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Reiseziel Portugal : Sanftes Hügelland, schroffe Klippen

vom
Aus der Onlineredaktion

Auf dem Weitwanderweg durch die portugiesischen Provinzen hinter der Atlantikküste wartet Abwechslung auf die Touristen.

svz.de von
erstellt am 04.Mär.2017 | 16:00 Uhr

„Keep calm – que estamos no Alentejo“ – im Sprachenmix macht die Tafel in der Bar von Azenha do Mar unmissverständlich klar: Bewahre Ruhe, Du bist im Alentejo. Die Uhren gehen anders in der Provinz Alentejo – ein vielzitiertes Klischee, das Wanderer auf dem insgesamt rund 350 Kilometer umfassenden Wegenetz des Weitwanderweges Rota Vicentina erleben.

Sanft ist das Hügelland im äußersten Südwesten Portugals hinter der Atlantikküste. Kuhweiden, Haferfelder und knallbunte Blumenwiesen wechseln sich ab mit Wäldern voller Korkeichen. Menschenleer scheint die Landschaft. Nur ab und zu ein Dorf, gekrönt von einer altersschwachen Windmühle.

In dem winzigen Weiler Vale das Éguas stoßen die Wanderer auf Rudolfo Müller (55), Schweizer Bauernsohn aus dem Kanton Aargau, den es in den 1980er Jahren in diese Ecke am südwestlichsten Rand von Europa verschlug. Der Liebe wegen, wie er selbst sagt. Er ist Wanderfreund, ein wenig Lebenskünstler wohl und auch Visionär. Zusammen mit einigen gleichgesinnten Einheimischen reifte ab 2008 die Idee, ein Netzwerk von Wanderwegen zu schaffen.

Wanderer an Portugals Südwestküste, im geschützten Land des Naturparks Sudoeste Alentejano e Costa Vicentina? Würden die überhaupt kommen, in diese dünn besiedelte Gegend weitab von allem Trubel, irgendwo im Nirgendwo zwischen Lissabon und den Touristenhochburgen der Algarveküste? Müller und seine Mitstreiter konnten sie überzeugen – die Lokalpolitiker, Touristikexperten und die Regionalfürsten, immerhin aus den beiden Provinzen Alentejo und Algarve, drei Distrikten, fünf Landkreisen und 15 Gemeinden.

Und sie kamen und kommen, die Wanderer. Aus Frankreich, Großbritannien, Deutschland, den Niederlanden, sogar aus den USA und Neuseeland machen sie sich auf den Weg: Genau 213 Kilometer auf dem Caminho Histórico, dem historischen Weg durch uralte Dörfer zwischen Santiago do Cacém im Norden und dem Leuchtturm am Cabo São Vicente, dem Namensgeber des Wegenetzes.

Korkeichen, Blumenwiesen und Getreidefelder passieren Wanderer auf ihrem Weg durch das hügelige Alentejo im äußersten Südwesten Portugals.
Korkeichen, Blumenwiesen und Getreidefelder passieren Wanderer auf ihrem Weg durch das hügelige Alentejo im äußersten Südwesten Portugals. Foto: dpa
 

In zwölf Tagesetappen, zwischen zwölf und 25 Kilometer lang, ist der Caminho Histórico aufgeteilt. Manche Wanderer gehen die Strecke komplett, bepackt mit Rucksäcken. Andere nutzen den Gepäcktransport, den die Gastgeber entlang der Route und inzwischen auch Reiseveranstalter als Pauschalarrangements anbieten. „Es gibt Wanderer, die machen den Weg im Schnelldurchlauf. Nur um eine weitere Fernstrecke abzuhaken“, hat Müller beobachtet.

Geprägt von herber Romantik ist der Fischerpfad Trilho dos Pescadores, der zweite große Fernwanderweg innerhalb der Rota Vicentina. Auf den Klippen führt die Strecke direkt an der Küste entlang. „Der über 100 Kilometer lange Pfad zwischen Porto Covo und Odeceixe im Süden erinnert an die Einheimischen, die in alter Tradition heute noch von den Felsen aus   ihre   Angeln auswerfen“, so Müller.

Statt Fernwandern lieber kürzere Distanzen am Küstenstreifen laufen – fünf ausgeschilderte Rundwanderwege im Wegenetz der Rota Vicentina laden dazu ein. Die Routen sind zwischen dreieinhalb und gut vierzehn Kilometer lang, etwa durch die Dünen von Almograve.

Leichter geht es zu auf dem Rundweg von Carrapateira. Holzstege leiten über lockeren Sand hinweg zu Aussichtsplattformen auf den Klippen, die sich mehr als 50 Meter über der tosenden Brandung erheben. Einer der Stege führt in die Vergangenheit: Archäologen haben auf einer Landzunge die Reste einer maurischen Fischersiedlung aus dem zwölften Jahrhundert freigelegt. Ein paar Kilometer weiter beleben sportliche Kiter und Surfer die Strände Bordeira und Amado – Carrapateira gilt unter Wellenreitern als Hotspot.

Typisch sind die Landherbergen „Turismo rural“, die aus ehemaligen Bauerngehöften entstanden sind. In der Einsamkeit Alentejos liegt beispielsweise das Anwesen „Monte Tons da Terra“ – ein Refugium mit neun Zimmern, Swimmingpool, Spa-Bereich – und keiner herkömmlichen Adresse. Nur über GPS-Koordinaten ist der einstige Bauernhof zu orten.

Einfacher haben es die Fernwanderer zwischen Carrapateira und Vila do Bispo: Die Route führt mitten durchs Dörfchen Pedralva, in dem 24 Häuschen zu Gästewohnungen ausgebaut wurden. Das Gästedorf Pedralva steht beispielhaft für den ruhigen Südwesten der Provinz Algarve: Hotelburgen und Massentourismus gibt es hier nicht – auch das ist die Algarve.

 

Reiseziel Rota Vicentina
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Foto: dpa

Die Rota Vicentina ist ein 350 Kilometer langes Wegenetz im Südwesten Portugals in den Provinzen Alentejo und Algarve. Die Wege wurden 2012 eröffnet. Der historische Weg (213 Kilometer) ist unterteilt in zwölf Tagesetappen. Der über 100 Kilometer lange Fischerpfad führt an der Atlantikküste von Porto Covo bis Cabo São Vicente. Den Strecken angeschlossen sind fünf Rundwanderwege.

 Anreise: Es gibt viele Direktflüge von Deutschland nach Lissabon. Von Lissabon geht es mit dem Leihwagen über die mautpflichtigen Autobahnen A 2/A 22 in den Südwesten Portugals (etwa drei Stunden). Mit dem Zug Richtung Faro bis Funcheira, Santa Clara-Sabóia oder Lagos.

Reisezeit: Im Hochsommer erreichen die Temperaturen im Inland mehr als 40 Grad. Daher sind die Zeiträume März bis Anfang Juni und Mitte September bis Ende Oktober für Wanderungen geeignet.

Unterkünfte: Ruhige, komfortable Landgasthäuser (Turismo Rural) und kleine Hotels gibt es entlang der Strecke, oft mit Swimmingpools. Die Zimmer sollten im Voraus gebucht werden. Die Gastgeber sorgen auf Anfrage für den Shuttle zu den Wanderstrecken und übernehmen auch den Gepäcktransport bis zum Tagesziel.

Preise: Doppelzimmer gibt es zwischen 60 bis 100 Euro, Ferienhäuser 67 bis 163 Euro (Übernachtung und Frühstück).

Internet: http://de.rotavicentina.com/www.visitalgarve.pt

 

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