Göteborg : Wo sich die Wichtel stärken

Lichterspektakel in Liseberg: Fast alle Bäume in dem Freizeitpark mitten in Göteborg sind mit Lämpchen geschmückt.
Lichterspektakel in Liseberg: Fast alle Bäume in dem Freizeitpark mitten in Göteborg sind mit Lämpchen geschmückt.

In der Adventszeit ist Göteborg zweigeteilt: Amüsiermeilen erinnern an Las Vegas und in ruhigen Ecken erleben Besucher alte Tradition

svz.de von
14. November 2014, 20:58 Uhr

Kleine Wesen kochen zur Stärkung den Reisbrei Julgröt und setzen sich an den warmen Ofen. Hier verschnaufen sie ein wenig von der harten Arbeit. Hier, das ist in einem der vielen kleinen Betriebshäuser des Herrenhauses Gunnebo im Umland der zweitgrößten schwedischen Stadt. Fragt ein Mensch, bekommt er auch eine Portion von der herzlichen Frau mit den roten Backen und der Zipfelmütze auf dem Kopf: In Göteborg rasten in diesen Wochen nämlich die Wichtel des Weihnachtsmannes.

Auf dem Anwesen Gunnebo findet einer der beliebtesten Weihnachtsmärkte Göteborgs statt (29. und 30. November): In den kleinen roten Häusern der romantischen Gartenanlage werden im Advent Basteleien, traditionelle schwedische Dekorationen und Leckereien verkauft. Der Besuch auf Gunnebo ist überaus besinnlich – aber nicht unbedingt repräsentativ für die Adventszeit in Göteborg, dem Las Vegas unter den Weihnachtsstädten.

Fast ein Dutzend Märkte zieren ab Mitte November die Stadt. Es gibt sie in allen Stilen und für alle Zielgruppen, aber vor allem für die Amüsiersüchtigen. Sie zieht es nach Liseberg, zum großen Freizeitpark mitten in Göteborg. Dort findet sich dem Tourismusbüro zufolge der größte Weihnachtsmarkt Skandinaviens (14. November bis 23. Dezember, nicht durchgehend geöffnet). Es ist ein Lichterspektakel: Die Umrisse fast aller Bäume sind mit Lämpchen nachgezogen, fast fünf Millionen Lichter blinken an Ästen und Gebäuden. Menschenmassen drängen sich an den Abenden und Wochenenden durch die Gassen mit ihren etwa 70 „Fressbuden“ und Hütten mit Kunsthandwerk aus allen Teilen Schwedens. Es duftet nach Marzipan, Ingwerplätzchen und Glögg, dem traditionellen Glühwein. Rentiere ziehen Schlitten durch die Gassen. Im Hintergrund fahren die Gondeln über die große Achterbahn. Vereinzelt hört man zwischen den Weihnachtsmelodien vergnügtes Kreischen aus den Karussells. Und natürlich schaut hier Santa höchstpersönlich vorbei.

Am schönsten sind aber die ruhigeren Ecken der Amüsiermeile: Hier bereiten die Sami, die Ureinwohner Lapplands, marinierten Hering zu, braten Rentier und bieten getrocknetes Fleisch aller Art an. Wem es draußen in der skandinavischen Winternacht zu kalt ist, der findet hier auch einen warmen Platz in einem der mit Fell bedeckten Zelte. Und mitten im Weihnachts-Vegas von Göteborg steht das Restaurant „Hamnkrogen“. Hier gibt es wie in fast allen Restaurants der Stadt zur Adventszeit spezielle Buffetangebote, die Julbord heißen. „Eigentlich jeder geht ins Restaurant in der Adventszeit“, erzählt Fremdenführerin Anne-Marie Deresiewicz. Ohne Reservierungen hat man kaum eine Chance auf einen Tisch.

Zur Weihnachtszeit ist Göteborg außerdem ein beliebtes Shopping-Ziel. Der im Jahr 2013 erstmals veranstaltete Weihnachts-Designmarkt à la London setzt hier an: Von der britischen Shoppingmetropole inspiriert finden Mode- und Stilbewusste hier ungewöhnliche Geschenke, Kleidung und Accessoires von über 50 Designern aus Göteborg (29. und 30. November).

Aber Göteborg wäre nicht Göteborg, wenn es nicht noch mit einer großen Lichterschau aufwarten würde: Die Stadt schmückt sich dann auf einer drei Kilometer langen Strecke mit Lichtern (5. Dezember bis 11. Januar). Besonders jetzt hat der Besucher das Gefühl, in einem europäischen Las Vegas zu sein.

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