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Kakadu-Nationalpark Australien : Schöpfungswelten im Outback

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Im australischen Kakadu-Nationalpark wird der Blick über die weite Ebene zur spirituellen Erfahrung.

Das Monster reißt sein Maul auf. Ein Krokodilkiefer aus Stahlbeton ragt in den tiefblauen Himmel. Die Gäste schlendern in den Hals des Reptils und füllen an der Rezeption die Anmeldung aus. Das Gagudju-Volk setzte mit der ungewöhnlichen Form des Gagudju Crocodile Hotel den „Crocs“ im australischen Kakadu Nationalpark ein Denkmal. Es soll daran erinnern, dass Kakadu nicht nur ein Park ist, sondern vor allem Aboriginal-Land, Heimat der Ureinwohner. Und zur heimischen Familie gehört eben auch das Krokodil.

Wer hier ankommt, hat staubtrockene, rote Erde durchquert vorbei an Spinnifexgras und meterhohen Termitenhäusern. Im australischen Outback haben Naturdimensionen etwas Gewaltiges. Fast die Hälfte des Northern Territory ist heute wieder im Besitz der Aborigines, die versuchen, im Einklang mit ihrer Religion zu leben. Ihr Glaubensbekenntnis wurzelt in der sogenannten „Traumzeit“, in der schöpferische Ahnen auf ihrer Wanderschaft über die Erde alle sichtbaren Dinge schufen.

Ein großer, grauer Stein schiebt sich vor die Sonne und markiert die Grenze des Nationalparks, einem Weltnaturerbe. Die gleichförmige rostrote Ebene bekommt neue Konturen, der Busch wächst und wird grüner. Wer das Farbenspiel der Landschaft erleben möchte, sollte in Jabiru einen Rundflug wagen. Dann verschmelzen Bäume, Felsen und Feuchtgebiete am Fuß des steil aufragenden Arnhem-Plateaus zu farbenprächtigen und abstrakten Mustern. Der East Alligator River windet sich wie eine Riesenschlange hindurch.

Mit dem Zyklus der Jahreszeiten wechselt im Park die Herrschaft der Elemente: Im Dezember explodiert unter den Monsun-Blitzlichtern des Himmels die Erde in sattem Grün. Im Juni, wenn viele Flüsse trocken liegen, stehen Rauchsäulen über dem gelben Gras, das Ranger für die nächste Vegetation abbrennen. Morgens um sechs verlässt das Boot den Steg in Yellow Waters. Rote Lotusblüten treiben vorbei, kleine Jesus-Vögel hüpfen schwerelos über die Blätter von Wasserlilien. In der Ferne grasen Wasserbüffel im Sumpfland des South Alligator River. Bald stoßen dunkle Höcker durch die Wasseroberfläche, das erste Salzwasserkrokodil taucht auf. Vor diesen angriffslustigen Fressmaschinen warnen auch die Jahrtausende alten mythischen Felsenbilder der Ureinwohner am Ubirr Rock. Dort wird der Blick über die Ebene zur spirituellen Erfahrung, und der Fremde ahnt, warum die Ureinwohner diese Schönheit bewahren wollen.


Infos: www.parksaustralia.gov.au/kakadu/; www.gagudju-dreaming.com


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