Kloster St. Antonius Ägypten : Wo sich Schönheit und Stille finden

Die Klosteranlage des Sankt Antonius liegt am Fuße des 1464 Meter hohen Galala-Felsplateaus im Wadi Araba.
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Die Klosteranlage des Sankt Antonius liegt am Fuße des 1464 Meter hohen Galala-Felsplateaus im Wadi Araba.

Der Einsiedler und Asket Antonius gründete mitten in der arabischen Wüste das älteste christliche Kloster Ägyptens.

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30. Januar 2016, 16:00 Uhr

Father George ist ein koptisch-orthodoxer Mönch. Gemeinsam mit rund hundert Geistlichen lebt er im ältesten christlichen Kloster St. Antonius in Ägypten. George empfängt uns zu einem Exklusiv-Besuch in der weitläufigen und von einer hohen Mauer umgebenen Anlage, an deren einzigem Zugang ein bewaffneter Sicherheitsdienst wacht. Hier, rund 100 Kilometer vom Suezkanal entfernt in der arabischen Wüste gelegen, hatte überlieferten Dokumenten zufolge im dritten nachchristlichen Jahrhundert der Einsiedler und Asket Antonius eine geheimnisvolle Quelle gefunden.

Father George zeigt sie uns: „Wir wissen nicht, woher das Trinkwasser tatsächlich kommt.“ Tatsache ist, dass dieses Rinnsal bis in die Gegenwart als Gebrauchswasser zum Wäschewaschen und Reinigen von Geschirr ausreicht. Aber inzwischen werden auch die Klosteranlagen mit ihren Wohnhäusern, Gemeinschaftsräumen und Gärten mit Obst, Gemüse, Olivenbäumen und Wein durch eine Wasserleitung, die vom Nil – sprich Kairo – über 120 Kilometer herbeiführt, mit dem wertvollen Nass versorgt. Schon Antonius, dessen Symbol der Großbuchstabe T (ein Zeichen für „Krücke“) ist, wusste bereits vor 1600 Jahren: Menschen können in der Wüste nur überleben, wenn sie Wasser haben. Erst dann wird eine Art Oasenwirtschaft möglich.

Zum Kloster gehören auch eine Mühle und eine Bäckerei, die den Mönchen ein autarkes Leben ermöglichen. Außerdem gibt es insgesamt fünf Kirchen innerhalb der Gesamtanlage. Die Antonius-Kirche, der sakrale Kernbau des Klosters, geht auf das 6. Jahrhundert zurück. Allerdings stammen die meisten Gebäudeteile, inklusive der bedeutenden Fresken, aus dem 10. Jahrhundert.

George erinnert an die Ursprünge: Antonius, der heute bei allen christlichen Kirchen als „Vater aller Mönche“ verehrt wird – bei der evangelisch-lutherischen Kirche ist der 17. Januar sein Ehrentag – , entstammte einer reichen Bauernfamilie. Nachdem seine Eltern früh verstorben waren, wusste der damals etwa Zwanzigjährige zunächst nicht, was er mit seinem Erbe anfangen konnte. Im Matthäus-Evangelium las er den Schlüsselsatz: „Verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen.“ Im Jahr 275 n. Chr. verschenkte er seinen Besitz an notleidende Frauen und lebte fortan in radikaler Armut. Seine Zuflucht fand er in einer Grotte am Fuße des Berges Kolzims, die nur einen Steinwurf von der „Antonius-Quelle“ entfernt liegt.

Nach und nach suchten Menschen diese Einsiedelei auf, um sich Rat zu holen und Heilung zu erhalten. Seine Jünger, die sich in der Nähe eine Bleibe suchten, waren sozusagen die ersten Antoniter der Historie. Antonius, der als 105-Jähriger seinen Tod vorausgesagt haben soll, verzichtete nach der Ordensgründung um 356 auf jedwede Regeln – ganz im Gegensatz zum „Ora et Labora“ der Benediktiner.

Mönch George führt uns ins Allerheiligste der alten Klosterkirche, zum Grab des Antonius. In einem Nebenraum liegt in einem gläsernen Schrein der in Tücher gewickelte und mumifizierte Leichnam eines angesehenen Fathers, der sein ganzes Leben lang „viel Gutes“ getan, aber nie ein Wort gesagt haben soll. Wir bestaunen außerdem in der Klosteranlage einen langen Esstisch ganz aus Stein und zwei hölzerne Aufzüge, mit denen Menschen und Versorgungsgüter ehemals mit Tauen nach oben gehievt wurden. Das war nötig, weil im frühen Mittelalter mehrfach räuberische Beduinenstämme zum Plündern und Brandstiften auftauchten.

Das Antonius-Kloster hat uns mit seiner Schönheit und Stille beeindruckt. Auf dem fast 300 Kilometer langen Anfahrtsweg von Hurghada am Roten Meer bis in diese Einsamkeit abseits der Ortes Zafarana wurden wir auf buckliger Piste kräftig durchgeschüttelt. Die zahlreichen Kontrollstellen der Polizei nahmen wir angesichts der aktuellen Bedrohungslage durch Terroristen gerne in Kauf. Wir fühlten uns auf dieser Tour zum Jahresende 2015 doch recht sicher.

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