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Reise und Tourismus

16. Dezember 2017 | 12:18 Uhr

New Mexico : Wintersport in der Halbwüste

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nicht nur in Colorado oder Utah: Auch in New Mexico im Südwesten der USA gibt es mehrere Skigebiete – eines wird von Indianern betrieben.

Wintersport in New Mexico? Der US-Bundesstaat ist eher für weite Halbwüsten unter einem hohen Himmel, scharfe Chilischoten und Indianerschmuck aus türkisen Steinen bekannt. „Aber bei uns fangen die Rocky Mountains an“ – sagen die Einheimischen. Und im milden Südwesten gibt es gerade genug Berge zum Skifahren.

Hier in den südlichen Ausläufern der Rockies finden sich acht alpine Skigebiete und drei Langlaufzentren. Mit dem perfekt inszenierten Skizirkus der europäischen Alpen können sie nicht mithalten. Recht klein sind die Gebiete. So suchen sich Wintersportler in New Mexico eine zentrale Bleibe und steuern die Skiorte dann als Tagesgäste an.

Taos Ski Valley liegt zu Füßen des Kachina Peak, der weiß überzuckert 3804 Meter aus einer Hochebene rot verbrannter Tafelberge aufragt. Das Skigebiet hat 15 Lifte und ist das größte im Bundesstaat. Der Deutsch-Schweizer Ernie Blake hat das Resort 1955 gegründet. Das Heimweh muss ihn ordentlich geplagt haben. Mitten in sein künstliches Skidorf setzte er einen Glockenturm mit Mittelalter-Motiven. Auch das Hotel „St. Bernard“ gibt es hier und einen „Rathskeller“.

Was mögen die indianischen Arbeiter gedacht haben, die damals beim Bau des ersten Schlepplifts mithalfen? Aus dem legendären Pueblo de Taos kamen sie, etwa 30 Kilometer die kurvige Straße hinunter. Seit mehr als 1000 Jahren ist das Indianerdorf permanent bewohnt. 1992 erklärte es die Unesco zum Weltkulturerbe.

Das moderne Städtchen Taos, im 17. Jahrhundert spanische Kolonialsiedlung und heute hübsche Künstlerkolonie mit vielen Galerien, liegt nur zehn Autominuten weiter. Vom Taos Plaza fahren Shuttlebusse die Wintersportler hoch ins Skigebiet. Taos gilt als eines der anspruchsvollsten Skigebiete in Nordamerika, eine Herausforderung an Sportlichkeit und Schwerkraft.

Angel Fire, östlich gelegen, ist nur halb so groß wie Taos. Dafür kann man hier am Wochenende bis 20.00 Uhr bei Flutlicht carven. Die Idee lag nahe. Schließlich verdankt das Resort seinen Namen den Ute-Indianern, die das orange-rosa Bergglühen als wundersames Engelsfeuer deuteten. Die Rancherfamilie LeBus startete hier 1966 den Betrieb des Resorts und baute die ersten drei Sessellifte auf den Agua Fria Mountain. Heute ist der Ganzjahres-Ferienort eine verstreute Ansammlung von Hotels, Ferienwohnungen und Wohnmobilen.

Die Anfänge von Ski Santa Fe gehen auf 1936 und den heimischen Skiclub zurück. Über die Westflanke des knapp 3700 Meter hohen Tesuque Peak verteilen sich heute die 77 Abfahrten des Skigebiets. Das Terrain ist überraschend abwechslungsreich: Schneewiesen, Buckelhänge, Felsklippen und natürliche Slalomstrecken durch eng bestandene Espenwälder. Nur ein Fünftel des Areals ist für Anfänger ausgewiesen.

Besonders im Frühjahr glitzert Ski Santa Fe wie eine Winteroase in der Wüste, umgeben von sonnenverbrannten, gelbbraunen Tälern. Im Dunst blinken die Dächer der Stadt. Wer sicher auf den Brettern fährt, sollte zum Abschluss die so treffend benannte Steilabfahrt „Parachute“ (Fallschirm) nehmen. Nur Fliegen ist schöner.

Ski Apache liegt noch weiter südlich beim 8000-Seelen-Dorf Ruidoso. Es ist eines von nur zwei Skigebieten in den USA, die einem Indianerstamm gehören. 1962 beschlossen die Mescalero-Apachen, einen Teil des Sierra Blanca Peaks für Wintersportler zu öffnen. Der Gipfel wird als Wohnort der „Mountain Gods“ verehrt. Die Berggötter seien mit dem Betrieb bestimmt einverstanden, glaubt James Peralta, genauso wie die meisten Stammesmitglieder. Die Urlauber bringen dem strukturschwachen Reservat schließlich Arbeit und Einkommen. Der Stamm hat in ein 273-Zimmer-Hotel mit Golfplatz, Pool und Kasino etwa 50 Autominuten vom Skigebiet entfernt investiert. Die Vierer- wurde durch eine neue Achter-Gondel ersetzt, die einzige Passagierseilbahn in New Mexico. Zehn weitere Lifte bedienen heute 55 überwiegend mittelschwere Waldabfahrten.

Im Juni 2012 griffen Waldbrände auf vier Lifte über, und das Skigebiet setzte seine Schneekanonen als Feuerlöscher ein. Noch immer liegen verkohlte Baumstämme entlang der Pisten. Die Talstation blieb verschont. Die Spitzdächer erinnern an Tipis. Indianische Flötenmusik vom Band spielt im Restaurant. Wer hier einen „Apache Warrior“ bestellt, bekommt einen Hamburger auf frisch frittiertem Fladenbrot.

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