Mexiko : Welt der Wunder

Was für ein Ausblick: Teotihuacán im zentralen Hochland von Mexiko ist eine der bedeutendsten prähistorischen Ruinenstädte Amerikas und berühmt für ihre riesigen Stufentempel.  Foto: Eichler
1 von 2
Was für ein Ausblick: Teotihuacán im zentralen Hochland von Mexiko ist eine der bedeutendsten prähistorischen Ruinenstädte Amerikas und berühmt für ihre riesigen Stufentempel. Foto: Eichler

Der lateinamerikanische Staat Mexiko besticht mit überwältigenden Zeugnissen indianischer Hochkulturen

von
15. Dezember 2018, 16:00 Uhr

Chichén Itzás | Wenn die Nacht kommt in Chichén Itzá, wird Geschichte lebendig. Ein mystisches Soundgewebe wabert dann über den Zeremonialplatz der berühmtesten aller Maya-Städte und versetzt den Besucher zunächst akustisch in eine ferne, längst vergangene Zeit. Plötzlich schält sich El Castillo, die von den Spaniern „Das Schloss“ getaufte große Pyramide, aus dem Dunkel und wechselt Licht wie Farben im Rhythmus pulsierender Trommeln. Laserstrahlen malen einen Reigen martialischer Figuren an den Himmel über Yucatán – Könige, Krieger, Priester, Athleten. Adler und Jaguare, gefiederte Schlangen und gruselige Masken, rüsselnasige Götter und martialische Opferfiguren – das fremdartige Universum zieht jeden in seinen magischen Bann.

Willkommen in der Welt der Maya. Eine indianische Hochkultur, die mehr als 2000 Jahre im Fokus mittelamerikanischer Geschichte stand. Die das mathematische Konzept der Null erfand und einen Kalender berechnete, der fast auf die Sekunde so exakt war wie unser heutiger. Die Sonnen- und Mondfinsternisse präzise voraussagen konnte und in Kunst wie Architektur ein hohes Maß an Vollkommenheit erreichte. Ihre Blütezeit erlebten die Maya in der sogenannten Klassischen Periode, die zwischen 300 und 900 nach Christus ihren glanzvollen Höhepunkt erlebte.

Ihre Hinterlassenschaften gehören heute zu den größten kulturhistorischen Schätzen Mittelamerikas. Bei Namen wie Tikal in Guatemala, Copán in Honduras und Palenque, Uxmal oder eben Chichén Itzá in Mexiko kommen nicht nur Forscher ins Schwärmen – diese und andere geheimnisvolle Maya-Städte erzählen Geschichte fast so plastisch-naturalistisch wie Mel Gibson in seinem blutigen Historiendrama „Apocalypto“.

Von der Genialität der Maya zeugen Bauwerke wie Chichén Itzás monumentale Pyramide, die dem Hauptgott Kukulcán geweiht war. Kein Grabmal wie die ägyptischen Pyramiden, sondern ein steinerner Sternenkalender, der die indianische Kosmologie abbildet. Die neun Terrassen zum Beispiel entsprechen der Anzahl der Himmel in der Maya-Mythologie, die vier Seiten den Himmelsrichtungen. Jede Treppe hat akurat 91 Stufen, mal vier macht 364. Plus eine zum Tempel, und das Jahr ist komplett.

Genauso wenig zufällig: Jedes Jahr zur Tag- und Nachtgleiche im März und September formen Licht und Schatten den gezackten Körper einer Riesenschlange, die vom Himmel auf die Erde kommt – ein hinreißender Effekt, der den Abstieg des Gottes Kukulcán als „Gefiederte Schlange“ symbolisiert. Und wenn man zwischen Pyramide und dem ebenso berühmten Tempel der Krieger an einem bestimmten Punkt in die Hände klatscht, klingt das Echo wie der Schrei eines Adlers. Noch Fragen?

Ein weiterer Maya-Klassiker in Mexiko ist Palenque. Was dort im schwül-heißen Dschungel unter Urwaldriesen einst entstand, dann in fast tausendjährigem Dornröschenschlaf komplett überwucherte, kurz vor 1800 wiederentdeckt, seit 1940 systematisch erforscht und bis heute zu gerade mal zehn Prozent wieder freigelegt wurde, strahlt eine Faszination aus, der sich kaum jemand entziehen kann.

Palenque – das ist nicht mehr und nicht weniger als das größte Zeremonialzentrum der Maya in Mexiko. Die Anlage entstand ab 642 nach Christus unter Herrschaft des Priesterkönigs Pakal, der unfassbare 68 Jahre regierte und 683 starb. Sein Grab mit Sarkophag und prächtigen Beigaben wurde 1952 im Tempel der Inschriften entdeckt, einer Stufenpyramide mit 620 Hieroglyphen, die sich auf acht Plattformen bis auf imposante 21 Meter in die Höhe streckt.

Das zweite Wunderbauwerk ist Pakals Palast – eine prachtvolle Residenz mit Innenhöfen, Säulengängen, Passagen, Tunneln, Treppen, Terrassen und überragt von einem vierstöckigen, quadratischen Turm – so etwas gibt es nirgendwo sonst in der Maya-Architektur. Aber nicht nur die Baumeister, auch die Künstler von Palenque hatten allerhand zu tun, denn die gesamte Metropole war seinerzeit über und über mit Stuck verziert und in lebhaften Farben bemalt – vor dem Hintergrund des dunkelgrünen Regenwaldes muss das ein noch aufregenderer Anblick gewesen sein als Palenques majestätische Ruinen für die Besucher von heute.

Doch nicht nur in den heißen Busch-Dschungeln von Yucatán und Chiapas, auch in anderen Teilen Mexikos gab es indianische Hochkulturen, die überaus imposante Spuren hinterließen. Die Olmeken etwa, vor deren 30 Tonnen schweren, aus Basalt gemeißelten Kolossalköpfen wir uns staunend verneigen – gewissermaßen die „Initialkultur“ für alle nachfolgenden Zivilisationen. Nicht minder großartig ist das Reich von Teotihuacan mit gigantischer Sonnen- und Mondpyramide. In Mitla fasziniert die Totenstadt der Mixteken mit irren geometrischen Ornamenten, auf dem Monte Alban die reiche Kultur der Zapoteken, deren berühmtester Sohn Benito Juárez Mitte des 19. Jahrhunderts als bisher einziger Indio Präsident wurde und als mexikanischer Abraham Lincoln höchste Wertschätzung genießt.

Und damit ist noch lange nicht Schluss. Da gibt es die stolzen Tarasken, denen es zweimal gelang, die Azteken zu schlagen. Die Totonaken, das „Volk der lächelnden Gesichter“, das die Nischenpyramide von El Tajín schuf. Die Chichimeken, aus denen später die als erstklassige Handwerker und Krieger geltenden Tolteken hervorgingen.

Und nicht zuletzt die Azteken mit ihrem berühmten letzten König Moctezuma II., dessen gewaltiges Reich 1521 von einer Handvoll Söldner unter Hernán Cortez erobert und dem Erdboden gleichgemacht wurde. Auf den Trümmern der glanzvollen Azteken-Hauptstadt Tenochtitlan erbauten die Spanier dann Mexiko-Stadt. Und im dortigen Anthropologischen Nationalmuseum begeistert eine präkolumbianische Sammlung von Weltrang, die zu allem Genannten viel zu erzählen und noch mehr zu zeigen hat.

Info: Mexiko

Anreise Zum Beispiel mit Lufthansa nach Mexiko-City (ab 550 Euro) und weiter mit Aeromexico nach Oaxaca oder Tuxla Gutierrez (Chiapas).

Währung Landeswährung ist der Peso (MXN), für einen Euro erhält man aktuell 22,5 MXN. Geld kann in Banken und Hotels getauscht oder mit Kreditkarte an Bankautomaten abgehoben werden.

Sprache Landessprache ist Spanisch. In Hotels, Restaurants und touristischen Einrichtungen wird in der Regel auch Englisch gesprochen.

Beste Reisezeit In Mexiko sind vor allem die trockeneren Monate von Oktober bis Mai beliebt für den Urlaub.

Gesundheit Für die Einreise sind keine Impfungen vorgeschrieben, dennoch ist es sinnvoll, gegen Tetanus, Diphtherie sowie Hepatitis A und B geimpft zu sein. Für Reisen in der Regenzeit sowie in den tropischen Regenwald ist auch eine Typhus- und Malariaprophylaxe ratsam. Eine umfassende Reiseapotheke gehört auf jeden Fall ins Gepäck.

Reiseführer Reise-Handbuch „Mexiko“ von Dumont (24,99 Euro).

Pauschalreisen Eine 13-Tage-Privatreise „Magisches Mexiko privat“ gibt es bei Gebeco ab 2.095 Euro (ohne Anreise).

Infos www.visitmexico.com/de

www.gebeco.de

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen