Santa Maria da Feira in Portugal : Unter Rittern und Burgfräuleins

Ritterspiele im Kastell von Santa Maria da Feira.
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Ritterspiele im Kastell von Santa Maria da Feira.

Mit Pomp und Gloria: Mittelalter-Spektakel in Nordportugal.

svz.de von
04. Juli 2015, 16:00 Uhr

Überall in Santa Maria da Feira wird gebastelt, genäht und gewerkelt. Vom 29. Juli bis zum 9. August verwandelt sich das beschauliche Örtchen in eine Mittelalterstadt voller Edelmänner, Mätressen und Schabernack treibender Gaukler. Portugals größtes Mittelalterfest zieht Zehntausende Besucher an, bei deutschen Urlaubern ist es kaum bekannt. Gut, dass es neuerdings eine bequeme Direktverbindung von Hamburg ins nahe gelegene Porto gibt.

Aus den uralten Gemäuern des Kastells dringen die Stimmen aufgeputzter Burgfräuleins, unten auf dem Turnierplatz lassen Ritter in schweren Rüstungen die Schwerter klirren. Rund um den Mittelaltermarkt zeigen Jongleure und Feuerschlucker ihr Können, durch die engen Gassen ziehen gefesselte Mohren, verhüllte Haremsdamen und Lanzenträger am staunenden Publikum vorbei. Bevor all die Knappen und Hofnarren in Santa Maria da Feira zur Höchstform auflaufen, haben die bestens ausgestatteten Kostümverleihe des 12  000-Seelen-Städtchens alle Hände voll zu tun. Ob Tänzerin, Dirne oder Henkersknecht, während des zwölftägigen Mittelalterfestes Viagem Mediaval übernehmen viele eine tragende Rolle in dem Historienspektakel, auf das alle Einwohner stolz sind.

„Vorigen Sommer war ich ein kirchlicher Würdenträger und dieses Jahr gehe ich als Knochenhauer“, sagt João Sousa, der im echten Leben eine Kaffeebar betreibt. Wochenlang bereiten sich die Bewohner von Santa Maria da Feira auf das riesige Volksfest vor, schmücken ihre Häuser mit mittelalterlichen Wappen, João und seine Kollegen stellen vor ihren Lokalen Strohballen zum Sitzen auf. Aber nicht nur zugucken, auch mitmachen sollen die Festivalgäste: Bevor sie es sich bei Spanferkel, Honigwein oder Saft gut gehen lassen, können Besucher auf dem 33 Hektar großen Festivalgelände ihre Fertigkeiten im Bogenschießen und Papierschöpfen testen. Hier lustwandelnde Edeldamen mit ihren Kavalieren, dort Hexen am Pranger und ein Stück weiter, gleich hinter den kämpfenden Reitersleuten, Falkner bei der Arbeit – Anfang August haben mächtige Tempelritter und Männer im Wams das Sagen in dem denkmalgeschützten Städtchen.

Jäh ins Jahr 2015 versetzt werden Reisende, wenn sie die von lauter modern gekleideten Menschen besiedelte Hafenstadt Porto besichtigen. Lohnenswerte Ziele sind das Altstadtviertel Ribeira, der Börsenpalast und die schon zur schönsten Buchhandlung der Welt gekürte Livraria Lello e Irmão (Rua das Carmelitas 144). In Porto wurde das üppig belegte Sandwich Francesinha erfunden, besonders gut mundet es im gediegenen Jugendstil-Café Majestic (Rua Santa Catarina 112). Weltruhm aber erlangte die an der Mündung des Douro gelegene Stadt wegen ihres süffigen Portweins. In der Kellerei Cálem (www.calem.pt) können Touristen den roten, weißen und neuerdings auch roséfarbenen Süßwein kosten. Der Portwein-Vorgänger Vinho de Lamego wurde an diesem geschichtsträchtigen Platz übrigens schon im Mittelalter produziert.

Zum Mittelalterfest nach Portugal

Flug und Mietwagen: Ryanair hat dreimal wöchentlich Direktflüge von Hamburg nach Porto (Hin- und Rückflug im Hochsommer ab 208 Euro) im Programm. Mietwagen sind am Flughafen bei einer wöchentlichen Mietdauer ab 318 Euro zu haben (www.autoeurope.de), die Autofahrt von Porto nach Santa Maria da Feira dauert eine gute halbe Stunde.
Infos und Unterkunft: Deutschsprachige Informationen über Porto und Santa Maria da Feira sowie Unterkunftstipps: www.portocvb.com, www.visitportugal.com. Das englischsprachige Programm des Mittelalterfestes: www.viagemmedieval.com (Tageskarte 3 Euro).

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