Georgien : Wo das gute Gefühl zu Hause ist

Fisch aus dem Schwarzen Meer – an Batumis Hafen lässt es sich gut angeln.
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Fisch aus dem Schwarzen Meer – an Batumis Hafen lässt es sich gut angeln.

Die Region um die Hafenstadt Batumi in Georgien besticht durch herzliche Menschen, üppiges Essen und einmalige Natur.

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23. September 2017, 07:00 Uhr

Es sind wohl die natürliche Schönheit und die spannende Geschichte zwischen Orient und christlichem Abendland, die Georgien zu einem Reiseziel machen, das so viele Sehnsüchte stillt – landschaftlich, kulturell wie menschlich. Georgien – das Land zwischen Großem und Kleinem Kaukasus – ist eingebettet zwischen Schwarzem Meer, Russland, Türkei, Armenien und Aserbaidschan.

Neben der Hauptstadt Tiflis mit geschätzten 1, 3 Millionen Einwohnern hat sich die Hafenstadt Batumi zu einem pulsierenden Besuchermagneten entwickelt. Trotz der mehr als 154 000 Einwohner hat der Ort am Schwarzen Meer seinen Charme nicht verloren. Zwar teilen sich Prunk und Armut manchmal sogar ganze Straßenzüge. Aber letztendlich ist es wohl genau das, was die Besonderheit der zweitgrößten Stadt Georgiens ausmacht. Denn seit einigen Jahren haben die Bewohner von Batumi wie auch Investoren den touristischen Wert dieser Perle am Schwarzen Meer erkannt. Meterhoch ragen die modernen Hoteltürme in den blauen Himmel – oftmals architektonische Experimente. Ihren Gästen bieten sie einen grandiosen Blick auf die See, über die Stadt und in die Berge. Unten wieder angekommen säumen Palmen kilometerlang die Strand-Promenade, große Parkanlagen laden zum Verweilen ein und moderne Kunst zum Nachdenken.

Abends, wenn die Sonne im Meer versinkt, beginnt das wahre Leben in der Stadt. Mit der Dämmerung zieht das Leben auf die Straße: Wasserspiele, Musik, Kleinkunst und nicht zuletzt das fröhliche Gemüt der Georgier lassen die Nacht zum Tag werden, denn bis weit nach Mitternacht lauschen sie den Melodien und feiern das Leben. Da ist gar kein Platz für Unbehagen oder Angst, selbst in den dunklen Ecken der Stadt. In Batumi ist das gute Gefühl zu Hause – keine Bettler, Trickbetrüger, auch als Frau traut man sich nachts allein auf die Straße.

Was am Tag zuweilen alt und grau erscheint, verwandelt sich abends im warmen Schimmer von tausenden Lichtern in ein kleines Märchen aus Tausend und einer Nacht. Umso ruhiger ist es dafür in den frühen Morgenstunden. Dann zeigt sich auch das bescheidene Leben: Menschen mit selbst gebundenen Reisigbesen fegen die Straße, sorgen auf den öffentlichen Plätzen für Ordnung. Denn eines fällt besonders auf: Öffentliche Plätze, Straßen und Strand sind sehr sauber. Letzter allerdings sehr steinig.

Lohnenswert ist eine Fahrt mit der Seilbahn„Argo Cable Car“ zur Aussichtsplattform oberhalb von Batumi. Der Blick ist atemberaubend – bei guter Sicht sogar bis in die Türkei und auf die schneebedeckten Berge des Großen Kaukasus. Die Fahrt in einer der Kabinen ermöglicht einen guten Eindruck von der Stadt. Von dort aus zeigt sich noch einmal, wie vielschichtig und unterschiedlich schnell sich alles entwickelt. Sehr viel Geld fließt eben in die Gebäude entlang der Strandpromenade. Aber auch die ganz einfachen Häuschen haben ihren besonderen Charme.
 

114 Hektar großer Botanischer Garten

Die Region Adscharien im südwestlichen Georgien besticht aber nicht nur durch ihre Hauptstadt Batumi mit vielen modernen Elementen, sondern vor allem durch die einmalige Landschaft. Kurz vor dem letzten Schritt ins Naturschutzgebiet bietet sich der nächste atemberaubende Ausblick – diesmal auf die Stadt und das Schwarze Meer. Nur zehn Kilometer nördlich der Hafenstadt erstreckt sich auf mehr als 114 Hektar der Botanische Garten. 1912 wurde er angelegt und beherbergt mittlerweile mehr als 5000 Pflanzenarten. Ohne Probleme lässt sich dort ein ganzer Tag verbringen. Der Garten grenzt nach Westen mit steilen Felsklippen ans Schwarze Meer und die ausgeschilderten Rundwege geben immer wieder Punkte für Panoramablicke.

Wer es ein bisschen naturbelassener mag, sollte einen Ausflug in den Mtirala-Nationalpark machen. Eigentlich ist es unmöglich, das in Worte zu fassen: Denn schon die Fahrt dorthin, durch die Berge, vorbei an kleinen Dörfern über Straßen, die zum Teil eigentlich keine sind, ist ein Erlebnis. In den Orten trifft man auf sehr liebenswürdige und gastfreundliche Menschen. Die Kommunikation läuft zwar oft per Hand und Fuß, denn im Hinterland sprechen nur wenige englisch, russisch oder sogar deutsch. Doch für eine kleine Wegbeschreibung oder eine Einladung zum Essen – Schaschlik, frisches Gemüse aus dem eigenen Garten und Wein – reicht es allemal.
 

Freilaufende Kühe, Schweine und Hühner

Die Einheimischen kommen mit dem aus, was die Natur ihnen schenkt und sie teilweise mit harter Arbeit der Erde entlocken. Landwirtschaft findet lediglich auf kleinen Flächen statt. Getreidefelder? Fehlanzeige. Dabei würden Boden und auch Klima sicher vieles möglich machen. Doch der technische Fortschritt fehlt. Aber die Georgier auf dem Land sind zufrieden mit dem, was sie haben. Die Kühe grasen an den Straßenrändern, Schweine suchen sich das Futter ebenso freilaufend wie die Hühner. Ställe gibt es zwar hier und dort, doch es sind kleine Holzhütten und dienen eher als Schlecht-Wetter-Unterstand.

Was nicht im eigenen Garten wächst oder selbst gezüchtet wird, kauft der Georgier auf dem Markt. Für Europäer sind diese urtümlichen Basare vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig. Denn auch hier hat der technische Fortschritt noch keinen Einzug gehalten – frisch Geschlachtetes kommt dort auf die Tische. Ohne Kühlung. Doch die Aufmerksamkeit lässt sich in den Hallen leicht auf die Fülle an aromatischen Düften der Gewürzstände, die Pracht an Farben auf den Obst- und Gemüseauslagen und die vielen freundlichen Gesichter lenken.

Wofür die Georgier bekannt sind und was sie gern auch ihren Gästen präsentieren, ist der Wein. Gemacht wird er zum großen Teil von traditionellen Winzerfamilien. Neben gutem roten und weißem Tropfen bekommen Gäste auf Touristenrouten einen ganz besonderen Einblick in die georgische Kultur. Bei einer sogenannten Supra, einem georgischen Festessen, leitet der Tamada die Runde und ist für gefüllte Gläser und Teller wie auch die gute Laune der Gäste verantwortlich. Wirklich jedem Gast zaubert er himmlisches Essvergnügen – wieder Fleisch, Gemüse, Käse und Wein in Hülle und Fülle. Gäste sollten trinkfest sein und rustikale Runden mögen.

Noch gilt das paradiesische Land an den Südhängen des Kaukasus als Geheimtipp für Individualreisende, Entdecker und Genießer. Es ist erstaunlich, wie gastfreundlich Menschen sein können, ganz ohne Neid auskommen, auch wenn viele im Vergleich zu hiesigen Verhältnissen deutlich unter der Armutsgrenze leben. Auf   jeden Fall ist Georgien eine Reise wert, auch zwei oder drei…

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