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Ratgeber

24. September 2017 | 19:25 Uhr

Rentenbeitrag sinkt ab 2012

vom

svz.de von
erstellt am 17.Nov.2011 | 11:43 Uhr

Jetzt ist es offiziell: Die Rentenbeiträge werden ab 1. Januar 2012 um 0,3 Prozentpunkte auf 19,6 Prozent sinken. Die gute Konjunktur ermöglicht diese erste Senkung seit zehn Jahren. Der neue Beitragssatz entlastet Arbeitgeber und Arbeitnehmer 2012 um 2,6 Milliarden Euro. Doch Opposition und Gewerkschaften würden die hohen Überschüsse lieber für Maßnahmen gegen Altersarmut nutzen. Unser Korrespondent Christoph Slangen hat die wichtigsten Hintergründe zur Beitragssenkung zusammengestellt.

Was bringt die Senkung für den Einzelnen?
Die Senkung um 0,3 Prozentpunkte verteilt sich hälftig auf Arbeitgeber und Arbeitnehmern. Insgesamt spart jede Seite 1,3 Milliarden Euro pro Jahr. Wer 2500 Euro monatlich verdient, das Durchschnittseinkommen, erhält netto 3,75 Euro mehr. Wer 1200 Euro verdient, wird 1,80 Euro weniger an die Rentenversicherung abgeben müssen.

Ist das Entlastungspotenzial damit ausgereizt?
Die Rentenversicherer schätzen, dass der Beitrag zu Jahresbeginn 2013 erneut sinken kann, im besten Fall um weitere 0,5 Prozentpunkte. Das hängt aber von der Entwicklung der Rentenfinanzen im kommenden Jahr, also der Beitragsentwicklung und damit der Konjunktur ab. Zu Jahresbeginn 2013 will die Koalition im Gegenzug die Pflegeversicherungsbeiträge anheben - allerdings nur um 0,1 Prozentpunkte. In allen Szenarien des Rentenversicherungsberichts sinkt der Rentenbeitrag in den kommenden Jahren: auf bestenfalls 18,7 Prozent, mindestens 19,5 Prozent.

Welche Alternativen zur Beitragssenkung gibt es?
Die Beitragssenkung ist gesetzlich vorgeschrieben, wenn die Rücklage im betreffenden Jahr über 1,5 Monatsausgaben steigen würde. Ende 2011 wird sie bei 1,4 Monatsausgaben, knapp 24 Milliarden Euro, liegen. Gegner befürworten eine Gesetzesänderung. Sie argumentieren, die Überschüsse sollten zur Verbesserung der Leistungen genutzt werden. Insbesondere müsse verstärkt gegen Altersarmut vorgegangen werden. 79 Prozent der Bundesbürger würden laut einer Forsa-Umfrage auf Beitragssenkungen verzichten, wenn das Geld stattdessen für Maßnahmen gegen Altersarmut genutzt würde. Der Sozialverband Deutschland mahnt verbesserte Rehabilitation an.

Wie will die Regierung gegen Altersarmut vorgehen?
Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) vertritt das Konzept einer "Zuschussrente", mit der langjährig Versicherte, die zudem privat vorgesorgt haben, eine Rente über dem Grundhilfeniveau erhalten sollen. Sie setzt zumindest teilweise auf Steuerfinanzierung, doch grünes Licht von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) gibt es bisher nicht. Derzeit gibt es 400 000 Empfänger von Grundsicherung, etwa 2,4 Prozent der Rentner. Die Kritiker bemängeln, dass die Bedingungen für den Bezug so hoch seien, dass nur wenige in den Genuss kommen würden: Im ersten Jahr nur 17 000 Personen.

Wie entwickeln sich die Renten?
Ein endgültiger Wert steht noch nicht fest, da die Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Einkommen des ganzen Jahres abgewartet werden muss. Doch aus den Vorausberechnungen der Rentenversicherung anhand der bisherigen Arbeitsmarkt- und Lohnentwicklung ergibt sich eine Erhöhung um 2,3 Prozent (West) und 3,2 (Ost) zum 1. Juli 2012.

Ohne die Kürzungsfaktoren, die den Rentenanstieg begrenzen sollen, hätte die Erhöhung im Westen 4,55 Prozent und im Osten 4,7 Prozent erreicht. Das Rentenniveau, also die durchschnittlichen Rentenbezüge vor Steuern, sinken im Vergleich zu den Durchschnittseinkommen in den kommenden Jahren weiter ab. Nach 50,2 Prozent in diesem Jahr bis auf 47,8 Prozent im Jahr 2020 und 46,2 Prozent im Jahr 2025. Zum Ausgleich ist die staatliche Förderung der privaten Altersvorsorge eingeführt worden. Derzeit arbeiten Koalitionspolitiker an einer Überarbeitung der Riester-Förderung, um sie noch attraktiver zu gestalten. Knapp 15 Millionen Riester-Verträge bestehen derzeit.

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