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Reise und Tourismus

17. Oktober 2017 | 00:19 Uhr

Schweden : Nordische Gefühle auf dem Rad

vom
Aus der Onlineredaktion

Zwischen Helsingborg und Göteborg gibt es einen echten Geheimtipp: Auf dem Fahrrad Ferienlandschaften erkunden.

Der alte Schwede kann es kaum glauben: Nach Göteborg mit dem Rad? Ja ja, die Richtung stimmt, lacht er, immer nach Norden, klopft den drei Radlern aus Deutschland auf die Schultern und freut sich. Es sind 370 Kilometer vom Zentrum Helsingborgs bis in die zweitgrößte schwedische Stadt – jedenfalls dann, wenn man der Beschilderung des ersten schwedischen Fernradwegs folgt, dem Kattegattleden.

Den Namen träumt man irgendwann des Nachts: Auf jedem der gefühlt tausend Schilder steht immer wieder „Kattegattleden“. Die weiße Eins auf braunem Grund reicht nicht. Es überrascht ein wenig, dass es im fahrradfreundlichen Land der Elche bisher noch keine Fernradroute gab. Doch mit dem Kattegattleden stoßen die Schweden gleich in die Premiere League des Fahrrad-Tourismus vor: Der Weg ist richtig gut! Das liegt vor allem an der wunderbaren Landschaft an der südschwedischen Westküste in Schonen und Halland. Kleine Hafenstädte wie Hoganäs wechseln sich mit schmucken Fischerdörfern ab, die heute überwiegend touristisch genutzt werden. In der letzten Juni-Woche freuen sich die Schweden über Traumwetter – das passt zum inoffiziellen Nationalfeiertag Mittsommar am 24. Juni. Das ganze Land ist auf den Beinen, überall treffen sich Menschen draußen, singen, tanzen, essen und trinken. Frauen und Mädchen tragen weiße Kleider, viele haben Blumenkränze im Haar. Es ist wie eine Mischung aus Bullerbü, Lönneberga und Saltkraakan. Und der schwer bepackte Radtourist wird fast überall mit einem freundlichen „Hej hej!“ begrüßt.

Es scheint, als habe jeder Schwede ein eigenes Ferienhaus. Und alle sind schon belegt in dieser frühen Sommerzeit! Das sorgt bei Durchradelnden sofort für ein ganz starkes nordisches Feriengefühl. Die Route verläuft nicht immer, aber sehr häufig in Sichtweite der Ostsee entlang. Der Duft des Meeres begleitet den Radfahrer, manchmal auch der von gammelndem Seegras am Strand.

Zwei Halbinseln schneidet der Kattegattleden ab. Das bedeutet weg von der Küste – und schon geht’s rauf. Und was ist das? Ein Weingut, in Schweden! Tatsächlich wird hier in der Nähe von Arrild auf der hügeligen Halbinsel Kulla auf einigen wenigen Hektar Wein angebaut. Besucher sind willkommen.

Insgesamt ist die Streckenführung überwiegend flach, schließlich orientiert sie sich stark an der Küstenlinie und damit an der Höhe des Meeresspiegels. Doch auf dem Weg nach Baastad, kurz hinter dem Dorf Grevie, da geht es plötzlich steil bergauf, und der Radtourist muss seine Kletterqualitäten entwickeln. Der kleinste Gang ist gerade klein genug, es geht auf 150 Meter hinauf. Oben wartet ein toller Blick auf die Küstenlandschaft, danach geht es in rauschender Fahrt durch eine Landschaft, die an Mittelgebirge oder Voralpen erinnert, hinab nach Baastad.

Da man sich in einer Urlaubsregion bewegt, gibt es zahlreiche Übernachtungs- und Einkehrmöglichkeiten. Die Preise sind tendenziell höher als in Deutschland. Als Alternativen zum Hotel bietet sich Bed & Breakfast an. Oder die schwedische Variante Bed & Kitchen, zum Beispiel bei Anna in der Nähe des Urlaubsortes Träslövslägen bei Varberg: Wunderschön auf dem Land gelegen, haben Annas Besucher ein ganzes Haus mit drei Küchen für sich, müssen die Verpflegung aber selbst mitbringen. Oder in Varberg am Hafen frühstücken.

Abrupt ist der Wechsel von ruhigen Vorstadt-Radwegen hinein ins Göteborger Großstadt-Getümmel. Die auch in Schweden beliebten Kreisverkehre passiert man dabei durchweg sicher: Die Autofahrer nehmen sehr viel Rücksicht auf Radler und lassen einem fast immer die Vorfahrt. Augenkontakt empfiehlt sich grundsätzlich, und ein freundliches „Hej hej“ schadet nie. Die letzten Kilometer geht es wieder direkt am Wasser vorbei hinein ins pulsierende Zentrum der Kattegatt-Metropole. Für die Rückreise kann man den Zug nach Trelleborg nehmen – und dann die Fähre nach Rostock.

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