Niederlande : Mehr als Tulpen

Alles Käse? Keineswegs, meinen Tourismusexperten.
Alles Käse? Keineswegs, meinen Tourismusexperten.

Die Niederlande sind ein beliebtes Urlaubsziel – doch das Land hat Imageprobleme.

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13. März 2015, 18:02 Uhr

Mehr als 3,9 Millionen Deutsche sind 2014 in die Niederlande gereist, Tagesbesucher nicht mitgezählt. Bereits 1955 zählte die Statistik 275 000 deutsche Gäste – seitdem hat sich die Zahl mehr als vervierzehnfacht. Und so wird es wohl weitergehen. Anouk Susan vom Niederländischen Büro für Tourismus (NBTC) hält es für realistisch, bald die Vier-Millionen-Marke zu knacken.

Trotzdem: Die Niederlande haben ein Imageproblem. Viele Deutschen verbinden mit dem Nachbarland „Tulpen, Windmühlen und Holzpantinen“, sagte Susan auf der Reisemesse ITB in Berlin. Das ist so realistisch wie die Vorstellung mancher Amerikaner, Deutsche liefen mit Lederhose und Sepplhut herum. Das eindimensionale Bild, das viele Deutsche von den Niederlanden haben, hat aber Auswirkungen aufs Urlaubsverhalten.

Eine Image-Studie ergab, dass die Deutschen mit ihrem Nachbarn vor allem Käse, Küste, Meer und Fahrradfreundlichkeit assoziieren und Urlaub an der Nordsee schätzen. Das ist aus Sicht der niederländischen Tourismusexperten ein bisschen wenig. Schließlich habe Holland noch andere Seiten, betont Susan.

Tiere in freier Wildbahn zum Beispiel und kaum berührte Natur. Das weiß in Deutschland bloß kaum jemand – und deswegen ist Susan auch froh über den Dokumentarfilm „Die neue Wildnis“, der am 9. April in Deutschland ins Kino kommt. In den Niederlanden war er ein riesiger Erfolg. Er zeigt Bilder aus den Niederlanden, die die meisten Deutschen nicht erwartet hätten: Eine riesige Herde wilder galoppierender Pferde, spielende Füchse und kreisende Seeadler. Zwei Jahre lang hat das Filmteam dafür vor allem in den Oostvaarderplassen in der Provinz Flevoland östlich von Amsterdam gedreht, wo alle diese Tiere in freier Wildbahn zu sehen sind. Für Susan der beste Beweis dafür, dass es in den Niederlanden noch viel zu entdecken gibt.

Das sieht Axel Rüger ähnlich. Das Herzensanliegen vom Direktor des Van Gogh Museums in Amsterdam ist es aber weniger, den Deutschen die wilden Seiten der Niederlande nahezubringen. Ihm geht es um die Kunst. Schließlich gebe es wie bei den Wildtieren auch in den Museen die „Big Five“ – „Rembrandt, Vermeer, Van Gogh, Mondrian und Escher“, zählt er auf. Sein Museum zeigt vom 25. September bis 17. Januar 2016 eine Ausstellung zum Van-Gogh-Jahr aus Anlass von dessen 125. Todestag. Noch bis zum 17. Mai ist im Rijksmuseum in Amsterdam eine große Rembrandt-Ausstellung zu sehen. Das Gemeentemuseum in Den Haag zeigt bis zum 6. September eine Ausstellung mit Werken der Den Haager Schule, das Museum Escher im Palast in Den Haag widmet sich bis zum 31. Dezember den Werken Eschers.

Die Niederlande als Ziel für Kunst- und Kulturtouristen bekannter machen will auch die Initiative „Kunst Holland“, zu der sich die vier genannten Museen des Landes zusammengeschlossen haben. Das Ziel ist klar: Wenn deutsche Urlauber über die Niederlande nachdenken, soll ihnen künftig viel mehr einfallen als Windmühlen und Holzpantinen.

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