zur Navigation springen
Reise und Tourismus

11. Dezember 2017 | 14:21 Uhr

Niederösterreich : Wein, Wandern, Wachau

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Auf dem 180 Kilometer langen Welterbesteig Wachau in Niederösterreich wandern Urlauber auf den Spuren des Weins.

svz.de von
erstellt am 26.Sep.2014 | 20:55 Uhr

Der Heurigen-Strohkranz hängt über dem Eingangsportal eines Weinguts in Krems an der Donau. „Ausg’steckt is“ − man lädt zum Heurigen. Einige Wochen im Jahr bewirten Winzer Gäste mit eigenem Wein und kalten Speisen. Krems gilt als Tor zur Wachau. Rund 35 Kilometer misst das malerische Donautal. An den Ufern schmiegen sich Terrassen voller Weinstöcke.

Mit Trockenmauern ohne Mörtel haben die Weinbauern in der Vergangenheit mühselig die Anbaufläche erweitert. „Heute gibt es kaum noch Handwerker, die solche Mauern bauen können“, sagt Herbert Renner. Er führt Touristen auf dem Welterbesteig Wachau durch die Weinberge – als sogenannter Wachau-Hiata. „Das kommt von ‚Weingarten-Hüter‘“, weiß Renner. „Der hatte einst die kostbaren Trauben zu bewachen.“ Der Welterbesteig wurde 2010 eröffnet und misst insgesamt 180 Kilometer. Geplant ist, ihn mit dem Donausteig zu verbinden. „Langfristig wünschen wir uns einen geschlossenen Europäischen Donau-Wanderweg, wie es ihn als Radweg schon gibt“, sagt Ronald Würflinger, verantwortlich für das Konzept des Wanderweges. Am Rande der Strecke sitzen einige Hobbymaler mit ihren Aquarellkästen und schauen konzentriert auf die andere Seite des Flusses. Eingebettet in eine hügelige Landschaft liegt dort Stift Göttweig. Wer das stattliche Benediktinerkloster besucht, schreitet unter einem 300 Quadratmeter großen Deckenfresko über die Kaiserstiege, eine monumentale Barocktreppe. „Die Legende, dass Napoleon 1809 sie mit dem Pferd hinaufgeritten sein soll, stimmt wohl nicht“, meint Christian Grammel, der einige der insgesamt 451 Räume des barocken Baus zeigt.

Für ein Kloster überraschend prunkvoll sind die Fürsten- und Kaiserzimmer, wo einst Adlige und Äbte logierten. Viel lebensnaher wirkt da das ausgestellte Schreibheft von Maria Theresia von 1725. Als Mädchen übte sie darin, mit der Feder Buchstaben zu schreiben. Als spätere Kaiserin hat sie das Stift nur einmal besucht. „Das Volk musste dann den Berg heraufgekarrt werden, um ihr zu huldigen, als sie vom Kaiserbalkon winkte“, erzählt Grammel.

Der Wein- und Wanderführer Herbert Renner ist inzwischen mit seiner Gruppe eingekehrt. „Eine Verkostung des Grünes Veltliners, des typischen Weines der Wachau, gehört zu einer Wanderung einfach dazu.“ Auf der Strecke des Welterbesteiges gibt es zahlreiche Weingüter zur Auswahl. „Weinanbau in der Wachau ist erstmals im Jahre 1002 urkundlich erwähnt“, sagt Renner. „Doch wir wissen, dass schon die Römer bei uns den Anbau förderten.“ Der Weitwanderweg führt mitten durch Ortschaften. In Dürnstein flanieren Touristen in der lauschigen Altstadt an mittelalterlichen Häusern vorbei. Die kleine Stadt mit heute 920 Einwohnern errang durch Richard Löwenherz Bekanntheit. Der legendäre englische König wurde im 12. Jahrhundert auf der Burg Dürnstein gefangen gehalten.

Ihre Ruine können Gäste besichtigen.Ein Stück weiter auf dem Wanderweg gelangt man zur Domäne Wachau. Die Genossenschaft ist ein Zusammenschluss von 250 Winzern, deren Wein weltweit verkauft wird. Bei der Weinverkostung im barocken Kellerschlössel lernen die Gäste mit Ausblick auf die Weinstöcke die drei Wachauer Weinkategorien kennen: Steinfeder, Federspiel und Smaragd. Direkt vor der Tür fährt die Wachaubahn entlang. Der alte Zug zuckelt von Krems bis Emmersdorf langsam durch die Landschaft. Vom Waggon aus fällt der Blick auf die andere Flussseite bei Rossatz-Arnsdorf. An einem Seitenarm der Donau führen dort Wanderwege durch eine weitgehend naturbelassene Auenlandschaft. „Dieser besondere Gewässerlebensraum ist ein Schutzgebiet mit großer Artenvielfalt“, sagt Hannes Seehofer. Der Biologe leitet Naturschutzprojekte in der Wachau. „Nicht umsonst hat die Unesco im Jahr 2000 die Wachau in die Liste des Weltkultur- und Weltnatur-Erbes aufgenommen.“

Die Zugfahrt geht weiter, über die Weinberge, vorbei am Tausendeimerberg, dessen Trauben bei guter Ernte tausend Eimer füllen sollen. Die Fotoapparate klicken beim Anblick des sich sanft windenden Donautals. Auf dem Fluss schippern Linien- und Kreuzfahrtschiffe Urlauber zum Stift Melk, das das westliche Ende der Wachau markiert. Von weitem sichtbar thront der barocke Bau über der Donau. Fast eine halbe Million Besucher im Jahr drängeln sich durch die Prachträume des Benediktinerklosters. Sie spazieren auf dem 196 Meter langen Kaisergang, vorbei an den Bildern der österreichischen Herrscher und staunen über die mehr als 100 000 Jahrhunderte alten Bücher und Handschriften in der Klosterbibliothek.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen