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Operation Ozean-Express : „Panama-Kanal auf Schienen“

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Aus der Onlineredaktion

Mindestens 13 Milliarden Euro Kosten für eines der größten Bahnprojekte der Welt

svz.de von
erstellt am 24.Mär.2017 | 12:00 Uhr

Südamerika gleicht heute eher einem Eisenbahnmuseum. Hochgeschwindigkeitszüge? Fehlanzeige. Züge wie der Andean Explorer in Peru oder der Tren a las Nubes („Zug zu den Wolken“) von Chile nach Argentinien lassen viel Nostalgie aufkommen. Durch das Massiv der Anden wurden Ingenieure hier vor kaum lösbare Aufgaben gestellt, heute ist der Bus neben dem Flugzeug das Verkehrsmittel Nummer eins.

Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts war das noch anders. Es war die Blüte des Bahnbaus in Südamerika. So lieferte zum Beispiel die längst geschlossene Maschinenfabrik Esslingen die Lokomotiven für eine Zahnradbahn, die durch mehrere Tunnel vom Pazifik in Chile über 4256 Meter Höhe bis in das bolivianische La Paz fuhr. Heute endet im Bahnhof La Paz nur noch eine Seilbahnlinie, die von der Nachbarstadt El Alto hierhin führt – mit Panoramablick auf die Anden einschwebend.

Geht es nach Boliviens Staatspräsident Evo Morales, soll es nun aber eine große Renaissance geben, mit einem noch nie da gewesenen Projekt. Eine rund 3750 Kilometer lange Strecke vom brasilianischen Hafen in Santos durch das tropische Tiefland Boliviens, über 4000 Meter die Anden hoch und dann wieder hinunter zum peruanischen Ilo, um Güter schneller Richtung Europa und Asien zu bekommen. Die Kosten werden auf etwa 14 Milliarden US-Dollar (13 Mrd Euro) geschätzt.

„Wir sind überzeugt, dass der Bioceanico-Zug zwischen Brasilien, Bolivien und Peru der Panama-Kanal des 21. Jahrhunderts wird“, sagt Morales. Und seit Mittwoch ist eine riesige Hürde genommen: Brasilien hat bei einem Planungstreffen mehrerer Staaten erstmals seinen Willen zur Mitarbeit kundgetan. Den Zuschlag bekommen wollen deutsche und Schweizer Unternehmen. Von Anfang an begeistert von dem Projekt war der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Rainer Bomba, der auch in La Paz anwesend ist. Im Januar 2016 gab es erste Planungen. Nun gewinnt die Idee dieses Jahrhundertprojekts weiter an Kontur.

Bomba hat rund 40 Unternehmer in seiner Delegation dabei: Vertreter der Deutschen Bahn, des Tunnelmaschinenbauers Herrenknecht, von Molinari-Rail aus der Schweiz und Siemens. Zudem von der staatlichen KfW-Bank. „Ohne Geld geht nichts, das wissen wir alle“, so Bomba.

Auch für ihn wäre diese Querung vom Atlantik zum Pazifik eine Art „Panama-Kanal auf Schienen“. Die Chancen auf Realisierung stünden gut. Zudem gebe es am Weltmarkt für solche Infrastruktur-Projekte, „die durchdacht sind und später mal ordentliche Rendite abwerfen“, gerade auch gute Finanzierungsmöglichkeiten. Geplant sei eine Trasse für Personen- und Güterverkehr. Gerade Agrarprodukte und Rohstoffe könnten schneller und günstiger in andere Weltregionen transportiert werden, als wenn man mit dem Schiff entweder im Norden durch den Panama-Kanal oder rund um Kap Hoorn an der Südspitze Südamerikas fahren muss. Mindestens 8000 Arbeitsplätze könnten hier entstehen.

Doch das Projekt des Ozean-Expresses hat einige Haken. Die Finanzierung ist völlig unklar. Bolivien, das jahrelang prächtig am Erdgasexport verdiente und sich damit das größte urbane Seilbahnnetz der Welt in La Paz leistete, leidet unter den gesunkenen Einnahmen.

Bahn-Projekte in Südamerika

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