen reicht es schon aus, ein neues Empfangsgerät zu kaufen und anzuschließen. Das muss ein digitaler Receiver sein - zu erkennen an den Symbolen DVB-S oder DVB-S2 (für HD-Fernsehen). Manchmal muss auch die Empfangseinheit an der Satellitenschüssel, das LNB, ausgetauscht werden. Erforderlich ist ein Universal-LNB, wie es sie seit einiger Zeit nur noch gibt. Deshalb gilt als ungefährer Richtwert: Ist die Empfangseinheit älter als zehn Jahre, muss sie wahrscheinlich ersetzt werden.

In seltenen Fällen ist es sogar nötig, die Leitungen zu erneuern oder eine neue Schüssel anzubauen. Wer sich unsicher ist, sollte einen Fachmann mit der Umrüstung beauftragen. Man kann aber zunächst auch einen Receiver kaufen, anschließen und ausprobieren, ob man dann das digitale Fernsehsignal schon empfängt. Zu erkennen ist das nicht nur auf der Videotexttafel 198, sondern auch daran, dass sich die Zahl der zu empfangenen Programme vervielfacht hat.

Welcher Receiver ist der richtige?
Das hängt ganz vom Nutzungsverhalten des Einzelnen ab. Wer nur normal fernsehen möchte, ist mit einem einfachen Modell ausreichend versorgt. Die gibt es bereits ab 30 Euro. Wer mehr Leistung will, muss mehr bezahlen. So ist für hochauflösendes Fernsehen ein HD-tauglicher Receiver erforderlich. Receiver mit integrierter Festplatte erlauben es, Sendungen auf Knopfdruck aufzunehmen, kurz zu stoppen und später fortsetzen. Das zeitversetzte Sehen (Timeshift) und die Aufnahmen sind auch möglich, wenn über einen USB-Anschluss externe Speicher angeschlossen sind. Empfangsgeräte, die diese Funktion bieten, erkennt man am "PVR ready"-Symbol.

Wer sein Regionalprogramm nicht von Hand suchen will, sollte einen Receiver mit dynamischer PMT-Umschaltung wählen. Ob diese Funktion im Gerät vorhanden ist, steht meist nicht auf der Verpackung. Testen kann man sie über das Fernsehprogramm "Test-R", das mit in der Programmliste steht. Die PMT-Umschaltung funktioniert, wenn sich dort zwei Fernsehsender automatisch abwechseln.

In vielen neuen Flachbildfernsehern sind die Receiver - dort Tuner genannt - bereits enthalten. Aber Vorsicht: Nicht jeder Tuner ist für den Satellitenempfang geeignet. DVB-T steht für den Empfang via Antenne, DVB-C via Kabelnetz und DVB-S über den Satelliten.

Was ist der Unterschied zwischen analogem und digitalem Satellitenfernsehen?
Beim Digitalfernsehen werden die Bild- und Tonsignale digitalisiert und vor der Übertragung komprimiert. Dadurch wird für die Übertragung eine geringere Bandbreite, sozusagen weniger Platz, benötigt. Bisher strahlen die Sender ihr Programm in drei Qualitäten aus - analog, digital in Standardauflösung (SD) und digital in hoher Auflösung (HD). Um Kosten und Kapazitäten zu sparen, wird die analoge Übertragung beendet, weil sie ohnehin nur noch ein kleiner Teil der Fernsehzuschauer nutzt.

Welche Vorteile verspricht das Digitalfernsehen?
Das digitale Satellitenfernsehen bietet eine erheblich verbesserte Bild- und Tonqualität und soll weniger anfällig für Störungen sein. Außerdem sind sowohl Hybrid-TV, das Fernsehen und Internet verbindet, als auch hochauflösendes Fernsehen, also HD-Fernsehen, nur bei digitalem Empfang möglich. Das Erste und ZDF senden bereits in HD-Qualität - unverschlüsselt und ohne Zusatzkosten. Am 30. April kommen weitere elf Sender hinzu. Neben den Dritten Programmen von BR, NDR, SWR und WDR sind das Phoenix, 3sat und Ki.Ka, ZDFneo, ZDFinfo und ZDFkultur. Die meisten privaten Sender bieten ihre Programme in HD-Qualität nur verschlüsselt über eine spezielle Plattform, die HD+-Plattform, an. Für die Nutzung fällt - nach einem kostenlosen Startjahr - eine jährliche Gebühr an. Wer dieses Angebot nutzen möchte, braucht einen Receiver mit "HD+"-Symbol oder mit einer CI+-Schnittstelle. Vom Betreiber der Plattform bekommt er nach der Aktivierung eine HD+-Karte zur Entschlüsselung.

Digitalfernsehen bietet zudem eine viel größere Programmvielfalt und EPG, den Elektronischen Programmführer. Mit seiner Hilfe können sich die Zuschauer nicht nur am Bildschirm über die Sendungen informieren, sondern auch - sofern vorhanden - ihren digitalen Videorecorder im Handumdrehen programmieren.

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