Iran : Wie aus Tausendundeiner Nacht

Unesco-Weltkulturerbe: Das prächtige Portal der Freitagsmoschee in Isfahan. Fotos: Katz
1 von 3
Unesco-Weltkulturerbe: Das prächtige Portal der Freitagsmoschee in Isfahan. Fotos: Katz

Orientalische Paläste, beeindruckende Moscheen, fruchtbare Stadtgärten und moderne Menschen – der Iran überrascht.

von
24. Februar 2018, 16:00 Uhr

Shahla schlägt ihr Buch auf und liest daraus die ersten Zeilen eines Liebesgedichts vor. Dann reicht die Iranerin das Werk an ihre Freundin weiter, die die nächsten Zeilen rezitiert. Zu fünft hocken die jungen Frauen vor dem marmornen Grabmahl des persischen Poeten Hafez. „Sein Mausoleum ist für uns eine Art Pilgerort. Wir verehren diesen Mann, mit dessen Gedichten sich schon Goethe beschäftigt hat“, sagt die 34-Jährige stolz. Schwarzgewandete Frauen mit bunten Kopftüchern eilen derweil herbei und streichen über die Grabplatte unter der himmelblau beleuchteten Kuppel mit den goldfarbenen Säulen und verschwinden wieder. Auf den Stufen ringsherum sitzen Männer in Jeans und machen Selfies mit ihren Smartphones. Andere knien auf Teppichen zwischen Pinien, Zypressen und Bougainvillea im Garten der Gedenkstätte und beten.

Das Hafez-Mausoleum ist eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten in der iranischen Millionenstadt Shiraz. Die ehemalige persische Hauptstadt am Rande des Zagros-Gebirges ist bei Einheimischen und Touristen gleichermaßen beliebt. Gewölbeartige Gassen führen hier durch den Bazar-e Vakil. Deren Wände schmücken handgewebte Teppiche, Goldketten hängen neben hölzernen Schachspielen. In Ladennischen nähen Schuster an traditionellen Pantoffeln. Aus den Backstuben duftet es nach frischem Brot. Man trifft sich zu Tee und Gushe Fiel, einer Süßigkeit aus Rosenwasser, in Cafés, die Höhlen gleichen.

Draußen um den Boulevard Karim Khan Zand sprießen Hotels neben dem komplett verspiegelten Mausoleum von Schah Tscheragh aus dem Boden. Für Entspannung sorgen zahlreiche Stadtgärten, in denen Orangen, Äpfel und Granatäpfel wachsen – mittelalterliche Wasserkanäle machen es möglich.

Schon der Achämenidenkönig Darius I, dessen persisches Großreich vor mehr als 2000 Jahren von der Türkei bis nach Pakistan reichte, wählte diese Gegend für seine imposante Palastanlage. Noch heute zeugt Persepolis, die „Stadt der Perser“, vom Prunk vergangener Tage, auch wenn aus dem früheren Waldgebiet längst Wüstenboden wurde. Auf 13 Hektar erstrecken sich die Reste von mit Steinreliefs verzierten Schatzkammern, Dutzenden atemberaubender Säulen auf gigantischen Terrassen und hundert schnurgerade ausgerichteten Sockeln des einstigen Thronsaals – ein Unesco Weltkulturerbe.

In der fast ebenso alten Lehmstadt Yazd geht es auch heute noch traditionell zu. Zwischen Steppe und Tamarisken verhüllen sich die Frauen mit dem Tschador, dem schwarzen Ganzkörperschleier. „Zu Hause sind wir freier. Nur wenn sich männlicher Besuch ankündigt, müssen wir ein Kopftuch tragen“, erklärt die 40-jährige Nei vor ihrem Hauseingang in der Altstadt. Der Einfachheit halber hängen an der schweren Holztür gleich zwei Türklopfer: ein ringförmiger für Frauen und einer in Form eines Quaders, der den Männern vorbehalten bleibt. Aus dem Dächergewirr lugt einer der typischen Windtürme zur Hausbelüftung. Gegenüber erhebt sich das gewaltige Portal der Freitagsmoschee. Wie aus Tausendundeiner Nacht reckt sich das Doppelminarett gen Himmel. Der Prachtbau aus dem 14. Jahrhundert ist das Wahrzeichen der Stadt und Zierde des 200-Rial Geldscheins.

Am Stadtrand hingegen zieren die Türme des Schweigens wie kleine Stierkampfarenen die Felslandschaft. Vor fünf Jahren war hier noch Wüste, seitdem ist Yazd stark gewachsen. Dennoch ist es still auf dem riesigen Staubfeld um die Begräbnisstätten. Mystik liegt in der Luft. Man kann sich gut vorstellen, wie es gewesen sein muss, als die alt-persische Glaubensgemeinschaft der Zarathustrier ihre Toten den Geiern freigab. Bis vor 60 Jahren war das so. „Seitdem liegen die Überreste in Betonsarkophagen, die Greifvögel verschwanden, aber die geheimnisvolle Stimmung blieb“, schwärmt Mostafa. Der 50-jährige Kachelmaler aus Isfahan kommt einmal im Jahr mit seiner Frau hierher.

Isfahan, die Künstler- und Universitätsstadt am Zayandeh Fluss, ist berühmt für handgedruckte Tischdecken, weißen Nougat mit Pistazien und die Kachelmalerei. Bis zu vier Tage sitzen die Kunsthandwerker in den Basaren über einem Stück aus gepresstem Kamelknochenpulver und zeichnen darauf Miniaturbilder persischer Dichter und der Königsfrau Scheherazade.

Gleich daneben auf dem Imam-Platz bringen Kunststudentinnen die schöne Kuppel der Sheik Lotfollah-Moschee zu Papier. Pferdekutschen fahren an den Arkaden entlang, die die autofreie Piazza einrahmen. Familien picknicken zwischen akkurat getrimmten Zypressen im grünen Gras, aus einem gewaltigen Wasserbecken sprühen Fontänen in die Luft. Der Imam-Platz ist einer der größten der Welt und ein Kunstwerk für sich, überragt von der gleichnamigen Moschee. Als die Baumeister die Mauern im 17. Jahrhundert mit Mosaiken besetzten, stellten sie bald fest, dass sie an einer Lebensaufgabe arbeiten würden und gingen zu Kacheln über. Der Imam-Moschee hat es nicht geschadet. Nach 20 Jahren Bauzeit gilt vor allem ihr Inneres mit als das Schönste, was der Iran zu bieten hat. Kein Wunder, dass sogar die jungen, modernen Iraner stolz auf das kulturelle Vermächtnis ihres Landes sind.

grafik_svz_iran_2-2018_yal
 

Anreise

Zum Beispiel mit Turkish Airlines von Hamburg über Istanbul nach Isfahan (ab 437 Euro, www.turkishairlines.com). Oder mit KLM über Amsterdam nach Teheran (ab 297 Euro, www.klm.com) und weiter per Zug oder Inlandsflieger nach Shiraz. Für Frauen gilt Kopftuchgebot, sobald sie aus dem Flugzeug steigen.
Das Visum wird von der iranischen Botschaft (http://e_visa.mfa.ir/en) ausgestellt. Ein mindestens sechs Monate gültiger Reisepass ohne israelischen Sichtvermerk und der Nachweis einer Auslandskrankenversicherung sind vorzulegen.

Gebeco (Tel. 0431-5446734, www.gebeco.de) hat eine 8-tägige Erlebnisreise ab 1595 Euro inkl. Flug im Programm. Ziele sind Shiraz, Yazd, Isfahan und Teheran mit Besuch von Persepolis. Studiosus bietet eine 10-tägige Studienreise an (ab 2395 Euro, Tel. 00800-24022402, www.tudiosus.com). Bei Tischler Reisen (Tel. 08821-93170, www.tischler-reisen.de) gibt es eine 7-tägige englischsprachige Privattour ab 2322 Euro/Pers. bei 2 Personen. Der Fernflug geht extra.
In Shiraz hat das Niayesh Boutique Hotel gemütliche Zimmer um einen stimmungsvollen Palastpatio (Doppelzimmer ab 41 Euro, www.niayeshhotels.com). Das Abbasi Hotel in Isfahan bietet schöne Plüschzimmer in einer ehemaligen Karawanserei (Doppelzimmer ab 100 Euro, www.abbasihotel.ir). Im Hotel Espinas Persian Gulf gibt es moderne Zimmer in schicker Atmosphäre und einen tollen Blick auf Teheran (ab 242 Euro, www.espinashotels.com).
Iranisches Generalkonsulat, http://de.hamburg.mfa.ir
 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen