Reisetipp Chile : Zielpunkt Kap Hoorn

Spiegelung des Pia-Gletschers im Pia-Fjord.
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Spiegelung des Pia-Gletschers im Pia-Fjord.

Im chilenischen Patagonien halten die Elemente eine breite Palette launischer Überraschungen bereit.

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08. April 2017, 10:00 Uhr

„Kampf der Kulturen?“ Jedenfalls nicht am Tresen der stets gut besuchten Schiffsbar der „Stella Australis“, an der sich Barkeeper Claudio eifrig bemüht, der regen Nachfrage an Pisco Sour umgehend nachzukommen. Jenem milchig im Glas schimmernden Zaubertrank, dem es auf wundersame Weise stets neu gelingt, das Stimmungsbarometer selbst bei frostigen Außentemperaturen nach oben zu treiben. Kalt serviert und heiß geliebt, in einer von Wind und Wetter heimgesuchten Welt.

Wie auch im Nationalpark „Torres del Paine“, in der die Elemente mit Urgewalt aufeinander treffen, wie Parkbegleiterin Sophia erklärt. Entstanden aus vulkanischem Material, das in erstarrtem Zustand aussieht wie großflächig über die Erde verteiltes Riesenspielzeug. Zusätzlich dekoriert mit türkisfarbigen Seen und Lagunen. Auch die Winde scheinen es in ihrer Intensität den anderen Elementen gleichtun zu wollen, wenn sie an Orten wie dem „Salto Grande“-Wasserfall den überraschten Wanderer buchstäblich aus den Schuhen heben. Ist dies bereits die Einstimmung auf das verrufene Kap Hoorn?

Wider Erwarten bricht am nächsten Morgen die Sonne strahlend hervor und offenbart eine verschlungene, ja bizarre Fjordlandschaft. Schon bald öffnet sich der ersehnte Zugang zum Pia-Gletscher, der sich in seiner weißen Pracht auch heute wieder als einer der schönsten Gletscher des gesamten Archipels erweist. Bereits die Anfahrt zur steil aufragenden Gletscherwand löst spannungsvolle Erwartungen aus. Denn sind dort im sterilen Kreißsaal der Natur nicht bereits die Vorbereitungen für das Kalben des Gletschers in vollem Gange? Erinnert doch das ständige Knacken, das von der grellweißen Fassade ausgeht, an einsetzende Geburtswehen. Noch ist es nur ein gelegentliches Ächzen und Stöhnen.

Doch dann verwandelt sich die Starre der majestätischen Eisfassade. Krachend bricht eine riesige Zacke aus ihrer Krone, donnernd und polternd trifft sie auf die Wasseroberfläche, die mit aufsprühendem Getöse den eisigen Koloss zunächst verschlingt, bevor sie ihn zur Freude aller Beobachter zumindest teilweise wieder an die Oberfläche entlässt: Geburt gelungen, Nachwuchs wohlauf, Warten gelohnt!

Bis jetzt hat das Wetter für patagonische Verhältnisse erstaunlich gut gehalten. Wird sich dieses unerwartete Wetterwunder aber bis Kap Hoorn fortsetzen? Schon bald sausen wendige Schlauchboote knatternd los, um den kleinen Anlandungssteg neu zu befestigen. Auf dem Rückweg vom Inselleuchtturm zum Schlauchbootsteg ziehen weitere Wolken auf, und es fallen bereits die ersten Tropfen. Doch kaum jemand interessiert sich noch dafür, wurde doch das ersehnte Ziel gerade noch einmal erreicht. Wie nicht anders zu erwarten, hat Barkeeper Claudio an diesem Abend wieder einmal alle Hände voll zu tun.

Einreise: Es genügt ein noch 6 Monate gültiger Reisepass. Einreiseformulare bei Einreise.
Infos: www.chile.travel, www.rautenberg-reisen.de
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