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Tourismus : Winter in Island: Das hat was Elementares

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mystische Landschaften, Vulkane, Sagas – Selbstfindung einmal anders.

Astrid aus dem Rhein-Main-Gebiet hat hier ihr Glück gefunden. Vor fünf Jahren nahm sie eine Auszeit auf einem Pferdehof, inzwischen ist sie mit einem Schaffarmer verheiratet. Wie alle Isländer hat sie einen Zweitjob. Sie führt Touristen wandernd durch die entspannenden Weiten ihrer Wahlheimat, nicht ohne von Zeit zu Zeit mit ihnen in die Mythen der Sagas einzutauchen.

Die Orte, an denen die Isländer Sagas spielen, existieren wirklich. Am schwarzen Kiesstrand von Djupalonssandur, auf den pausenlos meterhohe Wellen donnern, liegen die vier „Kraftprobesteine“, mit denen die Eignung angehender Fischer getestet wurde, noch immer an ihrem Platz. Nur wer wenigstens den drittschwersten Stein heben konnte, durfte auf einem der Fischerboote anheuern, die von der nahebei gelegenen Bucht Dritvik aufs Meer hinausruderten. Zwischen den Steinen Tang und Wrackteile des englischen Trawlers „Epine“, der hier 1948 strandete. Als die Wintersonne diese archaische Szenerie unvermittelt in weichgezeichnetes Licht taucht, verstummt Astrids Gruppe, genießt andächtig Stille und Wildheit dieses Ortes.

Mit unter ihre Schuhe geschnallten Spikes sind am Morgen dieses Tages alle auf winterglatten Pfaden zur Küstenwanderung zwischen Anarstapi und Hellnar aufgebrochen. Meer und Lava haben hier bizarre Formationen erschaffen: felsige Buchten und Strände mit schwarzem Sand. Zur Linken toben die arktischen Wasser, über die Köpfe hinweg segeln Möwen, Austernfischer, Trottellummen und Eissturmvögel, suchen von Zeit zu Zeit in Lava-Felshöhlen Schutz vor dem mitunter kräftig wehenden, kalten Winterwind. Rechter Hand, zur Landseite hin, wellen sich moosbedeckte Hügel, teils von Schnee bedeckt. Auch diese Landschaft hat etwas Mystisches, es würde niemanden wundern, tauchte hier plötzlich ein Hobbit auf.

Gudmundur verfügt zwar auch über die kräftige Statur eines Wikingers, fährt aber nicht zur See, sondern hat sich in „the middle of nowhere“ niedergelassen. 2012 hat er seine „Vogur Lodge“ eröffnet, nachdem er Land und Gebäude einem Kuhfarmer abgekauft hatte. „Hier, wo sich heute Rezeption und Restaurant befinden, war früher der Heuschober, die Gästeunterkünfte befinden sich im Bereich der ehemaligen Ställe“, erklärt er. Obwohl einsam am Breidafjord gelegen, ist seine Lodge ein guter Ausgangspunkt für Touren in der unmittelbaren Umgebung und auf der Halbinsel Snaefelsness. Und die ist Island im Kleinformat zum Kennenlernen. Mit dem Vulkan Snaefellsjokull samt Gletscher, in dessen Schlund sich laut Jule Verne der Mittelpunkt der Erde befindet, Lavafeldern, Fischerdörfern Steilküsten und Vogelschwärmen. „Jetzt im Winter, scheuen sich die allermeisten Touristen, mit einem Mietwagen über vereiste Straßen zu fahren, deshalb führe ich mit meinem Allrad-Kleinbus selbst Ausflüge durch“. Gesagt, getan: Er bringt seine Gäste an einem Morgen zu einem Aussichtspunkt und lässt sie unter Astrids Führung zur Lodge zurückwandern. Bevor die loswandern, genießen sie aber erstmal traumhafte Lichtspiele der Morgensonne mit Eisschollen und türkisblauem Meer. Fährt sie zu Lava-Wasserfällen oder lässt sie Spikes-bewehrt den schneeüberzogenen Krater eines Vulkans erklimmen. Und bei der Rückkehr zur Lodge wartet der „hot pot“, wie sie auf Island Jacuzzis nennen: Man steigt aus windiger Kälte bis zum Hals in gemütlich warmes, brodelndes Wasser und oben drüber schneit es – das hat was Elementares.

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