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Train des Pignes : Per Bahn durchs Lavendelfeld

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Seit über 100 Jahren verkehrt der „Train des Pignes“ zwischen Nizza an der Côte d’Azur und Digne-les-Bains in der Haute-Provence.

svz.de von
erstellt am 09.Apr.2016 | 12:00 Uhr

Max Julien ist zufrieden. In den schnurgeraden, dunkellila leuchtenden Reihen summt und brummt es. Bienen und Hummeln suchen nach Nahrung. Ein kräftiger, fast schwülstiger Duft weht übers Feld. „Wenn das Wetter so bleibt, werden wir in drei Wochen mit der Ernte beginnen“, so der 68-Jährige. Mit einer Sichel schneidet er mehrere Zweige ab und bindet sie mit einer Kordel zusammen, um sie später auf seinem Hof zu trocknen. Plötzlich übertönt ein kurzes Rauschen das Summen der Bienen. Zwei orange Dieseltriebwagen des „Train des Pignes“ surren über den steinernen Viadukt, der sich unweit des Bauernhofs bei Saint-Jurson befindet. Seit 1911 befährt der „Pinienzapfenzug“ die 151 Kilometer lange Strecke zwischen Nizza an der Côte d’Azur und Digne-les-Bains in der Haute-Provence.

Die Reise startet am modernen Bahnhof der „Chemins de Fer de Provence“ mitten in Nizza. Bevor er in seine Kabine klettert, beantwortet Lokführer Jean noch ein paar neugierige Fragen: Wie kam der Zug zu seinem Namen? „Dazu gibt es unterschiedliche Legenden“, meint Jean: „Eine besagt, dass die Bahn einst so langsam fuhr, dass die Passagiere unterwegs ausstiegen und Pinienzapfen sammelten – für den heimischen Herd und um der Lok zusätzlich einzuheizen.“

Hinter Lingostière zieht sich die Trasse am Fluss Var entlang. Ein breites, steiniges Flussbett, durch das manchmal nur ein Rinnsal plätschert, verläuft bis Puget-Théniers. In dem knapp 2  000-Einwohner-Dorf ist der Sitz der GECP (Groupe d’Étude pour les Chemins de Fer de Provence). Der Verein unterhält den „Train à Vapeur“, einen historischen Dampfzug, der von Mai bis Oktober regelmäßig sonntags auf die Schiene geht.

Wie ein bewohntes Freilichtmuseum mit Bauten aus dem Mittelalter wirken die Orte Annot und Entrevaux.

Unter Ludwig XIV. ließ General und Festungsbaumeister Marquis de Vauban im 17. Jahrhundert hoch über Entrevaux eine Zitadelle errichten. Die Strecke gewinnt an Höhe. Pinien- und Lärchenwälder werden dichter. Schroff ragen Kalksandsteinfelsen empor. Bei La Colle-Saint-Michel durchfährt der Zug den längsten von 25 Tunneln mit fast dreieinhalb Kilometern Länge. Kurz darauf ist der Scheitelpunkt erreicht. Von 1  000 Metern quietscht der „Train des Pignes“ durch zahlreiche Kurven und balanciert über schmale Brücken wieder einige Hundert Meter hinab bis Digne-les-Bains.

Morgens um viertel nach sieben verlässt der erste Zug die Lavendelhauptstadt Richtung Nizza. Kurz darauf am Bahnhof Saint-Jurson steigt Max Julien ein. „Hin und wieder muss auch ich mal Großstadtluft statt Lavendelduft schnuppern“, meint er und schmunzelt: „Der ‚Train des Pignes’ ist meine Verbindung zur Außenwelt.“

Der „Train des Pignes“ befährt die 151 Kilometer lange Strecke zwischen Nizza und Digne-les-Bains ganzjährig. Täglich vier Abfahrten je Richtung. Ein- und Ausstieg an über 50 Zwischenstationen möglich.
Preise: Gesamtstrecke Nizza–Digne-les-Bains oder umgekehrt – Erwachsene 23,30 Euro, Kinder 11,65 Euro. Von Mai bis Oktober ist jeden Sonntag zwischen Puget-Théniers, Entrevaux und Annot ein nostalgischer Dampfzug (le „Train à vapeur“) im Einsatz. Fahrtdauer eine Stunde mit dreistündigem Aufenthalt in Annot. Preis (hin und zurück): Erwachsene 20 Euro, Kinder 16 Euro. Reservierung erforderlich: Tel. +33 4 97 03 80 80.
www.trainprovence.come.com

 

 

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