San Sebastián : Spaniens schicke Perle mit Geschmack

Ein Halbkreis wie gezeichnet: Die Bucht von San Sebastián vom Berg Igueldo aus gesehen. Experten sind sich einig: Dies ist einer der schönsten Stadtstrände der Welt.
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Ein Halbkreis wie gezeichnet: Die Bucht von San Sebastián vom Berg Igueldo aus gesehen. Experten sind sich einig: Dies ist einer der schönsten Stadtstrände der Welt.

San Sebastián am nordspanischen Golf von Biskaya ist Feinschmeckerparadies, Surf-Mekka – und Kulturhauptstadt 2016.

svz.de von
07. November 2015, 08:00 Uhr

Jone Karres Azurmendi war schon unzählige Male hier oben auf dem Igueldo-Berg. Doch sie genießt den Ausblick immer wieder. „Es ist einfach der schönste Blick auf Donostia“, versichert die deutsch-baskische Filmemacherin und Reiseführerin. Donostia – so lautet die baskische Bezeichnung für San Sebastián. Das Küstenstädtchen im nordspanischen Baskenland, das 2016 zusammen mit dem polnischen Breslau (Wroclaw) Europäische Kulturhauptstadt ist, wird wegen seiner Schönheit und günstigen Lage im Golf von Biskaya auch gern die „Perle des Kantabrischen Meeres“ genannt.

Muschelförmig ist die Bucht La Concha. Sie wird umrahmt vom Igueldo-Berg und dem gegenüberliegenden Urgull, zu dessen Füßen sich der königliche Segelclub, der alte Fischerhafen und die Altstadt ausbreiten. Zwischen Igueldo und Urgull bilden die Strände Ondarreta und La Concha einen eineinhalb Kilometer langen Halbkreis. Fast alle Reiseführer zählen sie zu den schönsten Stadtstränden der Welt. Mit der bereits 1912 eingeweihten Berg-Seilbahn geht es den Igueldo hinunter zum Meer, wo die Eisen-Skulpturen „Windkamm“ des berühmten baskischen Bildhauers Eduardo Chillida an den Klippen stehen. „Für mich ist das ein magischer Ort“, erzählt Jone.

Jone gerät ins Schwärmen, wenn sie über San Sebastián redet. Schnell begreift man, warum ihr Unternehmen Adorebasque heißt. Das heißt so viel wie „Liebe für das Baskische“. Sie erzählt von der baskischen Sprache, der eigenen Kultur und von Hautproblemen. Es waren nämlich Hautreizungen, die San Sebastián zu einem der attraktivsten Seebäder und Urlaubsziele Spaniens machten, versichert die Deutsch-Baskin.

Um ihre dermatologischen Probleme zu lindern, wurde Königin Isabella II. das milde Seeklima von San Sebastián empfohlen. Seit 1845 verbrachte die Monarchin mehrere Sommer in Donostia – und mit ihr der spanische Hof und europäische Hochadel. Wunderschöne Gebäude aus der Belle Epoque entstanden für die illustren Sommergäste – vom Thermalbad La Perla und Luxushotels über Theater bis hin zum Casino-Palast, dem heutigen Rathaus.

Heute besteht die Prominenz hauptsächlich aus Hollywood-Stars, die im September zum Internationalen Filmfestival nach San Sebastián kommen. Julia Roberts, Brad Pitt, Meryl Streep, Robert de Niro: Sie alle verliebten sich in diese Stadt. Aber natürlich nicht nur die: „Unsere Einwohner halten San Sebastián für eine der schönsten Städte der Welt und wissenschaftliche Umfragen belegen, dass sich dies tatsächlich auch auf die Zufriedenheit der Menschen hier auswirkt“, erzählt Bürgermeister Eneko Goia. Von ausländischen Urlaubern wurde die Stadt wegen der Attentate der Terrororganisation ETA allerdings lange gemieden. Vor vier Jahren beendeten die Separatisten aber ihren Kampf für die Unabhängigkeit des Baskenlandes. Seitdem steigen auch wieder die Touristenzahlen.

Spätestens mit der internationalen Aufmerksamkeit des Europäischen Kulturhauptstadtjahres dürfte es mit dem Geheimtipp-Status vorbei sein. Mit über 60 spannenden Kulturevents – von Antikriegsfestivals bis zu baskisch-kulinarischen Interpretationen von Shakespeares Sommernachtstraum – sollen Einheimische und Besucher überrascht werden. Die Leitmotive der Veranstaltungen: Menschenrechte, besseres Zusammenleben und Wellen bürgerlicher Energie.

„Schon jetzt ist das kulturelle Angebot für eine Stadt mit nur 185 000 Einwohnern ungewöhnlich groß“, versichert Xabier Paya. Der Direktor des EU-Kulturhauptstadt-Programms erinnert vor allem an die zahlreichen Internationalen Film- und Musikfestivals, die jedes Jahr Zigtausende, hauptsächlich spanische Kultur-Urlauber anlocken.

Es existiert sogar ein Surffilm-Festival. Immerhin genießt San Sebastián international den Ruf einer erstklassigen Surfdestination. „Eigentlich fing hier und im benachbarten Biarritz erst das Surfen in Europa an“, erläutert Joseba Urrutia von der Surfschule Pukas. „Die Qualität unserer Wellen ist einfach unglaublich, speziell hier am Zurriola-Strand, wo man das ganze Jahr über surfen kann.“ Bis zu 30 Prozent aller ausländischen Touristen sind jugendliche Surfer.

Die meisten Urlauber kommen aber wegen der Gaumenfreuden. San Sebastián ist die unbestrittene Gastronomie-Welthauptstadt. Mit 16 Michelin-Sternen gibt es hier die größte Sterne-Dichte der Welt. „Nirgendwo isst man so gut wie in San Sebastián“, versichert Juan Mari Arzak. Seine innovative und doch bodenständige Avantgarde-Küche machten sein Drei-Sterne-Restaurant zu einem der besten der Welt. Sein mit Algen garnierter Thunfisch und das mit Lotusblüten belegte Lämmchen begeisterten schon Robert de Niro und Meryl Streep. „Es war eines der besten Abendessen meines Lebens“, sagte auch Brad Pitt nach einem Besuch mit Quentin Tarantino im „Arzak“. Mick Jagger war hingegen so von Pedro Subijanas Hummer im Gewürz-Ballon und Seehecht auf Austern fasziniert, dass er gleich zwei Abende hintereinander einen Tisch in dessen Restaurant „Akelarre“ reservierte. Panorama-Ausblick auf den Atlantik inklusive.

„In San Sebastián muss man aber auf jeden Fall auch eine Pintxo-Tour durch die Altstadt machen. Die kleinen Leckereien sind Haute Cuisine im Miniatur-Format“, sagt Chef Arzak. Pintxos sind eine Art veredelte Tapas-Version. Garnelenspieße, Entenlebern auf Artischockenherzen, getrüffelte Wachtelbrüstchen oder mit Pilzen gefüllte Tintenfische füllen die Theken jeder Altstadt-Bar.

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