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Reise und Tourismus

24. November 2017 | 12:22 Uhr

Ibiza : Vom Jammer, eine Insel zu besitzen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wer denkt da nicht an Yachten und Strandvillen? Doch für die Inselbesitzer in Spanien sieht die Wirklichkeit anders aus

svz.de von
erstellt am 24.Sep.2016 | 12:00 Uhr

Víctor Jordán spricht wenig euphorisch über seine eigene Insel. „Schlussendlich ist es wie jedes andere bäuerliche Grundstück, nur, dass Wasser drum rum ist“, sagt er. Alegranza liegt im Chinijo-Archipel, einem Naturschutzgebiet in den Kanarischen Inseln. Einige Dutzend Familien besitzen Inseln in Spanien. Die meisten Eigentümer sind aber keine Multimillionäre oder Filmstars – viele haben die Inseln von ihren Vorfahren geerbt. Der Traum von der eigenen Insel hat in Spanien einen Haken: Viele der Eilande liegen in Naturschutzgebieten, und ihre Besitzer können sie weder wirtschaftlich nutzen noch frei über sie verfügen.

Außer einem kleinen Stück öffentlichem Land mit einem Leuchtturm gehört das zehn Quadratkilometer große Alegranza der Familie Jordán. Etwa 45 Bootsminuten vom nächsten Hafen entfernt ist sie seit den 1940er Jahren im Familienbesitz. Sein Großvater Manuel und seine Brüder hätten die Insel erworben, erzählt Jordán. Deren Vater war dort Leuchtturmwärter gewesen, und sie hatten ihre Kindheit dort verbracht.

Nur ein etwa 340 Quadratmeter großes Haus steht auf Alegranza, dazu einige alte Gebäude, die von Bauern genutzt wurden, als dies noch erlaubt war. Die Insel sei zu einem Zankapfel in der Familie geworden, sagt Jordán. Einige wollten sie loswerden – sie solle in öffentliches Eigentum übergehen. Die Regionalregierung der Kanaren könnte sie erwerben oder die Besitzer enteignen. „Es wäre ein Weg, um die Insel zu erhalten“, sagt er. „Im Endeffekt ist es mehr Belastung als Vergnügen.“

Um Alegranza ganzjährig bewohnbar zu machen, bräuchte es eine bessere Infrastruktur, aber dafür müsste die Insel auch finanziell etwas abwerfen. „Das geht aber nicht, denn alles ist verboten“, beschwert sich Jordán. So habe es etwa fünf Jahre gedauert, um die nötigen Genehmigungen für Reparaturen am Haus zu erhalten. Außerdem gebe es keine Möglichkeit zu verhindern, dass Menschen die Insel illegal betreten und wildern, fügt er hinzu.

Auch auf den Balearen haben Inselbesitzer nicht nur Freude. Der Besitzer von Espalmador, der spanische Architekt Norman Cinnamond, will das unter Naturschutz stehende Inselchen Berichten zufolge an die Regionalregierung verkaufen. Tagomago hingegen, weniger als einen Kilometer östlich von Ibiza gelegen, wird vom Hamburger Immobilienunternehmer Matthias Kühn als Luxus-Urlaubsdomizil angeboten.

Die mythenumwobene Insel Es Vedrá vor Ibiza gehört ebenfalls Privatleuten, genannt „Vedraners“: Eine Gruppe von etwa 20 bis 25 Einheimischen, die sie geerbt haben. Pep Ferrer ist der Sohn eines der Insel-Erben. „Es ist schon komisch, eine Insel zu besitzen“, meint er. Sein Urgroßvater habe den Anteil gekauft. Es sei etwas Besonderes, aber angeben wolle er damit nicht.

Anfang dieses Jahres gab es Streit zwischen der Regionalregierung und den Besitzern. Die Behörden hatten beschlossen, die auf der Insel ausgewilderten Ziegen zum Schutz anderer Arten zu töten. Die Inselbesitzer und Tierschützer protestierten, ohne Erfolg. Vermutlich hätten nur drei Ziegen überlebt, schrieb die Zeitung „El Mundo“.

Die Eigentümer hatten die Tradition, zweimal im Jahr einige Ziegen zu fangen und dann zu Hause zu essen, wie Ferrer erzählt. Seit Jahrhunderten sei die Insel zur Tierhaltung genutzt worden. „Als es hier noch keinen Tourismus gab, waren die Tiere ein wichtiges Gut zum Überleben.“ Heute könne keiner der Besitzer mit seinem Anteil viel anfangen – sei es wegen der Gesetze oder der bergigen Landschaft. „Es ist etwas, das von Generation zu Generation weitergegeben wird. Es ist romantisch, ein Stück von Es Vedrá zu besitzen.“ Trotzdem wünschten viele der „Vedraners“, die Insel an die Regierung zu verkaufen, sagt Ferrer. Zu groß sind die Einschränkungen. Sie befürchten allerdings, dass es seitens der Behörden nur wenig Interesse gibt.

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