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Reise und Tourismus

21. November 2017 | 00:18 Uhr

Jakobsweg : „Wir sind dann mal weg“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela in Galicien

Der Weg ist das Ziel. Und der führt durch eine der faszinierendsten Landstriche der Iberischen Halbinsel. Die Wetterbedingungen an diesem Frühlingstag sind ideal. Die Sonne strahlt an einem azurblauen Himmel, ein laues Lüftchen weht. Heute geht es mitten hinein in die Rías Baixas, eine wild-romantische Landschaft mit zahlreichen Meeresbuchten am offenen Ozean und endlosen Stränden. „Vorsicht“, warnt Tommi Alvarellos die ganz Mutigen unter uns, die gern ein Bad in den kristallklaren Fluten nehmen würden. „Das Meer ist um diese Jahreszeit noch zu kalt. Nutzen Sie lieber später unsere vielen Thermalquellen. Mit Glück schaffen Sie alle 19!“

Galicien, die autonome Region im Nordwesten Spaniens, ist ein echtes Kontrastprogramm zum Süden des Landes – das Klima ist rauer, der Einheimische wortkarger, der Dudelsack seit alters her das angesagte Musikinstrument. Während Tommi uns wortreich erklärt, dass die etwas zurückhaltende Mentalität der Galicier und ihre latente Melancholie auf ihre keltischen Vorfahren zurückgeht, erreichen wir Pontevedra, die Hauptstadt der Provinz. Die Altstadt wurde durch keinerlei hässliche Neubauten verschandelt, sondern prunkt mit alten Kirchen und anderen Relikten einer großen Vergangenheit von Seefahrern, die von hier aus in unbekannte Fernen aufbrachen.

Auf unserer Route begegnen wir Pilgern aus aller Welt, die – zünftig mit Bundhose angetan, den Pilgerstab in der Hand – gen Santiago streben. Nach der anstrengenden Wanderung tauchen wir in die wohltuenden Fluten des Thermalhotels Balneario de Mondariz ein, um am nächsten Morgen nach Ourense aufzubrechen. Diese Stadt wurde einst von den Römern rund um eine Thermalquelle erbaut. Das schwefelhaltige Heilwasser eignet sich speziell zur Behandlung von Krankheiten des Bewegungsapparates. An der As Burgos, deren heißer Wasserstrahl sich verschwenderisch in ein Becken ergießt, laben sich Einheimische und Pilger gleichermaßen.

Bevor wir uns auf unseren Endspurt in Richtung Santiago machen, streifen wir Allariz. Diese von einer trutzigen Mauer geschützte mittelalterliche Stadt besticht durch romanische und gotische Kirchen und ein Ensemble schöner alter Häuser. Die Gegend rund um Allariz wurde 2005 von der Unesco zum Biosphärenreservat erklärt.

Je näher wir Santiago de Compostela kommen, umso größer wird das Gewusel. Die halbe Welt scheint auf den Beinen, um zur berühmten, dem Heiligen Jakob geweihten Kathedrale zu gelangen. Die kleine Stadt im Ausnahmezustand!

In zahllosen Souvenirshops dominiert die Muschel, das Symbol des Jakobsweges. Sie prangt auf Schlüsselanhängern, Halsketten und Trinkgefäßen. Nach dem Erwerb einiger Mitbringsel geht es zur Kathedrale. Auf dem Weg dorthin fängt es plötzlich an zu donnern, Blitze zucken, und der Himmel öffnet seine Schleusen. Wir haben offenbar zu viel gesündigt. Einige Hartgesottene schießen noch ein Foto, bevor sie in der Kirche Schutz suchen. Drinnen wird gerade die Heilige Messe gelesen, während sich sintflutartige Wassermassen über die steinernen Stufen des Gotteshauses ergießen.

Infos: www.spain.info



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