Kappadokien : Nach allen Regeln der Kunst

Am Morgen steigen unzählige Heißluftballons über der Tuffsteinlandschaft auf.
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Am Morgen steigen unzählige Heißluftballons über der Tuffsteinlandschaft auf.

Mensch und Natur haben im türkischen Gebiet Kappadokien ein einzigartiges Kunstwerk geschaffen.

svz.de von
26. September 2015, 08:00 Uhr

Baris Pehlivan dreht den Brenner auf und lässt die erhitzte Luft wie einen fauchenden Feuerstrahl in seinen Heißluftballon strömen. Der 39-jährige Pilot grinst und legt noch ein wenig nach. Sofort steigt der gelb-blaue Ballon weiter gen Himmel und schwebt dann lautlos über das berühmte kappadokische Liebestal. Sandfarbene Tuffsteingebilde, so hoch wie ein Baukran, die meisten in Form bombastischer Phalli, recken sich hier den ersten Sonnenstrahlen entgegen, dazwischen grüne Pappeln, ab und zu ein kleiner Weinacker. „Um sechs Uhr in der Frühe ist die Thermik ideal“, schwärmt Baris und lenkt seinen Ballon ganz nah an einer Steinspitze vorbei. Die Touristen im Ballonkorb jubeln.

Baris Pehlivan ist einer von vier Dutzend Piloten, die an diesem Morgen ihre bunten Heißluftballons in den Himmel über die märchenhafte Tuffsteinlandschaft Zentralanatoliens treiben. Eine Fahrt entlang Hunderter schneeweißer Baisertorten und überdimensionaler Pilze, umrandet von einer dicken Schicht Zuckerguss, so scheint es. Tatsächlich ist der Nationalpark Göreme, wie die Unesco das türkische Welterbe zwischen den Städtchen Nevs ehir, Avanos und Ürgüp seit 1985 nennt, in mehreren Millionen Jahren durch die Arbeit von Wind und Wasser entstanden. Heute sind die wundersam zackigen Täler Kappadokiens, die neben Liebes-, auch Tauben- oder Mönchstal heißen, eines der touristischen Highlights der gesamten Türkei.

In Göreme, dem zentralen Ort, der dem Nationalpark seinen Namen gab, sprießen die Steinkegel zwischen Häusern aus dem Boden, einige so glatt wie Samt, andere durchlöchert wie ein Schweizer Käse, viele von innen hohl – die kappadokischen Höhlenwohnungen. Schon vor mehr als anderthalb Jahrtausenden nutzten Mönche den weichen Tuff für ihr Einsiedlerleben, kratzten und gruben das feine Material von innen aus dem Stein und schufen damit die ersten Behausungen.

Die Unesco hat hier zudem mehr als 200 Höhlenkirchen ausgemacht. Manche touristisch vermarktet, andere in Stille und Ursprünglichkeit. Die Ihlara-Schlucht, ein 15 Kilometer langer Canyon im Süden der Region, beherbergt Felsenkapellen aus verschiedenen Epochen in seinen hundert Meter tiefen Hängen. Wunderschön mit bunten Malereien verziert, verstecken sie sich hinter dem saftigen Schluchtengrün. Kappadokien überrascht, egal, wo man sich befindet.


Anreise: Condor fliegt von Frankfurt nach Antalya (ab 184 Euro, www.condor.com). Weiter per Mietwagen nach Kappadokien.
Übernachten: In Göreme hat das Turquaz Cave Hotel (www.turquazcavehotel.com) hübsche Höhlenzimmer und ein tolles Frühstück auf der schönsten Aussichtsterrasse im Ort.
Anbieter: Wikinger Reisen hat eine 8-tägige Wanderreise nach Kappadokien im Programm (ab 1160 Euro, Tel. 02331-904742, www.wikingerreisen.de). Mit Gebeco kann man Kappadokien im Rahmen einer 8-Tages-Erlebnisreise kennenlernen (ab 935 Euro, Tel. 0431-5446747, www.gebeco.de). Bei Studiosus gibt es eine 10-tägige Eventreise (ab 1295 Euro, Tel. 00800-24 022402, www.studiosus.com).
Auskunft: Informationsabteilung des Türkischen Generalkonsulats, www.tuerkei-tourismus-kultur.de.
 

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