Prag : Mit Kaiser Karl in Tschechien

Burg Karlstein südwestlich von Prag auf einem hohen Felsen gelegen.
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Burg Karlstein südwestlich von Prag auf einem hohen Felsen gelegen.

In diesem Jahr wird in Prag der 700. Geburtstag von Karl IV. gefeiert.

Karlstein, Karlsbad, Karlsbrücke – ohne Karl geht offensichtlich gar nichts in Tschechien. In Prag gibt es überdies einen Karlsplatz. Sogar eine Universität trägt seinen Namen, die erste Mitteleuropas. Karl IV. (1316-1378), böhmischer König und später Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, hatte sie 1348 gegründet. Der weitsichtige und kluge Herrscher, der nicht nur sein Land prägte, sondern auch europäische Geschichte schrieb, hat inzwischen 700 Jahre „auf dem Buckel“, was weithin gefeiert wird und nicht nur uns zu einer Erkundungstour lockt.

In Karls Geburtsstadt Prag schieben sich Scharen von Touristen an den weltweit bekannten Sehenswürdigkeiten vorbei. Wir weichen in die weiter östlich gelegene alte böhmische Residenz und Münzstätte Kuttenberg (Kutná Hora) aus. Das Labyrinth der engen, mittelalterlichen Gassen mit Klöstern und Bürgerhäusern aus Gotik, Renaissance und Barock entpuppt sich als Schmuckstück. Seinen Silberbergwerken verdanke das „goldene“ Prag die Existenz und das böhmische Königreich seinen Aufschwung. Später gilt unsere ganze Bewunderung den zwei gewaltigen gotischen Kathedralen, der Heiligen Barbara und Mariä Himmelfahrt gewidmet. Im angrenzenden Klostergebäude gab es eine Tabakfabrik, die jetzt als Philip-Morris-Museum zu besichtigen ist.

Eine Weinverkostung bringt uns auf andere Gedanken. Beim Besuch des 1101 erstmals erwähnten Weinguts ist Karl als „guter Winzer“ in aller Munde. Er förderte den Weinanbau durch Weindekrete und führte neue Rebsorten ein. Ländern, in denen er herrschte, ging es gut.

Wie gut es ihm selbst ging, zeigt ein Abstecher in seine Burg Karlstein, 20 km südwestlich von Prag am Handelsweg nach Nürnberg. Für den königlichen Schatz, die heiligen Reliquien und Kronjuwelen auf hohem Kalksteinfelsen und doch ziemlich gut versteckt erbaut, beeindrucken ihre kostbar ausgestatteten Kapellen. Das Wappen im Thronsaal verweist mit dem luxemburgischen Löwen auf die väterliche und dem mährischen Adler auf die mütterliche Abstammung Karls.

Nicht nur die mittelalterliche Baukunst ist in Tschechien einzigartig, sondern auch die Natur. Im berühmten Bäderdreieck mit seinen heißen Quellen treffen wir schon wieder auf Karl. Angeblich hat er bei der Jagd ihre heilende Wirkung entdeckt und dem heutigen Kurort Karlovy Vary 1370 den Status einer Königsstadt verliehen. Damit baute er nicht auf Sand, auch wenn er zum Jubiläum als überlebensgroße Sandskulptur „auferstanden“ ist. Ein Ausflug mit der Seilbahn oder zu Fuß auf den „Hirschensprung“, einen Felsen mit Bronze-Gämse, der an die Jagd erinnert, wird mit einem herrlichen Blick über die Stadt und Kurwälder bis ins Erzgebirge belohnt. Neben den Bädern gelten längst auch die Trinkkuren an den Sprudelquellen in den Kolonnaden als Jungbrunnen. Nicht ohne Grund kamen berühmte Dichter, Komponisten, Wissenschaftler und heutzutage Kurgäste aus mehr als 80 Ländern hierher.

Am Abend endet unser Ausflug in einer „Hospoda“. Keine Angst, es handelt sich dabei nicht um ein Hospital, sondern um eine Bierstube. Immerhin vergab Karl IV. auch Braurechte. Die größte der 400 Brauereien Tschechiens liegt in Pilsen, und aus Prag kommt das bekannte Staropramen. So kann in Tschechien, gern „Land der Geschichten“ genannt, jeder seine eigene Geschichte erleben.

Infos rund um das Karl-Jahr mit Ausstellungen, Konzerten etc. in Prag: www.karlovapraha.cz, in Karlovy Vary: www.karlovyvary.cz/de, oder 700.karlovyvary.cz,
Stadtspiel in Prag: Der Entdeckungspfad „Royale Geheimnisse“ besteht aus sechs Stationen, an denen Besucher spielerisch in die Geschichte Karls IV. sowie der Prager Neustadt eintauchen. Die Geschichtsroute beginnt an der Touristeninformation am Neustädter Rathaus und dauert etwa 90 Minuten http://trails.cryptomania.cz/royal-mysteries.



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