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Reise und Tourismus

23. November 2017 | 04:56 Uhr

Argentinien : Streifzug durch Buenos Aires

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Millionenmetropole hat viele Gesichter. Jedes Viertel hat sein eigenes Milieu und seinen ganz eigenen Charme.

Ein Rundgang durch die argentinische Hauptstadt zeigt eine Stadt der Superlative und der Unterschiedlichkeit:

> Das Alternative: San Telmo gehört zum ursprünglichen Kern der Metropole. Die Häuser sind alt, einige von ihnen sind verfallen – oder besetzt. Schlendert man durch die Straßen, stößt man auf Szene-Cafés, in denen sich Studenten und Künstler rumtreiben oder ein Gast auf dem Klavier einen Tango spielt, wie im „Café La Poesía“. Am Wochenende ist Markt in der Straße Defensa.

Sonntagabends gehört der Hof eines verlassenen Hauses bei der Kirche San Pedro Gonzalez Telmo ganz der Folklore: Auf der Peña wird zu Live-Musik so leidenschaftlich Chacarera getanzt, dass Staub aufwirbelt. Dazu gibt es Empanadas und Choripan, gegrillte Wurst im Brot. Nicht zuletzt bei der Tangoveranstaltung „Milonga Queer“ im Buenos Aires Club wird das tolerante Klima des Viertels gelebt: Hier tanzen Männer mit Männern oder die Frau führt den Mann.

> Das Kontrastreiche: In Puerto Madero prallen Welten aufeinander. Glitzernde Wolkenkratzer ragen hinter den Gräsern eines Naturreservats auf. Die Hochhäuser gehören zum früher verwahrlosten, heute modernisierten Hafenareal. Nähert man sich dem Delta, steht man mitten im Naturschutzgebiet La Reserva Ecológica. Hier surren über den sumpfigen Ausläufern des Río de la Plata Libellen, auch bei Hitze drehen Jogger ihre Runden. Es gibt Natur inmitten der Millionenstadt! Auf dem Rückweg kann sich beim Blick auf die Skyline wieder auf die Stadt gefasst machen.

> Das Hippe: Sogar die „New York Times“ nannte Palermo schon hip – zumindest einen seiner vier Teile: Im Palermo Soho leben, arbeiten und verkaufen die Kreativen – das Viertel im Viertel erstreckt sich zwischen den Straßen Santa Fé, Coronel Diaz, Córdoba und Juan B. Justo. In Palermo trifft man sich – auf einen Kaffee am Morgen, einen Mate zwischendurch, ein Bier am Abend und zum Feiern die ganze Nacht. Letzteres geht am besten in Palermo Hollywood. Wer Ruhe will, wird nahe der Plaza Italia fündig: Dort erstreckt sich der Park Bosques de Palermo. Auch sonst ist es in Palermo entspannter als anderswo: Auf den Pflastersteinen fahren die Autos langsam, und anstelle der hoher Häuserblocks stehen hier niedrige Häuser im spanischen Kolonialstil, die mediterrane Stimmung aufkommen lassen.

> Das Historische: In dem alten Hafenviertel La Boca entstand einst der Tango. Aus ihm wird hier Geschäft gemacht: Vor den Restaurants tanzen Paare, Akkordeonspieler warten auf Trinkgeld, in den Souvenir-Läden wimmelt es von Bildern von Tango-Star Carlos Garde. Kulturbegeisterte sollten die Usina del Arte besuchen: Die Veranstaltungen in der alten Fabrik sind allerdings so beliebt, dass man sich früh um Karten kümmern muss. Entfernt man sich von den touristischen Knotenpunkten, erlebt man den Stadtteil, wie er wirklich ist: lebendig – aber man sieht ihm seine Armut an. Generell ist in La Boca Vorsicht vor Taschendieben geboten. Auch sollte man das Viertel nachts meiden.

> Das Elegante: Wen es nach Recoleta verschlägt, der hat Geld – oder er arbeitet hier. Obwohl es eines der Geschäftsviertel der Stadt ist, gibt es lohnenswerte Ausflugspunkte: Der Friedhof El Cementerio de la Recoleta lädt zum andächtigen Spazieren ein – neben monumentalen Grabfiguren kann auch die letzte Ruhestätte von Evita Perón besucht werden. Absolut sehenswert sind die herrschaftlichen Villen aus dem 19. Jahrhundert, die noch vereinzelt zwischen den modernen Bauten stehen wie in der Avenida Alvear.

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