zur Navigation springen
Reise und Tourismus

16. Dezember 2017 | 00:47 Uhr

Urlaubsreif : So erholen Sie sich richtig

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Experten zeigen Wege zur Urlaubs-Entspannung: Stressverursacher aus, viel Schlaf, echte Herausforderungen und Kontrolle über die Freizeit

svz.de von
erstellt am 11.Jul.2015 | 16:00 Uhr

Drei, zwei, eins: Urlaub! Auch wenn die Sommerfrische von einem Tag auf den anderen beginnt, mit der Erholung geht es leider nicht so schnell. Wer heute noch vom Job gestresst ist, kann morgen noch nicht völlig tiefenentspannt am Strand sitzen.

Im letzten „Stressreport“ der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in Dortmund aus dem Jahre 2012 gaben immerhin 34 Prozent der repräsentativ befragten Erwerbstätigen an, vor allem „starker Termin- und Leistungsdruck“ würde sie im Berufsleben am meisten belasten und zwar noch mehr als „Arbeitsunterbrechungen und Störungen“ (26 Prozent), „Multitasking“ (17 ) und „Monotonie“ (9).

Das Interessante daran ist, dass viele von uns ausgerechnet diese verhassten Stressverursacher mit in den Urlaub nehmen: Jede Minute der Ferien ist schon im Voraus penibelst verplant, nebenher bleibt lediglich noch etwas Zeit, um schnell ein paar geschäftliche E-Mails am Strand zu beantworten.

So kann das natürlich nichts werden mit der Erholung. Fachleute wie die Arbeits- und Organisationspsychologen Prof. Dr. Sabine Sonnentag von der Universität Mannheim und Prof. Dr. Thomas Rigotti von der Universität Leipzig gehen davon aus, dass für die optimale Erholung bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein müssen.

Zuerst einmal sei es notwendig, im Urlaub wirklich von der Arbeit abzuschalten. Auch wenn das natürlich leichter gesagt als getan ist, so ist es auf jeden Fall schon einmal eine gute Idee, Laptop und Handy daheim zu lassen. So kommt man gar nicht erst in die Versuchung, doch noch eben schnell ein paar geschäftliche E-Mails zu beantworten oder anderweitige Arbeiten zu erledigen. Auch der ständigen Erreichbarkeit ist damit bereits ein Schnippchen geschlagen.

„Es empfiehlt sich, schon vor dem Urlaub Vertretungsregelungen abzuklären und unerledigte Aufgaben auch mal abzugeben“, rät Thomas Rigotti. „Vor dem Urlaub ist nach dem Urlaub“, sagt der Arbeitspsychologe. „Unerledigte Aufgaben bleiben uns nämlich im Gedächtnis und erwarten uns dann geballt, wenn wir aus den Ferien wieder zurückkommen.“ Nur wer nicht ständig über die Arbeit nachgrübelt, kann auch wirklich entspannen.

Entspannung aber ist den Experten zufolge eine weitere Voraussetzung für Erholung, womit Sabine Sonnentag „einen Zustand mit geringer Aktivität und gesteigertem positivem Affekt“ meint. Wer also in den Ferien für den New-York-Marathon trainiert, verbessert zwar vielleicht seine Kondition – Entspannung oder gar Erholung kann sich so jedoch nicht einstellen.

Nun hat zwar jeder so seine eigene Art zu entspannen – sei es der Waldspaziergang, das Kochen des Lieblingsessens oder auch das Beisammensein mit der Familie und Freunden. Eine Mütze voll Schlaf aber hilft jedem, neue Energie zu gewinnen. Der Regensburger Schlafforscher Prof. Dr. Jürgen Zulley sagt: „Der gute Schlaf ist weder Luxus noch Zeitverschwendung. Im Gegenteil, er ist Grundvoraussetzung für Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden.“

Nur wer ausreichend und gesund schläft, ist nach dem Aufstehen also auch im doppelten Wortsinne „ausgeschlafen“ und wieder fit für neue Aktivitäten. Oft spürt man diesen Entspannungs- und Regenerationseffekt sogar schon nach dem kleinen Mittagsschläfchen oder auch dem Nickerchen am Strand. Im stressigen Alltag hingegen kommt der Schlaf oft viel zu kurz.

Andererseits entspannen sich viele Berufstätige aber auch nicht so richtig, wenn sie die zwei bis drei Wochen am Stück, die ein erholsamer Urlaub schon dauern sollte, den ganzen Tag lang nur am Strand liegen, Löcher in die Luft gucken und Langeweile haben. Ihnen fehlt eine weitere wichtige Voraussetzung für die optimale Erholung im Urlaub, nämlich die Herausforderung, die Psychologen auch „Mastery-Erlebnis“ nennen.

„Einfach mal etwas Neues ausprobieren, das einen herausfordert oder bei dem man etwas lernen kann“, rät Prof. Dr. Carmen Binnewies vom Psychologischen Institut der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Wenn diese Herausforderung dann auch noch in einem möglichst großen Kontrast zum Berufsalltag steht, dann ist der Erholungseffekt am größten, haben die Psychologen heraus gefunden. Wer also im Job tagtäglich unzählige Formulare ausfüllen muss, der sollte in seinen Ferien vielleicht nicht unbedingt auch noch zum Kreuzworträtsel greifen.

Ein wichtiger Punkt fehlt noch: die Kontrolle über die eigene Freizeitgestaltung. Wer im Berufsalltag immer nur gesagt bekommt, was er tun und lassen soll, erholt sich demnach am besten, wenn er möglichst viele der Aktivitäten in seinem Urlaub selbst festlegen kann. Man sollte also ruhig einmal öfter auf sein eigenes Ich hören, und nicht immer nur das machen, was andere von einem verlangen.

Warum sich im Urlaub also nicht einmal an der Kalligrafie versuchen? Warum nicht diesen seltsamen Roman lesen, der so verrissen wurde? Ein Tipp noch zum Schluss: Lassen Sie sich nicht durch kleine Pannen den Spaß am Urlaub verderben und suchen Sie nicht ständig das Haar in der Suppe – sonst wird das mit der Erholung im Urlaub nämlich garantiert nichts.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen