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Reise und Tourismus

24. November 2017 | 19:46 Uhr

Zipline : Nur Adler fliegen noch schöner

vom
Aus der Onlineredaktion

An einem Stahlseil befestigt durch die Lüfte schweben – „Zipline“, auch genannt „Die Guerilla Rutsche“, macht es möglich.

Viele Urlaubsregionen locken mit einer neuen Trendattraktion, die verschiedene Namen hat: Zipline, Canopy, Rope Runner, Tyrolienne oder Guerilla Rutsche.

Auf Deutsch könnte man einfach sagen: Stahlseilrutsche. Das klingt irgendwie technisch und dröge, die Benutzung des Geräts setzt aber jede Menge Adrenalin frei. Und genau das wollen viele Urlauber.

Das Prinzip ist immer gleich: Rollen fahren auf einem Stahlseil, und der Passagier wird mit einem Gurt befestigt, meist freischwebend. Solche Anlagen gibt es in den Allgäuer Alpen, in Ostdeutschland und in Österreich, aber auch in Kroatien, auf Puerto Rico, im Regenwald Costa Ricas und neuerdings im Wüstenemirat Ras al-Chaima.

Die Anlagen unterscheiden sich je nach Typ. „Den größten Unterschied macht die jeweilige Körperposition aus“, erklärt Hannes Rechenauer, Vizepräsident des Verbands Deutscher Seilbahnen (VDS) und Betreiber einer Zipline-Anlage im bayerischen Oberaudorf. Bei dieser sitzt der Fahrgast aufrecht im Gurt, ähnlich wie bei einem Gleitschirmflieger.

Beim Flying Fox im österreichischen Leogang dagegen hängt der Gast mit dem Kopf voraus in einem Liegesack und hat während des Flugs die Arme frei.

Das klingt ziemlich abenteuerlich – und das ist es auch. Zunächst geht es mit dem Sessellift zur Mittelstation auf 1300 Metern. Der Flying Fox ist 1,6 Kilometer lang, das Maximaltempo beträgt 130 Stundenkilometer, und man „fliegt“ bis zu 143 Meter über dem Boden.

„Glaube mir, du wirst es genießen“, sagt ein Mitarbeiter der Anlage. Helm auf, Brille anlegen. „Beine durchstrecken. Und vergiss nicht, während des Flugs die Arme auszubreiten, dann fühlst du dich garantiert noch besser.“

Dann geht es los. Nach wenigen Sekunden verschwindet die Anspannung. Die Geschwindigkeit kommt einem erstaunlicherweise gar nicht so hoch vor. Entspannung und Nervenkitzel wechseln sich ab. Traumhafter und ungewohnter Blick über die Landschaft. Nach einer sehr langen Minute heißt es: Arme anlegen für die Landung.

Und dann ist das ganze Spektakel auch schon wieder vorbei. Der Flying Fox wurde im Jahr 2011 eröffnet – auch um abseits der Hauptsaison im Winter den Sommertourismus zu stärken. Man sehe das Flugerlebnis als eine Alternative zu Wandern, Biken, Wellness und Erholung, erklärt Flying-Fox-Geschäftsführer Kornel Grundner. Im vergangenen Jahr wurden rund 9500 Besucher gezählt.

Kritiker sehen in Seilrutschen und ähnlichen Anlagen freilich eine Verschandelung der alpinen Landschaft. Das Gebirge verkomme zum Rummelplatz, so der Vorwurf.

Marco Pointner, Geschäftsführer der Saalfelden Leogang GmbH, weist natürlich darauf hin, dass es bei der touristischen Erschließung der Region auch darum gehe, die Schönheit der Landschaft in ihrer Natürlichkeit zu erhalten. Man lege Wert auf „sanfte und nachhaltige Inszenierungen“. Schwerpunkt des Sommerurlaubs sei weiter das Wandern.

Doch der Trend zu „Adrenalin-Aktivitäten“ nehme eher noch weiter zu, sagt Jürgen Schmude, Professor für Wirtschaftsgeografie und Tourismusforschung an der Universität München. Viele Urlauber sind nicht mehr nur reine Wanderer oder Wintersportler, sie wollen Abwechslung bei ihren Outdoor-Aktivitäten. Das Motto: „Hauptsache draußen, Hauptsache aktiv“, so Schmude. Diese Prämisse sei für viele Urlaubsgäste vorrangig und das „reiseauslösende Motiv“.

Von einem „behüteten Abenteuer“ spricht Prof. Peter Zellmann vom Institut für Freizeit- und Tourismusforschung in Wien, wenn es um Seilrutschen geht. Denn passieren kann ja nichts.

„Solche Angebote treffen zunehmend die Erlebnis- und Aktivbereitschaft jüngerer und jung gebliebener Kunden. Sie sind aber nicht vergleichbar mit dem Adrenalinkick, der zum Beispiel beim Bungee-Jumping auftritt.“ Eine Absage an die Wellness-Idee ist das freilich nicht. Die Entspannung im Sommerurlaub wird durch das Aktiverlebnis nur kurz gebrochen.

Fazit Zellmann: „Wir stehen erst am Beginn der Entwicklung, die Möglichkeiten der Berge über das klassische Wandern und Bergsteigen hinaus zu nutzen.“ Wie dies im Einklang mit Natur passieren kann, darüber wird wohl auch in Zukunft gestritten.

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