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Reise und Tourismus

21. November 2017 | 13:18 Uhr

Trend : Nur kein Tourist sein

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Auf Reisen ist zunehmend die authentische Begegnung mit Einheimischen gefragt – die Reiseveranstalter haben auf den Trend reagiert.

Früher galt es als Ausweis von Weltläufigkeit, die großen Sehenswürdigkeiten gesehen zu haben: Machu Picchu, die Pyramiden, das Taj Mahal. Doch viele exotische Orte der Erde gehören heute zum touristischen Standardprogramm. Und Reisende sind erfahrener. Was verstärkt gewünscht wird, ist die Begegnung mit den Einheimischen.

„Authentizität wird immer wichtiger“, sagt Prof. Ulrich Reinhardt von der Stiftung für Zukunftsfragen in Hamburg. „Viele Urlaubsarten sind einfach austauschbar geworden.“ Wichtiger ist das unverwechselbare Erlebnis vor Ort. Thomas Cook zum Beispiel bewirbt den nachhaltigen Gastbesuch in einem „echten“ Maya-Dorf in Mexiko. Ob Kaffeeernte in Puerto Rico, Teetrinken mit Berbern in der Wüste oder Übernachten bei kubanischen Omis: Der Kontakt zu den Menschen zählt.

Das Angebot an Reisen mit Erlebnischarakter habe sich in den letzten Jahren vergrößert, bestätigt Petra Thomas vom Forum Anders Reisen. Der Trend betreffe nicht nur die nachhaltigen Anbieter, sondern auch die größeren Veranstalter. „Es geht dabei um die Idee, etwas zu erleben, das nicht wiederholbar ist“, glaubt auch Peter Wippermann vom Trendbüro Hamburg. Begegnungen mit Menschen sind eine Möglichkeit, sich von der Masse abzusetzen: „Man ist als Tourist unterwegs, aber will auf keinen Fall so aussehen“, erklärt der Forscher.

Diesen Eindruck bestätigt Holger Baldus, Geschäftsführer von Marco Polo: „Niemand will mehr als Massentourist gelten, das ist ein No-Go.“ Der Urlauber wolle nach Hause kommen und nicht vom Hotel erzählen, sondern darüber, wie er bei der kubanischen Familie in der Küche saß. In den meisten Fällen sind es vergleichsweise harmlose Annäherungen: „Genauso zu essen wie ein Einheimischer, das kommt super an“, erzählt Baldus. Auf einer Indien-Rundreise säßen Urlauber zum Beispiel in Old Dehli auf Plastikschemeln und probierten aus der lokalen Straßenküche. „Und dass man sich am Ende des Tages ins Hotel zurückzieht, ist auch vorbei.“ Eines der erfolgreichsten Angebote sei die Rundreise durch Kuba, bei der die Urlauber in sogenannten „Casas particulares“, also privaten Etagenhäusern übernachten.

Natürlich handelt es sich bei solchen Begegnungen vor allem um eine Inszenierung von Authentizität. „Das ist es ohne Frage“, findet Prof. Reinhardt. „Und es ist okay.“ Wichtig sei, dass solche begegnungen auf Augenhöhe stattfänden.

Bei Marco Polo sieht man für die kommenden Jahre weiteres Potenzial für solche Touren. „Das hätten wir uns vor fünf Jahren nicht vorstellen können.“ Die Begeisterung der etablierten Reiseindustrie für die neue Form des Reisens ist auch durch die Konkurrenz getrieben. Portale wie Airbnb, die Privatunterkünfte vermitteln, setzen bewusst auf den Kontakt mit ganz normalen Menschen.

Auf Individualreisen gehört es oft zum guten Stil, möglichst wie die lokale Bevölkerung zu reisen. Die Webseite www.likealocalguide.com zum Beispiel sammelt Reisetipps von Menschen, die in einer Stadt wirklich wohnen: Nach dem gleichen Prinzip funktioniert die Seite www.spottedbylocals.com – bisher gibt es Empfehlungen für 58 Städte. Und www.tripbod.com wirbt damit, „Freunde am anderen Ende der Welt“ zu finden, mit denen man versteckte Orte erkunden kann.

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