Gallipoli : Septembersonne in der Stadt des Öls

Herbst in Italien: Blick auf die Altstadt und den Hafen von Gallipoli. Das Meer leuchtet strahlend blau.
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Herbst in Italien: Blick auf die Altstadt und den Hafen von Gallipoli. Das Meer leuchtet strahlend blau.

Gallipoli auf der Halbinsel Salento ist ein idealer Ausgangspunkt für die Entdeckung der süditalienischen Region.

svz.de von
26. September 2015, 08:00 Uhr

Eine steile, nur schwach beleuchtete Treppe führt von der Gasse hinunter in die historische Ölmühle. Tief unter der Altstadt von Gallipoli liegen ausgedehnte Höhlen, sie sind etwa 200 Quadratmeter groß. Sobald sich die Augen an das Halbdunkel gewöhnt haben, erkennt man mächtige Mahlsteine, die über Querbalken und mit Eselskraft bewegt wurden.

Hier unten lebten zur Erntezeit der Oliven die Arbeiter: „Von Oktober bis März blieben sie unter Tage“, erklärt der Betreuer der Mühle vom örtlichen Heimatverein. „Das Essen für Mensch und Tier wurde vom darüberliegenden Palazzo Granafei hinuntergelassen. Dazu Marihuana, das die Arbeiter rauchten, um Schmerzen und Stumpfsinn zu ertragen.“

Über Schächte schütteten die Bauern die Oliven hinunter, das gewonnene Öl wurde in unterirdischen Zisternen zwischengelagert, bis es im Frühjahr verpackt und verschifft werden konnte. Von den Häfen Gallipolis ging es in die Welt, vor allem nach Schweden und England, wo es für die Verarbeitung von Wolle gebraucht wurde. Auch als Lampenöl war das Naturprodukt begehrt, nur ein kleiner Teil diente als Lebensmittel.

Das Öl Gallipolis war von besonderer Güte, und so boomte die Hafenstadt im Salento im 17. und 18. Jahrhundert. Die Besitzer der Ölmühlen wurden reich, sie bauten prächtige Paläste auf der Felseninsel, hinter den dicken Stadtmauern. Im Feinkostgeschäft in der Gasse nebenan kann man feinstes Olivenöl für den Salat kaufen und superscharfe Pepperoni, die als „Viagra des Salento“ angepriesen werden. In der Bar gegenüber, die sich unter imposanten Gewölbebögen befindet, lockt ein Aperitif, der gegen einen geringen Aufpreis mit einer Fülle von Häppchen serviert wird. Minibruschetta und Oliven sind immer dabei.

Gerade am Abend macht ein Gang durch die Gassen der Altstadt große Freude. Die Türen zu den ebenerdigen Küchen stehen offen, die Hausfrauen putzen Gemüse und schwatzen mit der Nachbarin. Die Luft wird angenehm mild, noch ist es am Tage drückend heiß. Am Kai des Handelshafens feilschen die Einheimischen um Krabben und Seebarsche, die frisch angelandet wurden. Die Touristen beginnen die Logenplätze an der Stadtmauer zu besetzen, während die Sonne wie eine dicke Orange im Meer versinkt.

Am nächsten Morgen folgen die Städter wieder ihren Geschäften in der Neustadt, in der heute die meisten Büros und Läden liegen. Mit einer Brücke sind Neu- und Altstadt verbunden, der Platz davor ist mit einem sehenswerten griechischen Brunnen geschmückt und ein beliebter Treffpunkt in Gallipoli. Der Name der Stadt stammt nicht vom italienischen Wort für Hahn („gallo“), auch wenn der das Wappen ziert, sondern vom griechischen „kali pòlis“.  Das bedeutet „schöne Stadt“. Wer sich selbst verschönern möchte, kann elegante Schuhe kaufen oder sich in einen Friseursalon begeben: Ein Herrenhaarschnitt kostet halb so viel wie in Deutschland und wird dabei doppelt gründlich ausgeführt. Wer mag, kann sich auch rasieren lassen.

Mit einem gemieteten Auto lässt es sich zum „Suina-Beach“ fahren, dem Schweinestrand im Süden, der entgegen seines Namens sehr sauber und gepflegt ist. Oder man fährt weiter nach Santa Maria di Leuca ganz am Süden der Halbinsel Salento, wo sich das Ionische Meer mit der Adria trifft. Auf der adriatischen Seite fällt die Küste steil ab, statt Sandstränden gibt es hier Felsen zum Schnorcheln und spektakuläre Grotten. Bei Castro zum Beispiel die Grotta Zinzulusa.

Als letzte Station der Reise wartet Otranto, die „Weiße Stadt am Meer“. Hoch türmen sich die Häuser der Altstadt, ein mächtiges Kastell bewacht den Zugang zur Stadt. Im Innern winden sich die Gassen zur Kathedrale, die einen Schatz birgt: ein 800 Quadratmeter großes Bodenmosaik aus dem 12. Jahrhundert.

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