Fjord-Norwegen : Zur rechten Zeit am rechten Ort

Stavanger ist der perfekte Ausgangspunkt für die Wanderungen im Lysefjord, Fotos: Jessica Weiser/istock
1 von 4
Stavanger ist der perfekte Ausgangspunkt für die Wanderungen im Lysefjord, Fotos: Jessica Weiser/istock

Im Winter lohnt sich ein Besuch in der Region Fjord-Norwegen besonders – ein Selbstversuch

von
23. November 2019, 16:00 Uhr

Ob Tom Cruise bei seiner Wanderung auf den Preikestolen wohl ins Schwitzen gekommen ist? Bestimmt nicht! Vermutlich ist der durchtrainierte Schauspieler, der auf dem Felsplateau nahe Stavanger Szenen für den Kino-Blockbuster „Mission: Impossible 6“ gedreht hat, in Rekordzeit nach oben gesprintet oder hat sich filmreif aus einem Hubschrauber abgeseilt.

Ein solch spektakulärer Auftritt bleibt uns an diesem sonnigen Wintermorgen verwehrt. Macht aber nichts. Es wären ohnehin kaum Zuschauer da, die uns dafür feiern könnten – und das, obwohl der Aufstieg auf den 604 Metern hohen Preikestolen zu den berühmtesten Bergtouren Norwegens gehört. Jedes Jahr machen sich über 300 000 Wanderer auf den Weg. An diesem Tag stehen jedoch nur eine Handvoll Autos auf dem Parkplatz an der Preikestolen Mountain Lodge, dem Ausgangspunkt für die Wanderung.

Bergen ist die regenreichste Großstadt Europas, das macht sie jedoch nicht weniger sehenswert. Von hier aus Abstecher nach Flåm in den Auerlandsfjord und ins Skigebiet Myrkdalen.
Bergen ist die regenreichste Großstadt Europas, das macht sie jedoch nicht weniger sehenswert. Von hier aus Abstecher nach Flåm in den Auerlandsfjord und ins Skigebiet Myrkdalen.
 

Johannes Apon, Guide und Geschäftsführer von Outdoorlife Norway, weiß warum: „Früher wurden zwischen Oktober und April keine geführten Wanderungen auf den Preikestolen angeboten“, erzählt der gebürtige Niederländer, der seit 2008 in Norwegen lebt. Überhaupt seien die Wintermonate bei Norwegen-Reisenden nicht besonders beliebt. „Seit einigen Jahren findet aber ein Umdenken statt, denn während es im Sommer oben voll werden kann, ist man vom Spätherbst bis ins Frühjahr so gut wie alleine unterwegs.“ Der Weg nach oben sei sogar bei Schnee machbar. Für diesen Fall haben Johannes und seine fünf Kollegen leichte Steigeisen dabei.

Schnee liegt an diesem 1. März zwar nicht mehr, das macht die Tour aber nicht weniger anstrengend. „Die Wanderung startet auf 240 Metern über dem Meeresspiegel, im Grunde betrügen wir also ein bisschen“, scherzt Johannes. Gleichzeitig warnt er jedoch: „Die fast vier Kilometer bis nach oben haben es trotzdem in sich. Steinig und stufig geht es stetig bergauf. “

crnthight129t1371599738613724112img
 

Apropos Stufen. „Dass der Wanderweg so gut in Schuss ist, haben wir nepalesischen Sherpas zu verdanken“, erzählt der Guide auf unserem Weg nach oben. Bis vor wenigen Jahren sei es noch kreuz und quer über große Steinbrocken gegangen. Aus diesen haben die Männer aus Nepal akkurate Stufen geformt, die den Weg sicherer und komfortabler machen.

Wir genießen den Weg nach oben und die zahlreichen tollen Aussichten. Zum Beispiel auf die zerklüftete Küstenlandschaft rund um Stavanger oder den zugefrorenen Tjødnane-See unweit des Gipfels. Das Beste kommt aber bekanntlich immer zum Schluss, das ist hier nicht anders. Der Preikestolen, der vor rund 10 000 Jahren durch das Abschmelzen des Inlandeises entstand, ist schlicht beeindruckend.

604 Meter unter uns liegt der Lysefjord. Ganz Mutige robben an die Felskante und wagen den Blick in die Tiefe, andere geben sich mit dem Weitblick aus sicherer Entfernung zum Abgrund zufrieden. Kurz versucht man sich vorzustellen, wie es hier wohl aussieht, wenn sich Hunderte Menschen gleichzeitig auf dem Plateau tummeln und versuchen, das beste Foto zu schießen. Tatsächlich ist das unvorstellbar.

crnthight129t2688370257984373795img
 

„Wer Norwegen ohne Touristenmassen erleben will, der muss in der Nebensaison zu uns kommen“, sagt auch Anders Nyland, Chef des Bergen Tourist Board. Angst vor dem Wetter müsse man zwischen Oktober und April nicht haben. „Das ist das echte, ursprüngliche Norwegen. Das raue Wetter macht unser Land erst besonders.“ Und wenn es mal in Strömen regnet – was in Bergen zu jeder Jahreszeit passieren kann? „Dann gibt es in der Region Fjord-Norwegen genügend Möglichkeiten, um sich die Zeit in Museen und bei gutem Essen zu vertreiben“, rät Nyland. „Go Viking“ lautet das Motto, mit dem die Region für die dunkle Jahreszeit wirbt.

Apropos Essen. Viele Restaurants in den Fjorden Norwegens haben sich der regionalen Küche verschrieben und setzen auf frische Produkte von lokalen Lieferanten. Einer von ihnen ist Bjarte Finne, Chefkoch im Hotel Fretheim in Flåm. Das Dorf liegt am Ende des Aurlandsfjords, einem Seitenarm des großen Sognefjords. Finne und sein Team unterstützen so die Bauern in der Gegend. „Indem wir mit den Landwirten kooperieren, geben wir ihnen Sicherheit und bekommen dafür Top-Produkte. Das ist eine Win-win-Situation für die Bauern und das Hotel.“

Eine weitere Besonderheit: In Flåm hält die berühmte Flåmbahn. Die Fahrt von 867 Metern in Myrdal hinunter auf nur zwei Meter über dem Meeresspiegel dauert etwa eine Stunde und zählt zu den schönsten Zugstrecken der Welt. Während sich in den Sommermonaten Touristen aus aller Welt in die historischen Waggons quetschen, ist es an diesem Abend angenehm leer.

Am Kjosfossen hält die Bahn und entlässt die Reisenden in eine gespenstische Stille. Dort, wo sonst Wassermassen in die Tiefe stürzen, regt sich nichts. Der Wasserfall ist eingefroren.

Richtig heimelig fühlt es sich an, wenn man nach der Fahrt im Ægir Bryggeri Pub in Flåm einkehrt und sich am riesigen Kamin bei Bier und Essen im Wikingerstil aufwärmt. Schließlich kommt man sich gerade selbst wie ein Wikinger auf Entdeckungsreise vor. Ganz wie die hartgesottenen Nordmänner kann man im Auerlands- und Nærøyfjord auch auf Safari gehen – wilde Tiere inklusive. „Mit etwas Glück sieht man hier Seehunde, Schweinswale oder Adler“, erzählt Führerin Ane Olivie Oppheim. So viel Glück haben wir leider nicht. Aber auch ohne tierische Bewohner ist die Landschaft atemberaubend schön und wieder einmal menschenleer und still.

Fjord-Norwegen erleben

Anreise: Mit Fjord Line von Hirtshals (Dänemark) nach Stavanger oder weiter nach Bergen.  Für die Reederei sind die MS Stavangerfjord und die MS Bergensfjord auf dieser Route unterwegs. fjordline.com

Übernachten: Hotel Scandic Stavanger City, Übernachtung inkl. Frühstück ab 127 Euro, scandichotels.de; Fretheim Hotel Flåm, Übernachtung inkl. Frühstück ab 122 Euro, das Küchenteam des Hotels kocht Gerichte aus lokalen Zutaten, fretheimhotel.no

Erleben: Winterwanderung zum Preikestolen, inkl. Transfer ab/bis Stavanger, Guide, Vesper-Paket und Mittagessen ab 121 Euro: outdoorlifenorway.com; Stadtrundgang „NuArt“ in Stavanger, Dauer ca. 2 Stunden, ca. 15 Euro: streetarttours.no; Fahrt mit der Flåmsbahn von Myrdal nach Flam, Preis: einfache Fahrt ca. 37 Euro pro Person, Hin- und Rückfahrt ca. 50 Euro (Preise gültig von Oktober bis April): visitflam.com

Winter-Fjord-Safari, November–März, im RIB-Boat durch den Nærøyfjord, ca. 67 Euro: fjordsafari.com; Schneeschuhwanderung in Aurland, Januar bis März, inkl. Transfer, Schneeschuhe, Snack und Heißgetränk ab ca. 79 Euro: fjordsafari.com;

Myrkdalen Ski School, Klypeteigane, 5713 Vossestrand, Preise Skipass: Tages-Pass ca. 45 Euro, 5-Tages-Pass ab 159 Euro (Erw.), myrkdalen.no

Tipp: Mit der Bergen Card erhalten Besucher kostenlosen Eintritt oder Ermäßigungen zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten, Aktivitäten, Kulturangeboten, in Geschäften, Restaurants und auf Parkplätzen, ab 28,50 Euro.

Essen und Trinken: Fish & Cow, Torgterassen/Skagen 3 in Stavanger, fishandcow.no;

Bare Vestland, Vågsallmenningen 1 in Bergen,barevestland.no; Flåm Bakeri: visitflam.com; Ægir BryggeriPub, Flåmsbrygga in Flåm, Abendessen mit Bier-Tasting, Preis: Ægir Vikingplanke inkl. 5 Biersorten ca. 60 Euro, flamsbrygga.com/viking-menu-dinner

Infos: fjordnorway.com; regionstavanger-ryfylke.com; visitbergen.com

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen