Wombat : Teddyaugen in Tasmaniens Wildnis

Wombats mögen kein Tageslicht. Doch auf dem Enchanted Walk lassen sie sich trotzdem auf manch einer sonnendurchfluteten Lichtung entdecken.  Fotos: Steffen Trumpf
1 von 2
Wombats mögen kein Tageslicht. Doch auf dem Enchanted Walk lassen sie sich trotzdem auf manch einer sonnendurchfluteten Lichtung entdecken. Fotos: Steffen Trumpf

Als Vorzeigetiere Australiens halten meist Koalas und Kängurus her, dabei gibt es noch ein anderes Beuteltier zu entdecken: den Wombat.

von
16. Januar 2016, 16:00 Uhr

Die moosbehangenen Bäume und der schmale Weg, der in der Ferne leicht im Dunst eines kleinen Wasserfalls verschwindet, muten an wie aus einem Märchen der Gebrüder Grimm. Noch geheimnisvoller macht den Spaziergang durch die Wälder Tasmaniens ein Lebewesen mit verschlafenem Gesichtsausdruck und Teddyaugen. Es hat in etwa die Größe eines Hundes, ist aber fast so selten in freier Natur zu sehen wie Koalas oder Tasmanische Teufel: der Wombat (Foto), ein etwas unterschätzter Vertreter der australischen Tierwelt.

Am Flughafen von Hobart warnt Mister Smith, wie er sich vorstellt, bei der Autovermietung: „Passt bei Dunkelheit bloß auf, dass ihr keine Tiere anfahrt. Das wird teuer.“ Besonders vor einer Gattung nachtaktiver Vierbeiner soll man sich in Acht nehmen: „Sie sind wie Felsen, diese bösen Wombats“, sagt Smith. Mit einem von ihnen zu kollidieren, das sei, als ob man gegen einen großen Stein fährt. Was für Tier, Wageninsassen und die Versicherung nicht unbedingt schön enden würde, fügt er hinzu.

Tatsächlich ist es ein seltenes Naturschauspiel, das einen bei Anbruch der Dunkelheit auf Tasmanien erwartet. Kleine Wallabys sind die ersten, die sich aus den Gebüschen wagen und am Straßenrand beinahe wie Anhalter wirken, die auf eine Mitfahrgelegenheit warten.

So niedlich die kleinen Kängurus dreinschauen mögen: Hat sie das Licht des Scheinwerfers erfasst, landen sie im nächsten Moment oft schon vor dem Auto. Gleiches gilt für Tasmanische Teufel und Wombats. Nicht umsonst müssen Autofahrer auf Tasmanien ihr Tempo in der Nacht halbieren – schneller als mit 50 km/h zu fahren, würde diese einzigartige Tierwelt in Gefahr bringen. Besonders in der Nähe der Nationalparks, die mehr als ein Fünftel der Fläche des australischen Bundesstaates ausmachen, ist Wachsamkeit Pflicht.

Die Tour zum Cradle Mountain, dem wohl berühmtesten Berg Tasmaniens, und dem benachbarten Lake St. Clair, dem tiefsten See Australiens, wird damit zur Geduldsprobe. Neben etlichen Wallabys springt in der Dunkelheit ein junger Tasmanischer Teufel vor die Motorhaube, um im Zickzackkurs vor dem Wagen die Straße entlangzulaufen. Wombats halten sich in dieser Nacht eher im Dickicht am Straßenrand.

In die Herberge der Nacht schafft man es so unfallfrei – um gleich am nächsten Morgen bei der Einfahrt in den Cradle Mountain-Lake St. Clair National Park von einem quer über die Straße daherwatschelnden Ameisenigel, einem sogenannten Echidna, empfangen zu werden. Echidnas sind auf Wandertouren wie dem sechstägigen Overland Track immer mal wieder Begleiter am Wegesrand. Wombats aber sind nachtaktiv. Damit ist es fast unmöglich, einen der Vierbeiner am Tage zu sehen – wäre da nicht der Enchanted Walk. Auf dem kurzen Wanderweg durch einen moosbehangenen Märchenwald kommt es Besuchern so vor, als hätte es schon mitten am Tag gedämmert. Durch die dichten Baumwipfel dringt kaum Tageslicht. Wombats glauben so auch tagsüber, es sei Nacht.

Der Enchanted Walk ist ein familientauglicher Wanderweg. Schilder am Wegesrand erzählen Kindern Märchengeschichten, die von den Tieren im Wald handeln. In gut einer halben Stunde hat man den Rundweg zu Fuß hinter sich gebracht – es sei denn, man harrt wie Lucy und ihre Mutter lange bei einem der Wombats aus, die mit verschlafenen Augen zwischen den Bäumen umhertapern.

„Wombats sind schon immer meine Lieblingstiere“, sagt das Mädchen und berichtet stolz, was sie alles über die Beuteltiere weiß. Als sich ein Tourist mit seiner Kamera an ihr vorbeiquetscht, um möglichst nahe an das Tier heranzukommen, seufzt sie verärgert – der Wombat, der eben noch einen Meter neben ihr am Wegesrand stand, hat sich zügig ins Dickicht zurückgezogen.

Haben wir Ihr Interesse geweckt? Mehr Informationen erhalten Sie in unserem Leserreisen-Portal, oder über Ihrer Anfrage über das folgende Formular:

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen