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Pleitezone : Nordosten macht Urlaub bei den Pleite-Griechen

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erstellt am 07.Aug.2012 | 09:16 Uhr

Rostock/Schwerin | Entspannen in der Pleitezone: Trotz Eurokrise zieht es die Mecklenburger und Vorpommern in den Urlaub nach Griechenland. Die Helenen haben in diesem Jahr das Feld der beliebtesten Urlaubsländer von hinten aufgerollt und stehen jetzt wieder einmal auf dem siebenten Platz in der Beliebtheitsskala, berichten Reiseveranstalter in MV übereinstimmend. Alltours und viele Hoteliers locken mit Schnäppchen, nachdem Demonstrationen am Jahresanfang die deutsche Urlaubslaune belastet hatten. Nikos Vlassiadis, der unter anderem das Maris-Beach-Ressort auf Kreta betreibt, hat seine Preise um fast 40 Prozent gesenkt, ein Standardzimmer kostet bei ihm statt 188 nur noch 119 Euro in der Woche - für Vier-Sterne-All-Inklusive.

Es gebe eine enorme Nachfrage nach Mittelmeer-Reisen, berichtet auch Inga Schwer von "Dertour, Meier’s Weltreisen und ADAC Reisen". Allein hier hat der Konzern ein Plus von 29 Prozent verzeichnet. Auch Spanien ist und bleibt für Deutsche das Urlaubsland Nummer 1. Das vergangene Jahr war mit einem Umsatzplus von acht Prozent auf über 1,7 Milliarden Euro bereits das umsatzstärkste Jahr der Unternehmensgeschichte. "Für dieses Jahr erwarten wir nochmals mindestens vier Prozent Zuwachs", so die Sprecherin.

Bei einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des Reisekonzerns Tui gaben 49 Prozent der Befragten an, in den kommenden Jahren in Griechenland Urlaub machen zu wollen. Nur 6,3 Prozent schlossen einen Griechenland-Urlaub angesichts der Krise aus. Das Urlaubsportal Holiday-Check hat im Juli 7,2 Prozent mehr Griechenland-Buchungen verzeichnet als im Vergleichsmonat des Vorjahres. Die Mittelmeerinseln seien unverändert gastfreundlich, wie eine Umfrage unserer Zeitung bei Reiseveranstaltern im Land ergab. Allerdings warnen einige Reisebüros in Mecklenburg-Vorpommern vor Städtereisen nach Athen und Thessaloniki. "Dort fanden die Ausschreitungen statt und niemand will sich in seinem Urlaub Sorgen um die körperliche Gesundheit machen", erklärt der Rostocker Mathias Knop seine Städtewarnung. "Aber auf den griechischen Inseln warten Einheimische geradezu auf uns", fügt er hinzu. Dort käme keiner auf die Idee, "deutschland-feindlichen Unsinn" zu machen. "Die würden am eigenen Ast sägen, weil sie dort nichts außer Tourismus haben", erklärt der Unternehmer. Bisher habe er von keiner unschönen Begegnung gehört, erklärt Knop, der im Oktober selbst auf der Halbinsel Peloponnes Urlaub macht.

Für den Neubrandenburger Reiseunternehmer Gunnar Haase ist es auch eine moralische Aufgabe, gerade jetzt nach Griechenland zu reisen. Sollte dort auch noch der Tourismus in die Knie gehen, hätten die Leute überhaupt keine Perspektive mehr, so der Viertorestädter. Der Schweriner Jürgen Grönda bemerkt ein kurzes Augenbrauenzucken bei den Kunden, wenn er Griechenland vorschlägt. Die aus dem Fernsehen bekannten Anfeindungen würden seine Stammkunden nicht so schnell vergessen, erklärt er. Andere Fachleute reagieren gelassener, denn eines werde sich trotz Krisen und politischer Verwicklungen nicht ändern: "Die ungebrochene Urlaubslust in unserem Breitengrad", wie Mathias Knop zusammenfasst.

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