Malaysia in drei Tagen : Weltoffen in die Zukunft

Trishaw-Fahrer Beng in Georgetown auf Penang: Kernige Stadtführer-Typen dirigieren souverän ihre Fahrradrikschas an hupenden Mopeds und nervösen Autofahrern vorbei.  Fotos: Wolfgang Timpe (7)
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Trishaw-Fahrer Beng in Georgetown auf Penang: Kernige Stadtführer-Typen dirigieren souverän ihre Fahrradrikschas an hupenden Mopeds und nervösen Autofahrern vorbei. Fotos: Wolfgang Timpe (7)

Malaysia auf einer Drei-Tage-Reise entdecken und auf der Insel Penang relaxten Lifestyle und Unesco-Kulturerbe erleben

svz.de von
10. November 2018, 16:00 Uhr

Immer wieder versuchen sich die Klingeln der Fahrradrikschas, der Trishaws, hilflos gegen dynamische Moped-Düser und flinke Pkw-Flitzer durchzusetzen. Und während die kernigen Stadtführer-Typen kräftig in die Pedale treten, ziehen in der tropisch warmen Dämmerung unzählige Streetfood-Imbisse und gut besuchte Restaurants am Trishaw-Fahrgast vorüber. Und die belebten buddhistischen Tempel mit ihren Kerzenlichter-Meeren und Hunderten von Wunschzetteln an den Altaren gehören zur Vielfalt der Glaubensrichtungen und der Sehnsucht der Malaiien nach einem erfüllten Leben.

Malaysia, die südostasiatische Halbinsel mit ihren 31 Millionen Einwohnern, ist auf dem Sprung zum Schwellenland und zieht seine steigende Wirtschaftskraft unter anderem zu knapp einem Viertel aus dem Tourismus. Und neben den bekannten Sandbuchten mit Luxus-Resorts und Regenwald-Küsten im Westen auf der Insel Langkawi sowie der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur und seinen berühmten 452 Meter hohen Zwillingstürmen, den Petronas Towers, gibt es noch viel zu entdecken. Wie heißt es selbstbewusst und werblich: „Malaysia – Truly Asia“. Da hilft es, dass Malaysia offizielles Partnerland der weltgrößten Tourismusmesse ITB Berlin im März 2019 ist.

In der Szenebar Pekok feiert sich die Jugend

In Georgetown, der 740 000-Einwohner-Metropole und dem Kulturzentrum der Insel Penang im Nordwesten Malaysias, breitet sich am Ende der Rikscha-Taxitour die Nacht aus und in der neu eröffneten Outdoor-Szenebar „Pekok“ swingt bei jazziger Pop-Livemusik das Lifestyle-Leben der jungen Business-Generation. Tagsüber prägen zahlreiche buddhistische, taoistische oder hinduistische Gebetshäuser und Moscheen sowie historische koloniale Stadthäuser den Quartierrundgang. Und einzelne, aufwändig restaurierte Unesco-Kulturerbe-Schätze wie die weitläufige Khoo-Kongsi-Anlage eines frühen chinesischen Einwanderer-Clans mit Tempel und Versammlungsräumen und verschwenderisch prächtiger Architektur setzen ebenso Ausrufezeichen wie die immer wieder ins Auge fallenden Wandmalereien – mal lustig für Selfie-Fotos, mal mit lokalpolitisch brisanten Themen wie preiswertem Wohnraum oder gegen machtvolle Netzwerke.

Ein grünes Kontrastprogramm bietet ein Ausflug auf den 833 Meter hohen Bukit Bendera, den Penang Hill, samt gläserner Standseil-Bergbahn und einem 30 Hektar großen tropischen Regenwald: The Habitat Penang Hill. Mit seiner einzigartigen Flora und Fauna sowie Echsen-, Spinnen- und Affen-Tierwelt, die sich munter durch die Tropenbäume hangeln. Und vom 200 Meter langen Canopy-Sky-Walk in luftigen 30 Metern Höhe hat man einen weiten Rundblick über die Insel Penang und kann an klaren Tagen sogar bis zur fernen Nachbarinsel Langkawi blicken.

Ein Malaiie ist meistens gut gelaunt

Die Buchstaben strahlen weiß auf blauem Grund des Poloshirts: „Conserve, Educate, Inspire“, Bewahren, Bilden, Inspirieren. Muhammad Nazirul, 24-jähriger Arabisch-Sprachwissenschaftler, verdient zurzeit seinen Lebensunterhalt als „Naturalist“, als weitergebildeter Naturforscher mit Touren durch das Unesco-geschützte Urwaldreservat. Nazirul glaubt zutiefst an das Habitat-Motto. Er ist ein grüner Vertreter der jungen Generation von Malaiien aus Georgetown, die das Leben bewusst positiv gestalten möchte und Bildung für die beste Voraussetzung für ein friedliches Zusammenleben hält: „Ich liebe die Natur und wir müssen uns immer wieder neu verbessern und weiter lernen. Ich bin optimistisch und glaube an eine gute Zukunft.“ Seine dunkel leuchtenden Augen erzählen vom Ernst und seinem Tatendrang, den das malaysische Naturell sonst gerne etwas versteckt.

Die lebendigen Eindrücke prägen eine kompakte Drei-Tage-Reise von der Insel Penang über die Outdoor-Kunstszene der Regionalstadt Ipoh, den hinduistischen Affen-Tempel-Kult „Batu Caves“ sowie Malaysias Metropole Kuala Lumpur und der südwestlichen, holländisch geprägten Küstenstadt Malakka.

Tourführer Alan Wong, der uns in Malakka durch die in vielen malaysischen Städten befindende „Harmony Street“ mit ihrem Nebeneinander von buddhistischen, hinduistischen und taoistischen Tempeln und Moscheen führt, ist ein moderner Malaiie. Meistens gut gelaunt, ein Späßchen auf den Lippen („unser Reis ist bunt, damit die Kinder Lust aufs Essen haben“) und klar in seinem Selbstverständnis. „Ich bete, bin muslimisch und weltoffen erzogen, und glaube an Buddha“, sagt Alan mit Nachdruck. „Ich komme aus Malaysia und bin Chinese“, bringt er seine malaysische Einwanderer- und Kulturidentität auf den Punkt. Seine chinesische Familie lebt in dritter Generation in Malakka.

Alan wirkt wie das freundliche Antlitz einer offenen muslimischen, buddhistischen Lebenspraxis in Malaysia – eine friedfertige Vision. „Terima kasih dan jumpa lagi“, lächelt Alan. „Vielen Dank und wir sehen uns wieder.“ Aber gerne doch.

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