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Lesertelefon Steuern : Renten-Fragen und Panama-Frust

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Rekordverdächtig: Mehr als 150 Leser nutzten gestern unser Telefonforum. Einige machten ihrem Ärger wegen der jüngsten Enthüllungen Luft.

von
erstellt am 06.Apr.2016 | 11:45 Uhr

Wir haben uns sehr über die neuen Enthüllungen zu Schwarzgeld und Briefkastenfirmen geärgert. Obwohl wir Rentner sind, müssen wir weiterhin etwas Steuern zahlen. Die Kleinen werden vom Finanzamt genau durchleuchtet, während die Großen ungeschoren bleiben. Warum ist das so?

Aus Ihrer Sicht ist die Verärgerung verständlich. Aber das Finanzamt kann nur die Beträge versteuern, die es auch kennt. Nun werden Renten und andere Altersbezüge ebenso wie Arbeitslöhne und seit einiger Zeit auch bestimmte Sozialleistungen elektronisch gemeldet und von der Finanzverwaltung ausgewertet.

Einnahmen, die nicht angegeben werden und die auch nicht automatisch von Dritten an die Finanzverwaltung gemeldet werden, bleiben deshalb – zu Unrecht – ohne Steuerbelastung. Das ist immer wieder auch für kleine Fälle festzustellen, wenn beispielsweise Pachteinnahmen, Vermietungen oder Einnahmen aus Nebentätigkeiten nicht angegeben werden. Allerdings bemühen sich der Gesetzgeber und die Finanzverwaltung, Lücken zu schließen. Die Mitteilungen und Auswertungen werden erweitert, Geldbewegungen sind bereits seit einiger Zeit in bestimmten Fällen aufgrund des Geldwäschegesetzes meldepflichtig und Auftraggeber müssen identifiziert werden.

Bei allem Engagement für eine gerechte Besteuerung muss man sich darüber aber auch im Klaren sein, dass eine lückenlose Erfassung nicht möglich ist. Dies würde eine lückenlose Kontrolle sämtlicher Geldbewegungen und sämtlichen Schriftwechsels und somit einen totalen Überwachungsstaat erforderlich machen. Und selbst dies würde nicht ausreichen, wenn sich Geld im Ausland befindet. In diesen Fällen sind Mitteilungen aus ausländischen Staaten erforderlich. Deutschland hat mit weiteren Staaten bereits einen sehr umfassenden Informationsaustausch vereinbart, der weiter ausgebaut wird.

Die Ausnahmen, das heißt die Länder, die sich nicht am Informationsaustausch beteiligen, sind sehr überschaubar. Verständlicherweise sorgen sie aber immer wieder für Verärgerung, wenn Fälle wie jetzt in Panama aufgedeckt werden. Auch hier wird sich sukzessive der Austausch erhöhen.

 

Wir sind bereits seit vielen Jahren Rentner. Müssen wir dennoch eine Steuererklärung abgeben?

Bis zu welcher Rentenhöhe keine Steuern anfallen, hängt vom Jahr des Rentenbeginns ab. Rentner, die bereits 2005 oder früher in Rente gegangen sind, brauchen bis zu einer Rentenhöhe von monatlich rund 1550 Euro keine Steuerbelastung zu befürchten. Dies gilt dann, wenn keine weiteren Einkünfte vorliegen. Für Ehepaare gilt der doppelte Betrag. Maßgeblich ist hierbei die Bruttorente, vor Abzug der Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung. Für jüngere Rentnerjahrgänge gelten geringere Beträge. Bei Rentenbeginn 2014 liegt der Wert nur noch bei rund 1260 Euro Monatsrente. Wer höhere Rentenbezüge hat, muss jedoch auch nicht zwangsläufig Steuern zahlen. Die angegebenen Werte berücksichtigen als steuermindernde Beträge nur den Abzug der Kranken- und Pflegeversicherung. Weitere abziehbare Versicherungsbeiträge, außergewöhnliche Belastungen oder haushaltsnahe Dienstleistungen können auch bei höheren Renten eine Steuerzahlung verringern oder ganz vermeiden. Allerdings ist in der Regel die Abgabe der Steuererklärung erforderlich.

Ich beziehe neben meiner Altersrente eine Rente aus der Berufsgenossenschaft wegen eines früheren Arbeitsunfalls. Diese ist relativ hoch. Wie viel Steuern fallen darauf an?

Glücklicherweise gar keine. Unfallrenten aus der Berufsgenossenschaft sind vollständig steuerfrei. Sie brauchen auch nicht in der Steuererklärung angegeben zu werden.

Seit dem vergangenen Jahr beziehe ich eine Witwenrente. Bisher haben mein Mann und ich keine Steuererklärung abgeben müssen. Das dürfte sich für mich aber jetzt vermutlich ändern?

Zumindest ist die Pflicht zur Abgabe der Steuererklärung neu zu prüfen, aber nicht sofort. Für das Jahr, in dem Ihr Mann verstorben ist, werden Sie noch als Ehepaar besteuert. Und auch für das Folgejahr, also 2016, erhalten Sie noch einen steuerlichen Vorteil. Für ein Übergangsjahr bleibt noch der günstigere Splittingtarif für Ehepaare erhalten. Erst 2017 gilt für Sie dann uneingeschränkt die Besteuerung als Alleinstehende. Die Steuererklärung wird aber erst im Jahr 2018 rückwirkend fällig.

Wie wird eigentlich eine Witwenrente besteuert? Ich erhalte eine Witwenrente seit zwei Jahren. Altersrentnerin bin ich bereits seit 2000.

Für die Witwenrente ist entscheidend, ob der verstorbene Ehepartner auch bereits Rentner war. In diesem Fall zählt die Witwenrente als Folgerente. Hatte beispielsweise der Ehemann auch 2005 oder früher Rente bezogen, gilt für die Witwenrente ebenso wie für die vorhergehende Altersrente ein Besteuerungsanteil von 50 Prozent. Wenn die Witwenrente seit 2014 gezahlt wird, errechnet sich der Freibetrag für die Witwenrente aus 50 Prozent der Jahresrente 2015, dem Jahr nach Rentenbeginn. Der steuerpflichtige Rentenanteil der Witwenrente wird dann mit dem steuerpflichtigen Rentenanteil der Altersrente zusammengerechnet.

Ich kümmere mich um meinen pflegebedürftigen Vater. Kann ich einen Pflegepauschbetrag beantragen?

Für den Pflegepauschbetrag ist Voraussetzung, dass der Pflegebedürftige die Pflegestufe III hat oder einen Schwerbehindertenausweis mit dem Kennzeichen „H“. Bei geringeren Pflegestufen können zwar auch Pflegekosten geltend gemacht werden. Diese sind jedoch nachzuweisen und können nicht pauschal beantragt werden. Hierbei zählt leider kein Zeitaufwand, sondern nur nachgewiesene Kosten. Dies können beispielsweise Fahrtkosten zur Wohnung des Gepflegten sein.

Ich habe nur eine kleine Rente von rund 800 Euro. Allerdings habe ich dazu noch Einnahmen aus der Beteiligung an einem Windkraftpark und aus Landverpachtung. Falls das Finanzamt eine Steuererklärung will, wird es sich doch sicher melden?

Es ist keinesfalls so, dass eine Steuererklärung nur bei Aufforderung durch das Finanzamt einzureichen ist. Eine gesetzliche Pflicht zur Abgabe der Steuererklärung besteht, sobald die Einkünfte (steuerpflichtige Einnahmen abzüglich Werbungskosten oder Betriebsausgaben) das steuerfreie Existenzminimum übersteigen (für 2015: 8473 Euro). Termin für die Steuererklärung ist jeweils bis Ende Mai des Folgejahres. Sie sollten unbedingt prüfen, ob eine Abgabepflicht besteht und in diesem Fall die Steuererklärung einreichen. Wenn sich nach Abzug der Versicherungsbeiträge und eventuell weiterer Aufwendungen keine Steuernachzahlung ergibt und absehbar ist, dass sich dies trotz Ihrer weiteren Einnahmen auch in den kommenden Jahren nicht ändert, können Sie beim Finanzamt beantragen, dass Sie von der Abgabe befreit werden. Dies gilt aber dann nur so lange, wie sich Ihre Einkommensverhältnisse nicht ändern.

In den vergangenen Jahren brauchten wir als Rentner keine Steuererklärung einzureichen. Wegen der Rentenerhöhungen sind wir jetzt verunsichert, ob sich dies ändert.

Ihre Frage ist berechtigt, da die Rentenerhöhungen zu 100 Prozent steuerpflichtig sind. Der Prozentsatz, mit dem Renten je nach Beginn teilweise steuerfrei sind, gilt für die Rentenerhöhungen nicht. Allerdings erhöht sich auch regelmäßig das steuerfreie Existenzminimum. In der Vergangenheit hat diese Steuerfreistellung die steuerpflichtigen Rentenerhöhungen in der Regel ausgeglichen. Nur wer vorher ganz knapp im steuerfreien Bereich war, kann durch eine größere Rentenerhöhung etwas in die Steuerzahlung „hereinrutschen“. Das betrifft aber nur relativ wenige Fälle. Außerdem kann sich dann nur durch die Rentenerhöhung höchstens eine geringe Steuerbelastung ergeben.

Anders sieht es aus, wenn aufgrund einer Rentenneuberechnung die Rente deutlich höher ausfällt. In diesem Fall wird allerdings auch der Rentenfreibetrag neu berechnet und gleicht dies etwas aus.

Wir haben in den vergangenen Jahren regelmäßig eine Nichtveranlagungsbescheinigung erhalten. Diese wurde uns jetzt abgelehnt. Müssen wir deshalb eine Steuererklärung einreichen oder können wir uns gegen die Ablehnung wehren?

Es ist ein häufiger Irrglaube, dass ohne Nichtveranlagungsbescheinigung eine Steuererklärung eingereicht werden muss. Rentner können anhand der Höhe ihrer Renteneinnahmen feststellen, ob eine Steuererklärung abzugeben ist. Im Zweifelsfall können Sie auch beim Finanzamt anfragen. Eine Nichtveranlagungsbescheinigung brauchen Sie dazu nicht zu beantragen. Die Bescheinigung ist dann erforderlich, wenn Zinsen oder andere Kapitalerträge über dem Sparer-Pauschbetrag (801 Euro für Alleinstehende, 1602 Euro für Verheiratete/Verpartnerte) bezogen werden. Auf den übersteigenden Betrag behält die Bank normalerweise 25 Prozent Abgeltungssteuer ein. Wenn jedoch aufgrund des persönlichen Einkommens das steuerfreie Existenzminimum noch nicht ausgeschöpft ist, können über die Bescheinigung höhere Kapitalerträge zusätzlich steuerfrei gestellt werden. Wessen Kapitalerträge ohnehin die Freistellungsaufträge nicht überschreiten, braucht keine Nichtveranlagungsbescheinigung.


 

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